Cats (2019)

Kurz:
Eine Katze ist kein Hund.

Lang:
Musicals sind für uns wie verstopfte Abwasserrohre. Wir wollen nicht wissen, was drinsteckt, und wenn’s passiert, dann hoffentlich nicht in unserer Nähe. Der grösstmögliche Bogen um gesungene Gespräche ist uns nicht gross genug! Nein, diese Kunstform erschliesst sich uns in keiner Art und Weise. Wenn eine Person kurz davorsteht, einen neuen Song zu intonieren, geraten wir jedes Mal in innere Panik. Je. Des. Mal.

Doch ein echter Filmmasochist liebt den Schmerz.

Schon nur der Trailer zu CATS sprengte Mitte Jahr unsere Sehgewohnheiten ins All. Als nach Kinostart der Film nur so mit Häme überschüttet wurde und sogar Parallelen zu THE ROOM und SHOWGIRLS gezogen wurden, war für uns klar: diesem finanziellen und künstlerischen Desaster können wir uns nicht entziehen. Leider!

Ist CATS so übel, wie allerseits zu lesen ist? Ja!

Den Katzen-Menschen-Hybriden beim Singen, Tanzen und Sich-Putzen zuzusehen, ist ein einziger, nicht enden wollender cineastischer Fiebertraum. Flankiert wird dieser pelzige Trip von bestenfalls mittelprächtigen Songs und Outfits jenseits der Grenze des (Er)tragbaren.

Man fragt sich unwillkürlich, wie sich die für sieben Oscars nominierte Judi Dench wohl gefühlt haben muss, als sie zum ersten Mal ihr Kostüm sah: eine wandelnde, pink-beige, üppig behaarte Pelzrobe. Ein optischer Eindruck, den man so schnell nicht mehr los wird.

Und sie ist damit in bester Gesellschaft: Restlos alle Darsteller:innen sehen einfach nur befremdend und verstörend aus. Der Begriff „Tierhorror“ kriegt dank CATS eine komplett neue Bedeutung. Wenn Eltern ihren Nachwuchs möglichst früh mit gruseligen Bildern konfrontieren und nicht auf JAWS oder TEMPEL DES TODES warten wollen: Der Film hat die Altersfreigabe 0. Viel Spass dabei.

Und dann wäre ja noch die Story. Eine Story so dünn, dass im Vergleich jeder beliebige Steven-Seagal-Streifen wie THE IRISHMAN wirkt. Im Prinzip geht es einfach um eine „Katze“, die in eine Gasse geworfen wird und dort andere „Katzen“ trifft. Jede neue Bekanntschaft stellt sich mit einer eigenen musikalischen Nummer vor. In den ersten 90 Minuten passiert wirklich nichts anderes! REIN. GAR. NICHTS. ANDERES! Ach ja, am Schluss wird dann die „Katze“ mit der tollsten Performance von Dench per Heissluftballon in den Himmel katapultiert. Wohin? Egal. Wieso? Egal. Nur eines ist klar: We need a hug!

CATS strotzt nur so von peinlichen, unfreiwillig komischen Momenten. Unser liebster: Jennifer Hudson quält sich gefühlt 10 Minuten durch den CATS-Gassenhauer „Memories“, vergiesst dabei ein Katzentränlein nach dem anderen und zelebriert dramatisches Overacting par excellence. Schnitt! Das Bild landet auf dem haarigen „Löwen-Dench“-Kostüm – und schon verpufft die (aufgesetzte) Intensität von Hudsons Performance wie ein veganer Katzenfurz.

Wie kann ein solcher Film passieren? Wir wissen es nicht und können es uns auch nicht erklären. Vielleicht waren alle in diesen Streifen involvierten Personen einfach in einer sehr experimentierfreudigen Stimmung? Egal, ein solcher Film darf einfach nicht existieren. Schön, tut er es trotzdem.

Fazit:
Ein Hoch auf den nächsten Best-Worst-Klassiker? Wer weiss das schon. Die Zeit und das Internet werden jedenfalls aus dieser Absurdität formen, was immer sie verdient! Vielleicht feiern wir CATS in 10 bis 20 Jahren an einer KMG-Night? Vollkommen unpassend wäre es jedenfalls nicht.

Review: Ronny Kupferschmid

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