Review

Kurz:

THE MEDIEVIL DEAD.

Lang:

Es begann in einer Waldhütte, es endet im Mittelalter. Nachdem Ash von einem dämonischen Portal ins Mittelalter gesaugt wird, trifft er dort subito auf König Arthur himself. Dieser sieht in ihm einen Widersacher und entsorgt ihn umgehend in einer von einem Dämonen behausten Grube (Ja, sowas gibt’s im Mittelalter). Mit seinem Boomstick entledigt sich Ash dieser ungöttlichen Kreatur und wird deshalb von King Arthur als „Erlöser“ in den Krieg gegen weitere Dämonen geschickt. Doch Ash hat nur eines im Sinn, mittels Necronomicon umgehend wieder zurück in seine Zeit reisen!

Wer Evil Dead 1 und 2 liebt stutzt erstmal. Geändert hat sich nämlich nicht nur die Landschaft und die Epoche, sondern auch die Ausrichtung des Films. Mit „Army of Darkness“ serviert Regisseur Sam Raimi den wohl publikumsfreundlichsten Teil der Evil-Dead-Trilogie. Jahrzehnte bevor er mit seiner „Spiderman“-Trilogie (mehr oder weniger) gekonnt den Kommerz umtänzelte, revolutionierte der damals gerade einmal 21-Jährige mit seinen High-School-Freunden Rob Tapert und Bruce Campbell beinahe im Vorbeigehen das Horrorgenre und schuf für mit nur 350‘000 $ „The Evil Dead“.

Vollgespickt mit packender Atmosphäre, innovativen Kameratricks und bäumig (höhö) derben Goreszenen, generiert der 1981 auf die Menschheit losgelassen Low-Budget-Horror innert Kürze eine treue Anhängerschaft. Dieser Kult ermöglichte es Raimi sechs Jahre später mit mehr Moneten „Evil Dead 2: Dead by Dawn“, eine Mischung aus Remake, Neuinterpretation und Fortsetzung zu realisieren. Während sich in Teil 1 der Humor tief im Keller versteckte, schaute in „Evil Dead 2“ bereits ein herrlich satirischer Unterton ums Eck.

Ja, in den ersten zwei Teufels-Tänzen gaben sich Horror, Humor und Splatter die Hand. Doch in Teil 3 regiert der Boom- ähm…. Slapstick. Das liegt wiederum am Werdegang Raimis. Nach dem finanziellen Erfolg – und trotzdem immer noch mit dem Etikett „Geheimtipp“ behafteten „Darkman“ – durfte er für den dritten Teil seiner Evil-Dead-Reihe nun sein bisher grösstes Budgettöpfchen öffnen. Knapp 11 Millionen $ konnte er verbraten, weit mehr als die ersten beiden Evil-Dead-Filme zusammen gekostet haben.

With great money comes great responsibility. Oder so. So stand Raimi in der Schuld der Studios, welche teils komplette Story-Elemente umschreiben liessen. Das ursprüngliche gedrehte Ende war düster und postapokalyptisch, im Kino wurde dann aber ein Happy-End verwendet. Auch bekam der Film einen eigenstehenden Titel übergestülpt, um ja nicht als „Evil Dead 3“ vermarktet werden zu müssen. Dass das Ganze dann massentauglicher daherkam, versteht sich von selbst. Bye bye Gore.

Doch trotz Studio-Interventionen und dramaturgischen Kompromissen ist „Army of Darkness“ durchaus als gelungen zu bezeichnen. Grössten Verdienst daran hat aber sicherlich Hauptdarsteller Bruce Campbell.

Der 1958 in Michigan geborene Ami hat in Ashley J. Williams die Rolle seines Lebens gefunden. Bereits in „Evil Dead 2“ konnte der sympathische Amerikaner seine komödiantische Ader unter Beweis stellen. („Bubba Ho-tep“ anyone?) Doch nebst ein paar Cameo-Auftritten in Raimis Spiderman-Trilogie blieben ihm grosse Blockbuster-Rollen verwehrt und so herzt Campbell seine B-Movie-Roots bis zum heutigen Zeitpunkt. 2015 streifte er sich für die Serie „Ash vs. Evil Dead“ für 30 Episoden nochmals die Kettensäge über. (Die Serie ist übrigens sehr zu empfehlen und serviert Humor, Slapstick, Satire und vor allem wieder Gore. Reinschauen!) Groovy Bruce!

Dank Campbell funktioniert auch die kommerziellste Inkarnation der Evil-Dead-Reihe prächtig. Zudem ist „Army Of Darkness“ abwechslungsreicher als seine Vorgänger. Bye bye einsame Hütte im Wald – hello ausufernde mittelalterliche Landschaft inklusive Helms-Deep-A-Like-Festung, Windmühle des Todes, bösem Wald und verwildertem Friedhof. Weiterer Pluspunkt: Die finale Schlacht bringt die wohl charmantesten Stop-Motion-Effekte der Filmgeschichte auf die Leinwand. Selbst 2020 wirkt der Angriff der liebevoll gestalteten und ebenso liebevoll in die Luft gesprengten Skelett-Armee höchst erfrischend.

Fazit

Nein, „Army of Darkness“ ist kein Horror-Film. Die düstere Atmosphäre der beiden Vorgänger machte einer leicht verdaulichen Wohlfühlatmosphäre Platz. Get over it! Denn die überaus unterhaltsame Mischung aus Fantasy und trashiger Horrorkomödie geniesst zurecht Kultstatus. Hail to the King, baby!

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