Screening

Im Februar gibt es in unserem Stammkino, dem Berner Ciné Club, das wüsteste Team seit Nitro und Glycerin: «The Blues Brothers» mit Dan Aykroyd und John Belushi in den Hauptrollen. Tickets für das fabelhafte Rhythm-and-Blues-Review gibt es hier.

Review:

Kurz:

Achtung: «The Blues Brothers» ist ein Musical. Aber weil 100% kitschbefreit, ist es das beste Musical überhaupt!

Lang:

Glücklicherweise ist «The Blues Brothers» kein klassisches Show-Musical. Gesangs- und Tanznummern sind in die Filmhandlung integriert und verleihen so dem Kult-Comedy-Klassiker von John Landis (National Lampoon’s Animal House, An American Werewolf in London) eine interessante und frische tiefe. Denn bei «The Blues Brothers» fliegen nicht nur Tänzer durch Kirchen, auch Polizeiautos heben zu Massenkarambolagen ab.

We’re on a mission from God

Aber um was geht es? In einem tristen Chicago Ende der 70er Jahre, wo die schlechte Konjunktur allgegenwärtig ist, holt Elwood Blues, gespielt von Dan Aykroyd (1941, Ghostbusters), seinen «Bruder» Jake Blues, dargestellt von John Belushi (National Lampoon’s Animal House, 1941), mit einem ausrangierten Polizeiauto bei dessen Haftentlassung ab. Die zwei stoischen Gestallten wirken zugleich exzentrisch, ernst, wie auch ein wenig bedrohlich. Alsbald werden die zwei Waisen von ihrer Ziehmutter bzw. Oberin um Hilfe gebeten. Die beiden sollen 5’000 Dollar auftreiben, um die Schulden des Waisenhauses, wo sie aufgewachsen sind, zu bezahlen. Das Geld muss jedoch auf legale Weise aufgetrieben werden, was für die zwei nicht selbstverständlich ist.

Grundlage

Ursprünglich wurden die Charaktere «Joliet Jake Blues» und «Elwood Blues» 1976 als Sketch für Saturday Night Live konzipiert. John Belushi war dabei als Biene verkleidet, mit einer gelben Sonnenbrille und gelben Federn als Fühler, und trug damit eine erstaunlich gute Version von Slim Harpos «I’m a King Bee» vor, während Dan Aykroyd in im Hintergrund mit Mundharmonika begleitete. Der Sketch hatte so einen enormen Erfolg, dass das Konzept weiterentwickelt wurde und die beiden Komiker später auch ausserhalb der Sendung mit einer Liveband auftraten.

Da die Erfolgswelle nicht verebbte, schrieb Dan Aykroyd ein Filmskript, welches von John Landis überarbeitete. Drei Hauptthemen hat Herr Aykroyd gesetzt:

  1. THEMA 1
    Der gebürtige Kanadier war zu dieser Zeit ein regelrechter Comedy-Superstar. Seine ganze Erfahrung, welche er durch The Second City und Saturday Night Live angesammelt hat, lies er in den Film einfliessen: Ob in Dialoge mit trockenem Humor, Situationskomik oder Improvisierten Passagen erkennt man seine Handschrift.
  2. THEMA 2
    Soul, Rhythm and Blues begeistern den Comedian. Entsprechend ist der «The Blues Brothers» gespickt mit alten Black-Musik-Hits.
  3. THEMA 3
    Motorhead Danny ist ein echter Autonarr. Die Rolle und Fähigkeiten, welche der 1974 Dodge Monaco einnimmt ist nicht von Ungefähr. Die ikonische Karre hat regelrechte mystische Fähigkeiten, welche die Herzen aller Stuntfahrer und Autofans höherschlagen lässt.

Anschliessend stürzten sich Universal und Paramount auf die Filmrechte, wobei Universal den Deal besiegelte. Das ursprüngliche Produktionsbudget wurde auf 17 Millionen Dollar gesetzt, der Film selber kostete aber schlussendlich etwa 27 Millionen Dollar. (Zum Vergleich: «Airplane!» hatte ein Budget von 3.5 Millionen und «The Empire Strikes Back» eins von 18 Millionen!)

Der Streifen erreichte Kultstatus und spielte bis heute weit über 100 Millionen Dollar ein. Ja selbst der Vatikan liebt «The Blues Brothers».

Unkosten

Aber wie konnte so ein hohes Budget verprasst werden? Ab und zu sind aufwändige Kulissen zu sehen, wie sie in Musical üblich sind. Auch die Kosten für die Musikrechte sind nicht zu unterschätzen. Dies alleine kann jedoch den Geldbeutel nicht so fest belastet haben.

Es waren hauptsächlich die famosen und zerstörungswütigen Stunts, die die Kosten sprengten. Ob ein Kaufhaus, ganze Gebäudefassaden oder Polizeiautos – ganze 102 Autos wurden für den Film verschrottet, in «The Blues Brothers» wird (fast) alles kunstvoll demoliert.

Zum ganzen Materialschaden kamen noch weitere Aufwände wie beispielsweise die Anstellung von zig Stuntleuten oder Abriegelungen in der Stadt Chicago dazu. Eigentlich ein absurder Gedanke, eine Komödie bzw. Musical mit so vielen Stunts und Explosionen zu garnieren. Aber so macht es halt mal unglaublich Laune.

Nicht nur die Action macht «The Blues Brothers» in Musical-Genre einzigartig. Es gibt viele unnötige und unsinnige Szenen, die es dramaturgisch nicht brauchen würde, aber genau den Humor des Films ausmachen. Ein Beispiel: Das Bluesmobile rast in einer Verfolgungsjagd mit 120 km pro Stunde durch die Strassen von Chicago, um schlussendlich eine Vollbremsung zu machen, urplötzlich rückwärts zu fahren und mit einem Rückwärtssalto fliegend zu entkommen. Das Ganze ergibt keinen Sinn, ist kostspielige und der Erzählungsstrang hätte eleganter ausgeführt werden können. Aber genau deswegen lieben wir den Streifen.

Revival

Was jedoch als grösster Erfolg von «The Blues Brothers» zu werten war: In einer Zeit, in welcher musikalisch Metal und Disco dominierten, schaffte der Filme es, vergessene Legenden aus Soul und Rythm ‘n Blues zurück an die Oberfläche zu katapultieren. Von Cab Calloway, über John Lee Hooker bis hin zu Aretha Franklin, alle diese Künstler wurden zurück ins Rampenlicht gerückt und erlebten so ihren verdienten, zweiten Frühling (Ihre schauspielerisch-amateurhaften Auftritte im Film sind natürlich verziehen).

Fazit

«The Blues Brothers» ist ein einzigartiges Musical, welches wunderbar inszeniert ist, von seinen zwei Hauptdarstellern getragen wird und dem Zuschauer immer wieder mit einem Augenzwinkern einen Überfluss an Unsinn serviert. Das Ganze ist mit einem durchwegs genialen Soundtrack untermauert, der alle in Rhythmus-Ektase bringt. Der Kultfilm ist pures Vergnügen für Augen, Ohren und Lachmuskeln.

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