Review:

Kurz:

Auf die inneren Werte kommt es an. Oder sind es die Innereien?

Lang:

Bist du auf der Suche nach einer WTF-Story der Sonderklasse? Suche nicht weiter. „Tammy and the T-Rex“ gehört zum Absurdesten, was dir Filmkunst bieten kann.

Im Zentrum von „Tammy and the T-Rex“ steht die Liebesgeschichte zwischen Tammy (Denise Richards) und Michael (Paul Walker). Die Liebelei wird jedoch arg gestört, als ein verrückter Wissenschaftler namens Dr. Wachenstein (!), grandios verkörpert von Terry Kiser (Weekend at Bernie‘s), Michael betäubt und dessen Hirn in einen mechanischen T-Rex verpflanzt. Neo-Dino-Michael lässt sich aber nicht klein kriegen, büxt aus dem Labor aus und rennt hilfesuchend direkt in Richtung seiner grossen Liebe.

Der ohnehin schon sehr behämmerten Story setzt das AGFA (American Genre Film Archive) das Krönchen auf: Nicht nur restaurierten sie den 90er-Steifen liebevoll, nein, sie gruben dafür den bisher als verschollen geglaubten Gore-Cut aus! Vorhang auf für eine, mit Splatter gewürzte Liebesromanze zwischen Denise Richards und einem Gummi-T-Rex!

Was mag wohl Richards, unser aller Darling Captain Ibanz aus Starship Troopers, geritten haben, in diesem Streifen mitzuspielen? Das Drehbuch war es mit Sicherheit nicht. Wir sind aber sowas von dankbar, schmiss Richards fern jeglicher Ironie alles in ihre Performance. Over-Acting war selten so schön und der Nervenzusammenbruch am „Sterbebett“ ihres Freundes hätte sogar Tommy Wiseau nicht besser hinbekommen. Die Parallelen zu seiner infamosen „Tearing me apart“- Szene sind augenscheinlich. Auf Richards angesprochen, bringt es Regisseur Raffill auf den Punkt: „Denise never was a great actress, but she was pretty.“ Zu ihrer Verteidigung, es gibt sicherlich bessere Szenenpartner als ein übergrosser Kautschuk-Dino, wessen Mimik sich auf Hals drehen, Mund öffnen und Augen blinzeln beschränkt.

Trotz des motorischen Handicaps stiehlt die Riesenechse aber allen die Show. Aufgrund beschränkter Gestik des prähistorischen Protagonisten und nicht vorhandenem CGI-Budget heben jetzt halt nichtausgebildete Puppenspieler Dino-Füsse und -Arme ins Bild! In Grossaufnahme funktioniert dies recht passabel, doch in manchen Szenen macht sich Regisseur Raffill nicht mal die Mühe, die Menschenarme in ihren übergrossen, schlecht sitzenden Fausthandschuhen auch nur ein Quäntchen bisschen plausibel aussehen zu lassen. Besonders köstlich wird es, wenn Rexchen telefoniert und dabei seine Arme physisch komplett meschugge angewinkelt vom Körper abstehen. Zu unserem Glück geht die Riesenechse nicht nur gekonnt mit Fernsprechapparaten um, nein, sie kann sich unbemerkt durch verschlafene Käffer schleichen, in einer Hecke verstecken um der “eigenen Beerdigung” beizuwohnen oder mit ihrer Geliebten in Gebärdensprache kommunizieren. Ganz grosses Kino!

Wie entsteht ein solch abgefahrener Film? Ganz einfach. An einem lauwarmen Sommernachmittag klingelte bei Regisseur Stewart Raffill das Telefon. Am Apparat, ein Kinobesitzer aus Südamerika: „Hey Stewart, Jurassic Park ist durch und ich habe jetzt einen grossen T-Rex-Roboter, welcher nach Texas an eine Dinoausstellung geliefert werden muss. Die Ausstellung öffnet erst in ein paar Wochen, falls du das Teil allenfalls für eines deiner Filmprojekte verwenden möchtest, be my guest!“ Ein Angebot, welches Raffill nicht ausschlagen konnte. Eine Woche später hatte der für B-Movie-Perlen, wie „The Ice Pirates“ und „Mac and Me“ zuständige Filmemacher bereits sein Storyboard zusammen. Zwei Wochen später wurden die Schauspieler verpflichtet und knapp 50 Tage später, war der Film im Kasten! Ruck-Zuck. Man sieht es ihm an.

Was „Tammy & the T-Rex“ sonst noch bietet:

  • Schlimmste 90er Garderobe. Bauchfreies Longsleeve anyone?
  • Einen 17-jährigern Paul Walker in seiner ersten Filmrolle.
  • Rock-Soundtrack, mit grösstenteils extra für diesen Streifen geschrieben Songs.
  • Sinnbefreiter, liebevoll handgemachten Gore.
  • Während OPs Zigaretten rauchende Ärzte.
  • Mehrfache Leichenschändung. Sau komisch.
  • Die erste und letzte Hodensack-Keilerei der Filmgeschichte.

Fazit:

Der Film ist Pflichtprogramm! Sowas hast du noch nie gesehen und wirst es wohl auch so schnell nicht wieder. Unbedingt anschauen. Vielleicht kannst du uns dann erklären, wieso der Film als „Tammy and the T-Rex“ vermarktet wird, die Filmtitel anfangs aber „Tanny and the Teenage Rex“ einblenden? Passt.

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