Review
Kurz
Winter is coming!
Lang
Es ist Sommer 1982 und Regisseur John Carpenter steht kurz davor, seinen neuesten Film „The Thing“ zu veröffentlichen. Für den 34-jährigen Filmemacher markiert es den Höhepunkt monatelanger, eisiger Dreharbeiten im schneebedeckten British Columbia, in welchen er beinahe täglich an körperliche und technische Grenzen stiess. Entsprechend stolz war Carpenter auf sein Endprodukt. Nach selbst produzierten Hits wie „Assault On Precinct 13“, „Halloween“ und „Escape From New York“ markierte „The Thing“ seinen ersten Studiofilm (für Universal) und entsprechend war das Produktionsbudget von rund 15 Millionen Dollar auch sein höchstes.
Doch als der Streifen am 25. Juni 1982 in den US-Kinos anlief, war die Resonanz der Kritiker fast so aggressiv und destruktiv wie das Titelmonster des Films. Als „töricht, deprimierend“ wurde der Film betitelt oder sogar als „Instant-Müll“ bezeichnet. Caprenter selbst war von den kritischen Reaktionen überrascht.
Vielleicht war einfach nur ein anderes Alien am initialen Misserfolg schuld: Damn you, E.T.! Steven Spielbergs sanfter Familien-Blockbuster erschien nur zwei Wochen vor „The Thing“ und stand dem alptraumhaften Exzess Carpenters diametral gegenüber. Und während einem, von Sci-Fi-Filmen überladenen Blockbuster-Sommer („Star Trek 2“, „Tron“, „Poltergeist“, „Blade Runner“ !!!), hatte das Kinopublikum wohl keinen Bock auf das blutgeile, ausserirdische Ding. Es schien fast, dass „The Thing“ zur falschen Zeit am falschen Ort landete. Doch Ende gut – alles gut, mittlerweile gehört der Streifen zu den besten Sci-Fi-Horror-Filmen aller Zeiten. Gut so.
Auf Video – und später im Fernsehen – begann sich die Einstellung zum Streifen drastisch zu verändern. Der anfängliche Schock und die Ablehnung begannen zu schwinden und aus anfänglichen Kritikpunkten wurden plötzlich zu Hauptgründen, wieso der Film gesehen werden musste.
Besonders Rob Bottins bahnbrechende Arbeit bei den Special-Effects wurde jetzt endlich honoriert. Noch heute gehören die unglaublich kranken Kreationen des dazumal 20-jährigen zum Besten was handgemachte Effekte zu bieten haben. Verstörend, abstossend, saublutig und verdammt kreativ. Einer der Hauptgründe, „The Thing“ zu sehen. Weitere Gründe:
Die Atmosphäre
Trotz einer dürftigen, auf einem Post-It-Platz-findenden-Story erzeugt der Film einen unglaublichen Sog. Der apokalyptische Grundton des Films ist dermassen destruktiv, dass sich Carpenter selbst anfangs nicht sicher war, ob er damit ein wenig zu weit gegangen ist. Glücklicherweise blieb er bei seiner trostlosen, dunklen Vision und verdiente sich damit auch seinen bis heute noch gültigen Jobtitel: „Master of Darkness“.
MacReady
Nach „Escape from New York“ war „The Thing“ die zweite Kollaboration zwischen Carpenter und Russel. Mit Cowboyhut, Whiskeyflasche und Vollbart ausgerüstet mutiert Russells MacReady (was für eine Name!) langsam und höchst ungern zum Gruppenleiter. Sicherlich nicht die tiefschürfendste schauspielerische Leistung in der Karriere des Amerikaners, aber schon nur der Bart alleine ist das Eintrittsgeld wert.
Die Schauspieler
Dass sich das Alien in bester Bodysnatcher-Manier Menschen als Host aussucht, formt nicht nur alle Charaktere im Film langsam zu zynischen, skeptischen Egomanen, sondern lässt auch die Zuschauer bis zur letzten Minute spekulieren, wer jetzt infiziert ist und wer nicht. Paranoia pur. (Bis heute wird in Fan-Foren spekuliert, wann Blair (Wilford Brimley) zum ersten Mal vom Monster imitiert wurde und ob die Opfer des Dings überhaupt wissen, ob und wann sie „ersetzt“ wurden. „The Thing“ bleibt somit auch noch mehrmaligem Schauen interessant.)
Der Soundtrack
Der fantastische Soundtrack von Ennio Morricone, gewürzt mit John Carpenters unnachahmlichen Synthie-Score passt zum Film wie die Faust aufs Auge und ruft bereits ab der Anfangssequenz ein ungutes Gefühl bei Zuschauer hervor. Gross!
Fazit
Mittlerweile hat auch John Carpenter mehrmals betont, dass „The Thing“ sein persönlicher Lieblingsfilm ist. Krasses Statement, denn der Amerikaner ist auch verantwortlich für Perlen, wie „The Fog“, „Escape from New York“, „Halloween“, „They Live“, „Prince of Darkness“ und „Assault on Precinct 13“. Trotzdem können wir ihm nur beipflichten. „The Thing“ ist der beste Genrefilm aller Zeiten. Ein klaustrophobischer Todestanz aus Feuer, Eis und Blut.

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