Kurz:

Intrigen, Kotze und Karnickel.

Lang:

Wer die Filme von Yorgos Lanthimos kennt, hat eine leise Vorahnung, dass wohl auch sein vierter Output nach „Dogtooth“, „The Lobster“ und „How to Kill a Sacred Deer“ keine einfache Kost sein wird.

Erstmals schrieb der Grieche das Drehbuch nicht selbst und auch sein langjähriger Co-Author Efthymis Filippou glänzte mit Abwesenheit. So wurde „The Favourite“ gradliniger und man ist fast versucht zu sagen, des Griechens massentauglichster Film. Doch keine Angst, auch hier wir der Zuschauer mit einem Unbehagen und leicht depressiv aus dem Kinosaal gehen. Jup, „The Favourite“ ist genauso trostlos wie Lanthimos‘ anderen Filme. Im positiven Sinne.

Die köstlich teuflische Rache-Komödie dreht sich um Queen Anne (Olivia Colman) und die Dreiecksbeziehung zwischen ihr und ihrer besten Freundin Sarah (Rachel Weisz), der Herzogin von Marlborough und Sarahs Cousine Abigail (Emma Stone). Letztere wurde von ihrem Vater bei einem Spiel als Wetteinsatz „verspielt“, womit sie aus dem Adelstand fiel. Abigail hat aber nicht die Absicht, ihr Leben weiterhin als Magd zu fristen. Vorhang auf für einen royalen Bitchfight.

Und dieser Kampf hat es in sich. Queen Anne scheint, geplagt von gesundheitlichen und persönlichen Tragödien, trotz ihrer Macht als Herrscherin von Sarahs schroffen, unnachgiebigen Art abhängig, welche die Intimität mit der Königin ausnutzt, um eigenmächtig Staatsangelegenheiten zu kontrollieren. Underdog Abigail steigt alsbald mit mehreren grausamen Blutgrätschen ins Spiel ein.

Kostümdramen sind definitiv nicht mein Ding. Einzig Milos Formans „Amadeus“ konnte mich bis jetzt restlos begeistern. Bis jetzt. „The Favourite“ ist eine Wucht. Der arg minimalistische Soundtrack würde auch einem Werk Paul Thomas Andersons („There Will be Blood“) gut stehen, der bis ins kleinste Detail ausgefeilte royale Prunk als Eye-Candy inszeniert und die Kameraarbeit Robbie Ryans („Slow West“, „American Honey“) glänzt mit perfekt eingesetzten Fischaugen-Spielereien und 360°-Kamerafahrten.

Kommt hinzu, dass die Damen Colman, Weisz und Stone schauspielerische Glanzleistungen ablegen und sich so zurecht für Oscar-Nominationen anbieten.

Fazit:

Obwohl „The Favourite“ Lanthimos‘ zugänglichster Film ist, hat der Streifen immer noch die Fingerabdrücke des eigenwilligen Filmemachers. Durchdachter und gradliniger zwar, aber immer noch roh und deprimierend ehrlich. Willkommen in der königlichen Hölle.

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