Kurz:

Eine Horde barbarischer und korrumpierter Ausserirdischer dringt durch ein dunkles Portal in eine Welt, die von Menschen, Zwergen und Elfen bewohnt wird.

Lang:

Und es ist wieder soweit! Eine neue Videospielverfilmung beglückt unsere Leinwände. Yay! Nach verschiedenen Versuchen wie Street Fighter, Alone in the Dark und Prince of Persia wird nun die Welt des berühmtesten MMORPG umgesetzt: World of Warcraft. Das Warcraft-Universum bietet eine grosse Auswahl an Erzählungen (unteranderem um die 20 offizielle Romane) und die Videospielschmiede Blizzard hat in den letzten Jahren immer bessere computeranimierte Kurzfilme ins Leben gerufen. Entsprechend war ich, als langjähriges Kellerkind sehr gespannt auf diese Umsetzung.

Die erste Ankündigung für einen Warcraft-Film entstand vor zehn Jahren¹. Nach langem hin und her um das Drehbuch und der Kündigung von Sam Raimi (auch Uwe Boll bot sich heldenhaft an) übernahmen Duncan Jones (Moon, Source Code) und Charles Leavitt (Blood Diamond, In the Heart of the Sea) die Führung². Entsprechend kann man nicht behaupten, dass die Lizenz vorschnell verscherbelt wurde. Die Erwartungen von allen Seiten waren folglich sehr hoch. Besonders die der launischen Spieler, deren Meinung durch ihre Schwarmintelligenz gebildet wird.

Nun genug Vorworte! Und jetzt weiter ohne Spielverderber aka Spoiler.

Der Film lädt den Zuschauer in eine romantisierte Welt ein, welche an ein mittelalterliches Europa angelehnt ist: Azeroth. Dieser malerische Kosmos ist sogar politisch korrekt. So dass sie von Afro- und Sino-Azerother bewohnt wird und auch Frauen der Armee angehören. Ein Universum mit tapferen Kriegern, weisen Zauberer und muskelbepackten Kreaturen. Diese Fleischberge, die anscheinend an Elephantiasis leiden, nennen sich Orks. Die Welt ist trotzt des Krieges nicht zu düster, sondern mit bunten Gewändern und stark verzierten Waffen und Rüstungen sehr überzeichnet. Trommeln, Geigen und Fanfaren untermalen die Stimmung heldenhaft. Und die Gebäude sind kolossal und imposant. Oder wie der es auf Neudeutsch heisst: Epic!

Die Geschichte beschränkt sich nicht auf ein Schwarz-Weiss-Denken und ist somit ganz interessant. Jedoch hat man das Gefühl, dass der Blockbuster an der „Degradation der Drehbuchautoren“ leidet: Zu viele Zielgruppen sollen angesprochen werden. Demnach findet man am Rande eine künstliche Romanze, deplatzierter Humor, plumpe One-Liner und so weiter. Ähnlich sieht es bei den verschiedenen Charakteren aus. Ben Foster (30 Days of Night, 3:10 to Yuma) spielt authentisch den mysteriösen und gedanklich abwesenden Medivh. Auf der anderen Seite hat der Zauberlehrling Khadgar – Ben Schnetzer (Pride, Goat) – eine eindimensionale und seichte Rolle als Bücherwurm und Aussenseiter.

Nun zur CGI. Die Orks sind wunderbar detailliert und lebensecht. Die Mimik und Gestik der Schauspieler werden tadellos auf die Monster übertragen. Auch die schwebende Magierstadt Dalaran versetzt einem kurzfristig in Staunen. Die Computergrafik assimiliert sich die meiste Zeit unauffällig und erfolgreich in das real gedrehte Filmmaterial. Aber dennoch gibt es Beispiele wie die Wölfe, welche sehr generisch und comichaft wirken. Kämpfe und Schlachten tauchen oft auf, ziehen aber den Streifen nicht unnötig in die Länge. Diese wurden ausdrucksvoll gestaltet, allerdings fehlt der Spannungsaufbau vor den Schlachten.

An die Gamer wurde natürlich auch gedacht. Schnell fühlt sich diese Gattung zuhause durch die Helden, die Bauwerke und Landschaften. Manchmal wurde dies so akkurat durchdacht, dass selbst der „Landplatz“ des Greifens in der Menschenstadt Sturmwind, dem des Spiels entspricht. Die Geschichte jedoch wurde marginal angepasst. Dies hat zur Folge, dass sogar selbsternannte Warcraft-Historiker überrascht werden oder sich vor den Kopf gestossen fühlen.

Fazit:

Eine ganz gelungene Umsetzung. Der Film taucht den Kinogänger in ein Wechselbad zwischen Klischees und Begeisterung. Er kann mit den Bildern faszinieren wie Avatar. Jedoch wird er in fast jeder Hinsicht immer im Schatten eines Herrn der Ringe leben. Mindestens eine Oscarnominierung hätte der Film sicherlich verdient (Bestes Kostümdesign?). Schaut euch Warcraft an, damit ihr aus dem Haus kommt, ihr Nerds! Ich bin nun AFK…

rating_4

 

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One thought on “Rezension: Warcraft – The Beginning (2016)

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