Kurz:

Die Bestseller-Verfilmung über einen Jungen, der aufgrund seines entstellten Gesichtes nicht die Regelschule besucht, sondern zu Hause unterrichtet wird. Als der Tag anbricht, wo Auggie, wie der Junge heisst, eingeschult wird, bereitet sich die ganze Familie mit mulmigen Gefühlen auf das Ereignis vor.

Lang:

Als Auggie Freemann im Kreissaal das Licht der Welt erblickt, halten Eltern und Ärzte für einen Moment den Atem an. Allerdings nicht aus Rührung, sondern vielmehr weil Auggie mit körperlichen Defiziten geboren wird. Besonders die sichtbaren Entstellungen im Gesicht bereiten allen sorgen. Die Schuld trägt ein Gen, welches doppelt vorkommt und unvorhersehbare Anomalien zur Folge hat. Viele Operationen später (welche unter anderem seine Atmung korrigieren) kann Auggie ein für einen 10-Jährigen fast normales Leben führen.

Fast, denn die Entstellungen in seinem Gesicht sind noch immer sichtbar und so trägt Auggie gewissermassen nicht nur äusserlich sichtbare Narben auf seinem Körper, sondern auch auf seiner Seele. Zu sehr fürchtet er sich davor, von anderen Kindern gehänselt zu werden. Deswegen bekommt er zu Hause Privatunterricht von seiner Mutter, die davon jedoch völlig absorbiert wird.

Urplötzlich heisst es für ihn aber ab in in den realen, bedrohlichen Schulalltag! Wir erinnern uns an die eigene Schulzeit: auf dem Pausenhof genügte oft schon das falsche T-Shirt, um Hohn und Spott zu ernten und zum Aussenseiter degradiert zu werden. Gar kein Wunder also, hat Auggie panische Angst vor einem solchen Szenario. Prompt lässt sein neuer Klassenkamerad Julian auch bald seine üblen Scherze über sein Aussehen los. Der Schulalltag wird hier sehr realistisch und ohne Schönfärbungen dargestellt. Konnte sich Auggie zuhause noch unter seinem geliebten Astronautenhelm verstecken, bietet die Schule rein gar keine Rückzugsmöglichkeiten mehr. Anderseits findet er in Jack seinen ersten, guten Freund.

Allgemein haben alle seine Klassenkameraden keinen grossen Part, sind nichtsdestotrotz alle sehr gut gezeichnet und tiefschichtig geschrieben. Es gibt keine eindimensionalen Arschkinder, sondern alle haben ihre Motive und Hintergrundgeschichten. Man wird an die fast schon typische Rollenverteilung aus der eigenen Schulzeit erinnert.

Das erfrischende an «Wonder» ist, dass nicht nur die Geschichte von Auggie im Mittelpunkt steht. Seine Wesen, seine Erlebnisse und seine Erscheinung beeinflussen alle Charaktere um ihn herum. So zeigt der Film etwa ab der Mitte der Handlung die Sichtweise seiner grossen Schwester Via und ihrer ehemals besten Freundin Miranda, welche gegen Schluss ebenfalls eine wichtige Rolle spielen soll. Bei Auggies Mutter Isabel Pullmann (Julia Roberts) erlebt man, wie sie lernen muss, mit der plötzlichen Abwesenheit ihres Sohnes umzugehen. Insgesamt hätte etwas mehr eingestreute Problematik nicht geschadet, damit der Film realistischer gewirkt hätte.

«Wonder» konzentriert und brilliert voll und ganz durch die Kinderdarsteller und deren Charaktere. Der 12-Jährige Jacob Tremblay überzeugt entsprechend auf allen Ebenen: seine Figur kommt schlau, humorvoll und liebenswert rüber.

Fazit:

Ein Film über Mobbing, Akzeptanz und Freundschaft. Der Streifen fühlt sich ehrlich und herzerwärmend an. Auf der anderen Seite ist vieles gegen Schluss kitschig und drückt, weil wir Seelen haben, auf die Tränendrüsen; alles geht perfekt auf und alle vertragen sich wieder in perfekter Harmonie. Ein mutiges, offenes Miteinanderreden kann oftmals echte Wunder zwischen Menschen bewirken. Daher erscheint der Schluss nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern fein inszeniert. Aber mal Hand aufs Herz: Bei so einem Film will man doch nichts anderes sehen als ein Happy End, oder?

 

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