Kurz:

It’s fucking Luke Skywalker!

Lang:

„This is not going to go the way you think!“ Dieses Zitat von Luke Skywalker, das uns schon im Trailer intensiv in die Ohren drang, fasst den gesamten Film eigentlich perfekt zusammen. Was man sich auch wünscht, vorstellt und ausmalt, es wird alles doch irgendwie anders kommen…

Doch beginnen wir von vorne, respektive mit dem Ende. Als der Abspann über die Leinwand flimmerte, war ich einfach total fertig. Ich fühlte mich ausgelaugt, müde, aber auch glücklich. Ich war verwirrt, konnte meine Gefühle kaum einordnen. Habe ich das Gezeigte auf der grossen Leinwand wirklich so gesehen? War alles nur ein Traum? Hat mir der Film gerade mehrmals wie ein aggressiver Wookie ins Gesicht geschlagen? Noch nie war ich nach einem Star Wars-Film so aufgewühlt, so verwirrt, so unfassbar gemindfucked.

Es ist sehr, sehr schwierig, das gesehene Spektakel zu umschreiben, ohne dabei etwas zu spoilern. Denn „The Last Jedi“ ist voll mit Momenten, die plötzlich um die Ecke kommen und bis ins Mark vordringen. Da gibt es Szenen, wo man kaum glaubt, dass man sie tatsächlich erleben darf. „The Force Awakens“ hatte schon solche Momente für die Ewigkeit zu bieten, aber was Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson mit seiner künstlerischen Freiheit auf uns losgelassen hat, das braucht Zeit und auch Toleranz, um das Ganze zu verdauen.

Über die erzählte Geschichte werde ich keinen Buchstaben verschwenden. Nur so viel sei verraten. Sie ist äusserst stringent in ihrem dramaturgischen Kleid, überrascht dann aber stellenweise so sehr, dass man es der simplen Geschichte verzeiht. Die Reise in „The Last Jedi“ ist klar definiert. Doch der Weg zum Ziel nimmt Abkürzungen und Wendungen, wo einem die Luft wegbleibt.

Fast vergessen zu atmen habe ich auch regelmässig als Mark Hamill die Bühne betrat. Ja, verdammt, es ist fucking Luke Skywalker, den wir hier sehen! Alt und grau ist er geworden, in sich gekehrt und griesgrämig. Der alte Jedi-Meister halt viele schreckliche Dinge erlebt. Das sieht man ihm an, das fühlt man auch.

Jenseits der Fanboy-Brille darf man ruhig behaupten, dass er alle nicht nur an die Wand spielt, sondern sie auch noch hindurch donnert. Der ganze Cast hat hervorragende Arbeit geleistet. Respekt an die ganze Truppe. Aber was Mister Hamill hier abgeliefert hat, ist ganz grosses Kino. Endlich bekommt diese Figur, der Held unserer Kindheit, die verdiente Leinwandzeit. Trug Harrison Ford als Lasergehirn Han Solo „The Force Awakens“ auf seinen Schultern, ist nun Mark Hamill an der Reihe. Endlich!

Luke Skywalker hat viele eindringliche Szenen, Monologe und Präsenzen, wo bei uns Fans der ersten Stunde einfach nur die Freudentränen herunterlaufen. Doch da ist noch mehr. Viel mehr. „The Last Jedi“ bietet viel Fan-Service. Die Anzahl der liebevollen Seitenhiebe ist jedoch im Vergleich mit „Rogue One“, der ja fast nur aus Fanservice bestand, kleiner ausgefallen, dafür gehen sie bei „The Last Jedi“ viel mehr ins Herz.

Und dann sind da auch diese What the Fuck-Momente. Momente, die man einfach nicht kommen sah. Momente, die man sich seit Jahrzehnten gewünscht oder auch befürchtet hat. Und sie sind real. Sie sind wahr geworden und brennen sich in das Langzeitgedächtnis eines jeden Star Wars-Fans. Vielen Dank dafür!

„The Last Jedi“ ist ein Film der Emotionen. Egal welche Figur gerade auf der Leinwand agiert, es geht um Gefühle, um die Vergangenheit, um Fehler, die begangen wurden, um Liebe und Hass, aber auch um die Hoffnung, dass trotz Dunkelheit alles auch immer noch wieder gut werden kann. Doch das muss es nicht. Das lehrt uns „The Last Jedi“ ebenso.

Befremdlich für mich waren einzelne humoristische Situationen, die nicht zum düsteren Kleid dieses Sequels passen wollten. Humor ist in den Krieg der Sterne-Filmen ein immer gern gesehener Gast. Doch stellenweise war mir das hier dann doch zu dick aufgetragen, ja sogar deplatziert. Denn mit den humoristischen Einlagen wurden diverse Figuren oft in ein komplett anderes, falsches Licht gerückt. Das ist zwar lustig anzusehen, verwirrt aber und nimmt der Düsternis ihre Kraft.

„The Last Jedi“ ist übrigens keine „The Empire Strikes Back“-Kopie geworden. Es gibt zwar einige Parallelen und diverse Déjà-vus, die vor dem geistigen Auge aufflackern, doch es sind in meinen Augen viel mehr liebevolle Selbstreflexionen und Liebeserklärungen an die wohl beste Star Wars-Episode aller Zeiten.

Dennoch mag hier der harte Kritiker keine Einsicht haben und einen Empire 2.0-Film durch die Zeilen erblicken. Das ist auch nachvollziehbar. Denn jeder Mittelteil einer Trilogie funktioniert nach diesem Schema: Die Heldinnen und Helden müssen unten durch, werden mit der Vergangenheit konfrontiert und müssen ihre Heldenreise fortsetzen, um dann dafür zu sorgen, dass sich beim Trilogieabschluss der Kreis wieder schliesst. Denn sind wir ehrlich: „The Last Jedi“ ist halt auch nur ein Film, der sich an bestimmte narrative Merkmale halten muss, damit er für die Zuschauer funktioniert.

Nach dem Film bleiben viele, viele Fragen im Raum: Wie soll es nun im nächsten Kapitel weitergehen? Was kommt da noch? Was kann da noch kommen? Ich bin dazu auf jeden Fall noch nicht bereit. Zu viel muss ich noch verdauen, verarbeiten und einordnen.

Fazit:

Die grösste Stärke des Films ist gleichzeitig seine grösste Schwäche: „The Last Jedi“ besteht aus vielen sehr starken Einzelmomenten, die so intensiv sind, dass sie sämtliche Schwächen des Films weghauen. Jenseits der obligaten unterhaltsamen Piew-Piew-Momente ist die achte Episode ein Star Wars-Abenteuer, das sehr anders geworden ist, als man sich gedacht und erhofft hat. Und das ist auch gut so. Doch das Wichtigste sei hier nochmals zum Schluss erwähnt: It’s fucking Luke Skywalker!

4 von 5 Lichtschwertern

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