Kurz:

Kein Falsifikat von Gremlins. Der Begriff „Falsifikat“ in diesem Zusammenhang wäre des Terminus unwürdig.

Lang:

Wir danken dir Rick Sloane! Entgegen der allgemeinen Meinung hast du talentfrei dein Ding durchgezogen und uns diesen minderwertigen, billigen Streifen beschert. Mit 15’000 Dollar in der Tasche hast du dich auf einen Parkplatz in der Nähe einer Fixerstube niedergelassen und hast dein Werk in einer Woche abgedreht. Das Geld war so knapp bemessen, dass es nicht mal gereicht hat, um eine Toilettenkabine zu mieten und so mussten die Schauspieler in der Not in Büsche pinkeln. Selbst bei der Auswahl deiner Besatzung warst du – nenne wir es mal kreativ: Die nette Dame, die die Puppen bedient hat, wurde kurz davor aus einer Nervenklinik entlassen. Aber hey! „Hobgoblins“ hat die Jahre überdauert und ist auf Blu-Ray erwerbbar. Entgegen allen Naturgesetzen und konformer Auffasung hattest du Erfolg und konntest deine Kosten mehr als gut decken.

„Hobgoblins“ schafft es eine Billigproduktion zu sein, die so schlecht ist und trotzdem ungemein unterhält. Ob Handlung, Belichtung oder Schauspieler alles in dem Film ist furchtbar mies und aus diesem Grund unfreiwillig komisch. Es macht einfach Spass die Fauxpas die Spiellänge durch zu entdecken und sich daran zu erfreuen.

Aber was ist dieser Film überhaupt? Wer sich denkt, dass „Hobgoblins“ ein Abklatsch von Gremlins oder Critters ist, hat völlig Recht. Die Hobgoblins sind kurzgesagt ausserirdische Wesen, die Chaos veranstalten.

Zum Inhalt des schrecklich, stümperhaften Scheiss-Streifens: Die Hobgoblins landeten vor wenigen Jahrzehnten auf der Erde und wurden wegen ihren telepathischen Fähigkeiten von einem Wachmann in einem Tresorraum eines Filmstudios eingesperrt. Also eigentlich stimmt das so nicht ganz, denn die dicke Tresortüre kann nach Belieben von jedem Idioten geöffnet werden. Also wurden die Viecher nicht wirklich eingesperrt. Das sogenannte Geheimnis wurde Jahrelang von dem nun ergrauten Wachmann behütet. Und dieser gebrechliche Herr sucht einen würdigen und jüngeren Nachfolger, damit er den Ruhestand antreten kann. Aber es kommt alles (wie eigentlich erwartet) ganz anders.

Zudem sei gesagt, dass wir uns erstens gefragt haben, ob die pelzigen Monster aus den buschigen Augenbrauen des betagten Sicherheitsmitarbeiters gezüchtet wurden. Und zweitens tat uns der reifere Schauspieler leid, der ständig mit gebückter und verkrampfter Haltung durch die Gänge und den ominösen Parkplatz rennen musste.

Und bereits nach zehn Minuten des Films häufen sich die Fragen. Aus welchen Gründen besitzt ein Filmstudio einen Sicherheitstrakt mit einem riesigen Banksafe? Und wenn es diesen Trakt gibt, wieso ist der nicht abgeschlossen? Wieso gibt es Regeln, die man bei den Hobgoblins einhalten muss? Wie wurden diese Gesetze entdeckt? Gab es Erfahrungsberichte oder einfach eine Anleitung dazu? Hat der Wachmann einen Grund dazu, wieso er niemandem von den Aliens erzählt hat? Und wieso zur hässlichen Handpuppe werden die kleinen Monster nicht einer zuständigen Behörde gemeldet? Auf diese ganzen Fragen – darf hier bereits verraten werden – wird im Verlauf der Geschehnisse nicht eingegangen.

Die Handlung verlagert sich alsbald zu einer Teenagergruppe, die von den kleinen, grünen Plagegeistern heimgesucht wird, wobei die Monsterchen aus unerklärlichen Gründen erst nach dem ersten Drittel der Spielzeit zu sehen sind. Hierbei muss beachtet werden, dass die Teenager-Klischees selbst Slasher-Filme übertreffen. Hier gibt es beispielsweise „Daphne“, ein prüdes Mädchen, welches ständig an der Männlichkeit ihres Freundes rumnörgelt, die aber in ihrer Fantasie gerne eine übersexualisierte Varietétänzerin wäre. Was wir aus dem Film lernen: Wenn junge Frauen «nein» sagen, meinen sie damit «Reiss mir die Kleider vom Leib und küss mich!».

„Hobgoblins“ ist auch mit sinnfreien Szenen gefüllt, welche den Film in die Länge ziehen und uns die Augenbrauen seitlich nach oben gezogen haben. Und natürlich tragen diese Szenen kein bisschen zum Erzählungsstrang bei. Es fängt damit an, dass Parkierorgien von Anfang bis zum Ende die Spiellänge füllen. Das heisst, dass jedes Mal wenn ein Fahruntersatz verwendet wird, das Parkieren des Fahrzeugs als wichtiger (jedoch äussert langweiliges) Ereignis inszeniert wird. Weiter kommt es zu einer unsäglich langen Kampfszene mit Gartenwerkzeugen. Wer einen durchchoreografierten Zweikampf mit blutigen Spezialeffekten erwartet, wird bitter enttäuscht. Im Grunde hauen zwei Trottel mit der Mitte der Stiele eines Rechens und einer Unkrauthacke absurd, gleichmässig und minutenlang gegeneinander.

Apropos Kampf, muss hier erwähnt werden, dass das Ringen mit den Goblins herzallerliebst ist. Die Schauspieler (in Anführungs- und Schlusszeichen) ringen mit den Handpuppen, wie ein Fünfjähriger mit seinen Plüschtieren, nachdem er Wrestling im Fernsehen gesehen hat. Die Dramatik, die daraus entsteht, dass Menschen so tun als würden sie von einer leblosen Puppe angegriffen werden und um ihr Leben bangen, ist so glaubwürdig wie ein Waschbär, der Mülleimer nicht mag.

Der Small-Monster-Ripoff bietet auch haufenweise Dialoge, die seines Gleichens suchen. Der ziemlich schüchterne und perverse Charakter mit dem Namen „Kyle“, versucht bei anderen Leuten Zuhause das Telefon zu benutzen, um einen Telefonsex-Quickie klarzumachen. Uns ist natürlich bewusst, dass sexuelle Fantasien sehr exotisch und individuell sein können. Aber eine erotische Vorliebe für einen Zoowärter? Hier eine kurze Passage daraus:

– Oh Mr. Zookeeper what do you think you’re doing? This isn’t the children’s petting zoo.

– I have a new house pet for you miss.

Die Telefonistin übernimmt übrigens auch die Stimmen des männlichen Rollenspiel-Charakters mit einer tieferen Stimmlage. Damit das klar ist.

Neben den desaströsen Darbietungen der Schauspieler gesellen sich ausserordentliche Szenen dazu, welche wir mit unserer Auffassungsgabe nicht zuordnen konnten, es aber unsere Herzen höherschlagen liess. Wir wissen bis jetzt nicht, ob aus Begeisterung, Liebe oder Wut. Die Tanzeinlagen stehen hier im Zentrum. Als würden sich die Akteure von „Hobgoblins“ nicht im Takt bewegen, sondern zum Sprechgesang den sich jeder einzelne ausdenkt. Man darf sich gar nicht vorstellen wie die Tänze ausgesehen hätten, wenn sich die Schauspieler an den Takt des fürchterlichen Keyboard-Geklimpers gehalten hätten.

Auch zu der Stimmung des Films konnte das Team von „Hobgoblins“ rein gar nichts beisteuern: Die Kulissen strotzen vor gähnender Leere und auch die Belichtung mit viel rotem und grünen Filter hat keinen Sinn ergeben.

Fazit:

Wenn „Critters“ als Imitation von „Gremlins“ bezeichnet werden kann, dann muss „Hobgoblins“ als Abfallprodukt von „Critters“ angesehen werden, welches für die Umwelt schädlich ist. Der Streifen ist genau an den Punkten witzig, wo der Regisseur es nicht beabsichtigt hat, weil die Qualität unterste, haarige Goblinkacke ist. Das Ziel von diesem Werk wurde weit verfehlt… Zu unserem Vergnügen!

 

 

 

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