Kurz:

Jerry ist eigentlich ein liebenswerter Kerl, wären da nicht seine mordlustigen Haustiere.

Lang:

„The Voices“ ist der dritte Film der gebürtigen Iranerin Marjane Satrapi, welche vor allem mit ihrem Erstlingswerk “Persepolis” für Aufmerksamkeit sorgte. Mit “The Voices” gelingt ihr ein weiterer grossartiger tragikomischer Wurf.

Endlich zerstückelt Ryan Reynolds die üblen Erinnerungen an seinen desolaten Auftritt in “Green Lantern”. Bereits beim unterschätzten “The Nines” liess Reynolds sein Talent durchschimmern, mit “The Voices” liefert er jetzt sein Meisterstück ab. Er verleiht dem introvertierten Schizo mit bestem komödiantischem Timing und viel warmherzigem Feingefühl ein eigenständiges Profil. Jerry könnte der kleine Bruder von Patrick Bateman sein. Die Parallelen kommen nicht von ungefähr: “The Voices” bedient sich gekonnt in der Tonalität und im Witz bei “American Psycho”, ist aber um einiges schriller und überdrehter. Wie Jerry in “The Voices” seine Leiche zerstückelt und fein säuberlich in Tupperware abpackt ist schlichtweg grossartig und um einiges subtiler als Batemans Kettensägenmassaker. Die Regisseurin und Reynolds schaffen das Kunststück, dass sich der Zuschauer um einen hochgradig derangierten Soziopathen sorgt.

Aber es ist nicht nur Reynolds der in “The Voices” heraussticht. Seine beiden Haustiere stehlen ihm fast die Show. Besonders seine bösartig vulgäre Katze Mr. Whiskers ist das beste sprechende Fellknäuel seit Rocket in “Guardians of the Galaxy”. Kommt hinzu, dass die Mieze ihre Mordlüste in breitestem irischen Akzent ausformuliert. Während mit Mr. Whiskers definitiv der Teufel auf der Schulter des gepeinigten Jerry sitzt, ist der Engel in Form des treuen Hundes Bosco immer für einen guten Rat zur Stelle. Die verbalen Duelle zwischen Hund und Katze gehören definitiv zu den Highlights des Films.

“The Voices” macht alles richtig. Der Streifen ist nicht nur eine pechschwarze Komödie mit bestem trockenen Humor, sondern auch ein berührendes Drama. Bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt, hat auch die Frauengarde um Gemma Arterton, Anna Kendrick und Jacki Weaver die Möglichkeit, dem Film ihren eigenen Stempel aufzudrücken, und macht dies eindrücklich. Einziger negativer Punkt: der Film könnte noch kompromissloser und die Scheinwelt des Hauptprotagonisten noch übertriebener ausgeschmückt sein. Das ist aber Jammerei auf hohem Niveau.

“The Voices” ist blutig, urkomisch und traurig, eine Kombination die in den Händen von anderen Regisseuren verwirrend geworden wäre. Nicht so bei Satrapi, ihr gelingt das Kunststück, die verschiedenen dramaturgischen Ebenen gekonnt auszubalancieren.

Ein Highlight.

Rating 4 of 5

 

Share This:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.