Kurz:

Hammer-Time! Oder auch nicht.

Lang:

Es ist ja so eine Sache mit der lieben Familie: Ein Wiedersehen mit der Blutsverwandschaft kann eine Mordsgaudi werden. Kann, muss aber nicht. Thors Family besteht ja eigentlich nur aus selbstverliebten, ziemlich egoistischen Übermenschen, wo jeder behauptet, er hätte die viel schönere Frisur. Weil im dritten Teil aber der flauschige Wohnort Asgard sowas von bedroht wird, muss die Familie zusammenhalten.

Thor (Chris Hemsworth hat die Haare schön) und Brüderchen Loki (auch der hat die Haare immer noch schön) müssen sich vereinen, um gegen die gehörnte Hela (verdammt sexy: Cate Blanchett) anzutreten. Die beiden Bros werden schliesslich getrennt und müssen auf einer ziemlich durchgestylten Welt, um ihr Überleben kämpfen. Und das ohne Hammer!

Der Trailer verrät es ja schon: Der stets gut gelaunte Hulk (Mark Ruffalo bekommt langsam graue Haare) stampft dort brüllend ebenfalls herum und verdingt sich als Gladiator. Nachdem sich die Superhelden zuerst mal gehörig auf die Fresse hauen, rafft man sich dann halt zusammen, um schliesslich die Flucht und dann die Heimreise anzutreten. Doch bis es soweit ist, wird noch sehr, sehr viel passieren.

Man ahnt es schon: Der dritte Thor-Streifen ist sehr vorhersehbar. Es gibt so gut wie keine grossen dramaturgischen Überraschungen. Der Film startet mit hohem Tempo und rennt schnurstracks auf sein Ziel zu. Die Weichen sind gestellt. Ein Abbiegen ist kaum möglich. Skandal! Ich will mein Geld zurück! Nein, denn seine Linearität ist durchaus verkraftbar. Denn sie wird hübsch mit zünftiger Körperakrobatik, wuchtigen Schauwerten und sehr viel Humor übergossen.

Ja, Ragnarok ist saulustig geworden. In diesem Fall bietet der Film genau das, was der Trailer versprochen hat. Und noch viel mehr. Witzige One liner paaren sich mit Slapstickeinlagen. Funktionierende Schenkelklopfer treffen auf beissende Situationskomik. Tiefsitzende Spass-Dialoge geben noch lustigeren Einfällen die Hände. Lacht man noch über den letzten Witz, lauert der nächste schon hinter der Ecke.

Der dritte Thor ist nicht nur der lustigste der Reihe, er ist sogar der lustigste im Marvel Cinematic Universe. Die Guardians-Filme sind ja schon saulustig, aber Thor hat ein solch dichtes Gag-Feuerwerk auf Lager, dass es kaum eine Verschnaufpause gibt. Der Film nimmt sich im wahrsten Sinn des Wortes überhaupt nicht ernst. Fast schon hat man das Gefühl, als ob man es hier mit einer Parodie zu tun bekommen hat. Kann eine Gag-Dichte zu hoch sein? Ja, sie kann. Doch schaltet man das Gehirn aus, das nach etwas mehr Narration und Logik dürstet, kann man Ragnarok sehr gut weggucken.

Wie es sich für einen Marvel-Streifen gehört, gibt es auch hier ganz viele Insidergags zu entdecken, die da im Hintergrund lauern. Nur die ganz harten Marvel-Anbeter werden aber alles entdecken. Auch Cameos wurden in die Filmsuppe hinzugefügt. Der eine grosse wurde ja schon in einem Vorgängerfilm angekündigt. Doch dann gibt es da noch ein paar, die wirklich sehr, sehr speziell sind. Und hier muss man wirklich die Augen offen halten, um sie auch zu erkennen. Und diese Auftritte sind gut. Richtig gut.

Filmposter und Trailer liessen ja schon vermuten, dass sich dieser Film ein 80er-Jahre-Kleid überstülpen darf. Das darf er durchaus. Doch ist es nicht jenes Kleid, das man sich erhofft oder gewünscht hat. Es ist vielmehr ein durchsichtiges Kleidungsstück, das subtiler getragen wird. Während man die visuellen Anspielungen rasch entdecken wird, muss man die Ohren für die Audio-Seitenhiebe dann ganz gut spitzen. Auch hier gilt: Einfach Hirn ausschalten und den Film geniessen. Nicht nachdenken, pfui! Einfach sich treiben lassen und Spass haben. Dann funktioniert dieses Abenteuer wundervoll.

Fazit

Auch wenn die Handlung sehr vorhersehbar ist, Thor Ragnarok ist beste Kinounterhaltung und ein würdiger Abschluss der Hammer-Trilogie. Er ist nicht nur der witzigste, sondern auch der Marvel-Film, der die höchste Gagdichte in diesem Kult-Universum besitzt. Das bunte, abgefahrene Spektakel nimmt sich nie zu ernst, sondern ist genau das, was man auch erwartet: Eine Mordsgaudi mit alten und neuen Helden, die alle die Haare schön haben. Und jaja, am Ende bitte sitzen bleiben!

3.5 Hämmer!

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