Kurz:

Wenn Tiere Amok laufen, hilft nur üppige Brustbehaarung.

Lang:

Angesiedelt im deutschen Europa, wo genau ist nie ganz klar, spielt aber auch keine Rolle, ist das Abwasser dermassen verseucht, dass eine Horde Tiere nach einem ausufernden Trinkspiel aus dem Zoo ausbüxt und alles anfällt, was zwei Beine hat.

„Wild Beasts“, ein waschechter italienischer Exploitation-Flick, versucht sich in oberflächiger Ökokritik und billigen Schock-Effekten, brilliert aber hauptsächlich mit seinen erstaunlichen Fakten rund um den Dreh.

Ähnlich wie beim nicht minder interessanten ROAR“ sind auch in „Wild Beasts“ alle Tiere echt und entsprechend unberechenbar war auch die Produktion des Streifens. Ob Tiger, Jaguare, Paviane oder Elefanten, in diesem Streifen prallen Laiendarsteller auf echte Raubtiere. Doch im Gegensatz zum ähnlich abstrusen „ROAR“ wurden in „Wild Beasts“ keine Schauspieler und Crew-Members skalpiert. Was erstaunt, denn wo die amerikanische Produktion mit einer leichtfüssigen Familie-Robinson-Story ums Eck schaute, sind es in „Wild Beasts“ erstaunliche Action-Szenen und viele Gore-Momente, welche die im Horror-Genre angesiedelt Story auf die Leinwand bringen.

In „Wild Beasts“ wird schon mal ein Pferdekopf halbiert oder zwei Turteltäubchen werden beim Rummachen im Auto von 3000 Ratten zerfleischt. (Zu den Ratten hier eine zu gleichen Teilen lustige wie traurige Randnotiz: die Ratten waren ursprünglich weiss, mussten aber für den Dreh schwarz angemalt werden. Dass Tierleben 1983 nicht in die Waagschale geworfen wurden, ist dann offensichtlich, wenn mit einem Flammenwerfer ein Dutzend Ratten bei lebendigem Leid verbrannt werden. Übel anzusehen. Glücklicherweise sind heutzutage solche Praktiken nicht mehr denkbar und immerhin versicherte uns der Commentary-Track, dass keine weiteren Tiere misshandelt wurden.)

Unser Held, ein Tom Selleck light, wird vom ehemaligen Tierdompteur John Aldrich verkörpert. Während er mit den Tieren souverän umgeht, ist sein Tanz mit dem Drehbuch sehr hölzern und sein fehlendes Schauspieltalent nicht von der Hand zu weisen. Hübsch anzusehen, wie er mit seiner für die 80er gewohnt opulenten und prächtig zur Schau gestellten Brustbehaarung Eisbären knuddelt oder sich mir nix dir nix in eine Horde Leoparden wirft.

Doch Aldrich ist nicht der einzige Schauspiellaie, die schauspielerischen Leistungen in „Wild Beasts“ sind durchs Band wegen #badactingtuesday tauglich. Sorry ihr Menschlein, aber die Stars des Streifens bleiben die Raubtiere. Diesen Fakt ändert weder der angenehme Jazz-Soundtrack, welcher die Zuschauer durch die vernebelten Gassen der tiergeplagten Stadt begleitet, noch die tollen Soundeffekte mit ihrem Gezirpe und Geswhooshe („Starcrash“ ahoi).

Das grosse Manko des Streifens, die Story ist verdammt monoton und kommt nie richtig in die Gänge. Hier ein Tier-Close-Up, da ein Geschrei, dann wieder ein Tier-Close-Up, flankiert von mehr Geschrei, gewürzt mit einem in Ketchup getunkten Tier-Close-Up. Fertig, nächste Szene. Ermüdend das Ganze. Da hilft auch der überraschend unpassende WTF-Schluss des Streifens nur bedingt aus der Patsche.

Fazit:

Ähnlich wie schon bei „ROAR“ reicht Best-Worst-Acting im 80er-Kleid und eine unglaublich haarsträubende Produktionsgeschichte nicht aus, um einen waschechten Best-Worst-Classic zu formen. Trotzdem muss der Streifen einmal gesehen werden. Vielleicht grad als Double-Feature mit „ROAR“?

 

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