Kurz:
Achtung: THE BLUES BROTHERS ist ein Musical. Aber weil 100 % kitschbefreit, ist es das beste Musical überhaupt!
Lang:
Glücklicherweise ist THE BLUES BROTHERS kein klassisches Show-Musical. Gesangs- und Tanznummern sind in die Filmhandlung integriert und verleihen so dem Kult-Comedy-Klassiker von John Landis (NATIONAL LAMPOON’S ANIMAL HOUSE, AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON) eine interessante und frische Tiefe. Denn bei THE BLUES BROTHERS fliegen nicht nur Tänzer:innen durch Kirchen, auch Polizeiautos heben zu Massenkarambolagen ab.
We’re on a mission from God
Aber um was geht es? In einem tristen Chicago Ende der 70er Jahre, wo die schlechte Konjunktur allgegenwärtig ist, holt Elwood Blues, gespielt von Dan Aykroyd (1941, GHOSTBUSTERS), seinen «Bruder» Jake Blues, dargestellt von John Belushi (NATIONAL LAMPOON’S ANIMAL HOUSE, 1941), mit einem ausrangierten Polizeiauto bei dessen Haftentlassung ab. Die zwei stoischen Gestalten wirken zugleich exzentrisch, ernst wie auch ein wenig bedrohlich. Alsbald werden die zwei Waisen von ihrer Ziehmutter bzw. Oberin um Hilfe gebeten. Die beiden sollen 5’000 Dollar auftreiben, um die Schulden des Waisenhauses, wo sie aufgewachsen sind, zu bezahlen. Das Geld muss jedoch auf legale Weise aufgetrieben werden, was für die zwei nicht selbstverständlich ist.
Unkosten
Aber wie konnte so ein hohes Budget verprasst werden? Ab und zu sind aufwändige Kulissen zu sehen, wie sie in Musicals üblich sind. Auch die Kosten für die Musikrechte sind nicht zu unterschätzen. Dies allein kann jedoch den Geldbeutel nicht so fest belastet haben.
Es waren hauptsächlich die famosen und zerstörungswütigen Stunts, die die Kosten sprengten. Ob ein Kaufhaus, ganze Gebäudefassaden oder Polizeiautos – ganze 102 Autos wurden für den Film verschrottet, in THE BLUES BROTHERS wird (fast) alles kunstvoll demoliert.
Zum ganzen Materialschaden kamen noch weitere Aufwände wie beispielsweise die Anstellung von zig Stuntleuten oder Abriegelungen in der Stadt Chicago dazu. Eigentlich ein absurder Gedanke, eine Komödie bzw. ein Musical mit so vielen Stunts und Explosionen zu garnieren. Aber so macht es halt mal unglaublich Laune.
Nicht nur die Action macht THE BLUES BROTHERS im Musical-Genre einzigartig. Es gibt viele unnötige und unsinnige Szenen, die es dramaturgisch nicht bräuchte, die aber genau den Humor des Films ausmachen. Ein Beispiel: Das Bluesmobile rast in einer Verfolgungsjagd mit 120 km pro Stunde durch die Strassen von Chicago, um schlussendlich eine Vollbremsung zu machen, urplötzlich rückwärts zu fahren und mit einem Rückwärtssalto fliegend zu entkommen. Das Ganze ergibt keinen Sinn, ist kostspielig, und der Erzählstrang hätte eleganter ausgeführt werden können. Aber genau deswegen lieben wir den Streifen.
Revival
Was jedoch als grösster Erfolg von THE BLUES BROTHERS zu werten war: In einer Zeit, in welcher musikalisch Metal und Disco dominierten, schaffte es der Film, vergessene Legenden aus Soul und Rhythm ’n‘ Blues zurück an die Oberfläche zu katapultieren. Von Cab Calloway über John Lee Hooker bis hin zu Aretha Franklin – alle diese Künstler:innen wurden zurück ins Rampenlicht gerückt und erlebten so ihren verdienten zweiten Frühling. (Ihre schauspielerisch-amateurhaften Auftritte im Film sind natürlich verziehen.)
Fazit:
THE BLUES BROTHERS ist ein einzigartiges Musical, welches wunderbar inszeniert ist, von seinen zwei Hauptdarstellern getragen wird und dem Publikum immer wieder mit einem Augenzwinkern einen Überfluss an Unsinn serviert. Das Ganze ist mit einem durchwegs genialen Soundtrack untermauert, der alle in Rhythmus-Ekstase bringt. Der Kultfilm ist pures Vergnügen für Augen, Ohren und Lachmuskeln.
Review: Philippe Hausherr (Elwood Stantz)
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