Kurz:

Ein Film, der knapp an der Zoophilie mit anthropomorphen Enten vorbei geht.

Lang:

Was hast du dir dabei gedacht, Goeroge?

Mit mässigen Elan von George Lucas (Raiders of the Lost Ark, Willow) produziert und Willard Huyck (French Postcards, Indiana Jones and the Temple of Doom) umgesetzt, gewann „Howard the Duck“ ganze vier goldene Himbeeren. Eine weitere Leistung dieses Werks war, dass es an der Kinokasse floppte. Entsprechend grub sich damit Willard Huyck sein eigenes Grab für seine Regiekarriere. Man munkelt auch, dass dieser Flop indirekt zur Folge hatte, dass Pixar gegründet wurde. Denn Herr Lucas musste durch diese finanzielle Misere Anteile der Computer-Animations-Abteilung von Lucasfilms an Steve Jobs verkaufen. Autsch.

Was zur Ente soll das?!

Fangen wir also an: „Howard the Duck“ erzählt die Geschichte von einer miesgelaunten Figur aus einer anderen Welt. Dieser fremde Planet ist fast genau wie unserer mit der Ausnahme, dass sie von humanoiden Enten bevölkert wird. Ohne Vorwarnung wird der Erpel Howard samt seinem Sessel durch das Weltall geschleudert und landet in Cleveland. Er freundet sich mit Beverly an , die in einer (Soft-)Punk-Band spielt und von Lea Thompson (Jaws 3-D, Back to the Future) interpretiert wird. Die beiden erleben zusammen Abenteuer und versuchen einen Weg zu finden, um Howard zu seinem Heimatplaneten zurück zu katapultieren.

Aber was macht diese zweite (!) Marvel-Verfilmung zu einem vermeintlichen Kult-Klassiker? Zusammengefasst kann man behaupten, dass dieser Streifen schlicht und einfach belanglos ist. Die Enten-Action ist einfach nur Quatsch mit Federn. Entsprechend verwundert es uns, wieso dieser Film nach über 30 Jahren immer noch Aufmerksamkeit erhält und beispielsweise in der Netflix-Filmauswahl zu finden ist. Nichtsdestotrotz erweckt „Howard the Duck“ unser sonderliches Interesse. Denn so unglaublich vieles in diesem Film ergibt keinen Sinn.

Der erste Kontakt

Wie stellt man sich den ersten Kontakt mit einer einem eigenartiger Entenkreatur aus einer Fremden Welt vor? Wie reagieren die Menschen auf der Erde auf sowas? Bricht Massenpanik aus? Wird Howard vom Präsidenten empfangen?

Mal sehen was der Film sich da ausgedacht hat: Er beginnt seine ersten Minuten auf der Erde damit zwei sehr bunte Punks zu vermöbeln. Aha.

In der ersten Szene, wo der Tag angebrochen ist und alle „normalen“ Menschen sich auf der Strasse tummeln, wird er als Müllsack verkleidet, damit er keine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Denn ein schwarzer Beutel, der spricht und rumläuft, zieht auf gar keinen Fall die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Logisch!

In anderen Szenen des Streifens wird er wiederum im Bus ausgelacht und Kinder umschwärmen ihn mit grossem Interesse.

Als er später ganz ohne Verkleidung ein einer Cajun-Sushi-Bar einen Kaffe trinkt, wird er fast von einem wütenden Mob hingerichtet.

Aber es gibt andere Momente, wo er durch die Stadt läuft als wäre nichts. Es geht sogar so weit, dass er sich ganz unverblümt beim Arbeitsamt meldet und gar vermittelt wird. Aber was für einen Job die Ente erhält, ist die Spitze: Er wird Hausmeister in einem Bordel.

Wieso? Weil Film!

Menschen verhalten sich seltsam

Desweiteren konnten wir viele Reaktionen der Charaktere nicht nachvollziehen. Erstes Beispiel: Ein Labor steht kurz vor der Explosion. Verletzte Wissenschaftler laufen panisch aus dem Gebäude. Was machen unsere Helden? Sie leisten schon mal keine erste Hilfe. Obendrein laufen sie in das Forschungsinstitut rein, als wäre nichts.

Absurdität – Check.

Exempel zwei: Der Antagonist durchbricht mit einem Lastwagen die Eingangsbarriere eines Elektrizitätswerks, um dort einzubrechen. Schnitt. Er hat sich nun in eine Besucher-Gruppe infiltriert, damit er unerkannt zur Hochsicherheitszone gelangen kann. Was sollen wir davon halten? Hat er nachdem er die Schranke zerstört hat, mit dem Sicherheitspersonal das Missverständnis geklärt und diese haben ihm daraufhin einen Besucherausweis ausgestellt?

Aberwitz – Check.

Wortspiele nerven

Eine Meisterleistung des Drehbuchautors ist wahrlich die übertriebene Anzahl an Wortspielen, welche darauf hinweisen, dass Howard eine Ente ist. Am Anfang ganz amüsant sind in Howards Wohnung Poster zu sehen, welche auf Kultfilme anspielen: «Indiana Drake – Breeders of the Lost Stork» oder «Splashdance». Soweit so gut. Aber alsbald übernimmt sich der Running Gag: «No one laughs at a master of Quack Fu!», «That’s it, no more Mr. Nice Duck», “Hey! Have a heart! Seeing-eye duck.”, und weitere…

That’s it, duck you Mr. H(d)uyck!

Gute Schauspieler – Mässige Darbietung

Achtenswert sind auch die schauspielerischen Leistungen. Denn bekannte Gesichter wie Tim Robbins (Top Gun, The Shawshank Redemption) und Jeffrey Jones (Beetlejuice, Ed Wood) sind in „Howard the Duck“ vertreten. Allerdingst beschränken sich ihre Darbietungen auf übertriebene Theatralik. Das ist zugleich schade und ein klein wenig unterhaltsam, wenn Jeffrey Jones den besessenen Wissenschaftler und Tim Robbins den dussligen… was auch immer spielt.

Die vibrierende Badeente

Was wieder mal eine offene Frage ist, welche wir uns stellen müssen: Für welches Alter ist dieser Film gedacht? Die Altersfreigabe gibt schon mal keine klare Antwort. Denn diese variiert je nach Version und Land zwischen FSK16 und PG.

Okay. Der Zigarre rauchende und «Playduck» lesende Howard kann sicherlich nicht als Vorbild angeschaut werden für Kinder. Anderseits ist es schlicht sehr wahrscheinlich, dass in allen Parallelwelten Erotik- und Tabakindustrien existieren.

Aber was bitte soll die nette Enten-Nachbarin vermitteln mit unbedeckten Entennippeln, die ein Schaumbad nimmt, Weisswein schlürft und dabei singt? Masturbiert diese etwa!? Wo sind ihre Hände?!

Überdies versucht Beverly Howard in knappen Kleidern zu verführen: «You think I might find happiness in the animal kingdom Duckie?» Bei allem Respekt für die offene Liebe, aber „Howard the Duck“ legt einen Grundstein für Kinder später einen Furry-Fetisch zu entwickeln.

Fazit:

Es ist schwer sich an die Zeit zu erinnern, wo die Kinos nicht mit Marvel-Filmen überflutet wurden. „Howard the Duck“ hat mit seinem Debüt eventuelle diesen Hype um einige Jahre nach hinten verschoben. Der Streifen ist einfältig und stellenweise einschläfernd. Der Semischund ist nur sehenswert, weil die innere Logik der Geschichte sich schnell verflüchtigt. Ei ei ei.

 

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