Kurz:

I love Wes Anderson.

Lang:

Wer Wes Anderson und seine Werke kennt, weiss wie penibel und detailversessen der Texaner arbeitet. „Isle of Dogs“ ist sein neunter Langspielfilm, und wie schon bei seiner Adaptation des Roald Dahl Klassikers „Fantastic Mr Fox“, lebt Anderson hier seine Kunst mittels klassischer Stop-Motion-Technik aus.

Wir befinden uns in einem dystopischen Japan der Zukunft, wo alle Hunde, aufgrund von Tollwut und anderen vierbeinigen Gebrechen, auf eine Insel verfrachtet werden, auf welcher nur Müll oder eben Hunde eine Daseinsberechtigung haben. (OK, eine Eule ist auch noch vor Ort. Aber wir wollen ja nix spoilern.)

Einer der deportierten Hunde ist Spots (gesprochen von Liev Schreiber), dessen ergebener Meister, der 12-jährige Atari (Koyu Rankin), sich auf die Insel aufmacht, um seinen treuen Vierbeiner zu retten. Bei der Rettungsaktion wird Atari flankiert, von einer bunt zusammengewürfelten Gruppe heroischer Outlaw-Kläffer: Chief (Bryan Cranston), Rex (Edward Norton), King (Bob Balaban), Boss (Bill Murray) und Duke (Jeff Goldblum).

Jup, Anderson lies sich auch dieses Mal nicht lumpen, und versammelte im Tonstudio ein Heer grandioser A-List-Schauspieler, welches den leblosen Filzpuppen Leben einhauchte.

Dank einem, wie immer, ansprechenden und hochstehenden Skript, ist es ein Genuss, den Dialogen aufmerksam zu folgen und den staubtrockenen Humor abzufeiern. Das Drehbuch stammt von Anderson, welches er in Zusammenarbeit mit Roman Coppola und dem japanischen Schauspieler und Autor Kunichi Nomura verfasste. Nomura war dann auch der Casting Director und verlieh dem Bösewichten des Streifens, dem Katzenfreund und hundehassenden Bürgermeister Kobayashi, seine Stimme. Es ist Nomuras verdient, dass „Isle of Dogs“ nur so von, für Japan typische Referenzen strotzt und so Anderson seiner grossen Liebe eine Hommage zollen konnte. (Mit „Isle of Dogs“ kriegen Japanliebhaber nach „Lost in Translation“ endlich einen nächsten Streifen vorgesetzt, welcher einem in besten Ferienerinnerungen schwelgen lässt.)

Der japanische Einfluss auf alle Machwerke Andersons ist seit „The Royal Tenenbaums“ offensichtlich. Kopiert er doch jeher die Eigenart des japanischen Künstlers Yasujirō Ozu, alle Bilder in Sichtachsen einzufangen. Eine Art, welche Andersons aber mittlerweile für sich adaptiert und perfektioniert hat. Denn trotz den unflexibel arrangierten Bildern, kommt nie Langweile auf. Andersons Affinität für drollige Einfälle jenseits des Nerdbarometers, macht seine Arthouse-Filme ohne Weiteres der breiten Masse zugänglich.

Dennoch ist „Isle of Dogs“ trostloser und dunkler als Wes Andersons bisherige, visuelle Konditorei. Die Landschaft ist grimmig, die Ausgangslage hoffnungslos, die Zukunft düster. Zum Glück sorgen die Hunde mit ihren schwarzen Glubschaugen, ihren holprigen Bewegungen und ihrem beissend trockenen Humor für beste Unterhaltung. (Und ja, ich liebe Katzen, aber diesen Wau-Waus würde ich sofort Asyl bieten.) 

Wie schon bei „Fantastic Mr. Fox“ bietet der Film viel zum Schmunzeln. Gelacht wird hier selten über Witze, sondern viel mehr über die hyperkreativen, visuellen Erfindungen Andersons. Auf jedes analoge Mikropartikel versessen, schleudert er die Zuschauer in eine Welt, wie nur er sie mittels Stop-Motion kreieren kann.

Fazit:

„Isle of Dogs“ ist ein unverwechselbarer, formell brillanter Film, angelegt irgendwo zwischen archaischer Naivität und inspirierter Raffinesse. Bis jetzt der beste Film dieses Jahres. 

 

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