Kurz

This is Spinal Tap. Not quite.

Lang

Im tiefsten Norden Finnlands flüchten vier Metalheads aus dem Alltag in den Keller um dort ihrer Passion zu frönen: Symphonic post apocalyptic reindeer-grinding-Christ-abusing extreme war pagan Fennoscandian metal. Hauptprobleme: seit zwölf Jahren haben die Kopfschüttler weder eigene Songs am Start noch einen Live-Auftritt auf die Reihe gekriegt.

Weil Film, treffen sie zufällig auf den Organisator des größten norwegischen Metal-Festivals und drücken ihm flott ihr Demo-Tape aufs Auge. Ohne Gig-Garantie in der Tasche verkündet Frontmann-Turo (Johannes Holopainen) den Auftritt als gesetzt. Gefundenes Fressen für das verschlafene finnische Kaff und seine gelangweilten Einwohner, welche die Band kurzum auf den Olymp der Rockgötter hebt. Weitere Lügengeschichten Turos reiten die Band immer tiefer in den Rentierkot.

Ist der Film objektiv betrachtet gut? Nö. Ist die Story überraschend? Nö. Ist der Humor oft mittelprächtig, selten sogar infantil und deplatziert? Ja. Ist der Film trotzdem sehenswert? HELL YEAH!

Wenn das Regie-Gespann Juuso LaatioJukka Vidgren ihren inneren Spinal-Tap-Nerd richtig einpegelt und den Regler auf 11 dreht, dann rockt „Heavy Trip“, so der Film auf Neu-Deutsch, ohne Wenn und Aber. Vor allem in Sachen Situationskomik hebt sich das Filmdebüt der beiden Finnen von der Masse der generischen Musik-Komödien ab.

Nuanciert werden Bandchemie und Mitglieder aufs Korn genommen. Die Diskussionen innerhalb der Truppe sind köstlich und gespickt voller Liebe zum Schwermetall. Besonders Bassist Pasi (grandios: Max Ovaska) stielt jede Szene und ist die Entdeckung des Films! Schon nur seine staubtrockene Art, gepaart mit seiner unerschütterlichen Black-Metal-Passion, machen „Heavy Trip“ unbedingt sehenswert. Move over Derek Smalls, wir haben einen neuen Lieblingsbassisten.

Auch auf der Habenseite: die Mucke! Mika Lammassaari (Mors Subita) ist für den grossen Teil der brutalen Riffs zuständig. Und boah, die knallen aber so richtig. Wer dem Trash-, Black- und Death-Metal nicht abgeneigt ist, kommt vollends auf seine Kosten. Blastbeats, Grindcore-Attacken, Growls – „Hevi reissu“ bietet definitiv keine massentaugliche Rockstar-Kost und nimmt soundtechnisch keine Gefangenen.

Klar werden alle Klischees aus dem Gegensatz zwischen biederer Dorfwelt und derbstem Metal ausgekostet, doch erstaunlicherweise gelingt der Spagat zwischen Authentizität und Persiflage mehrheitlich ausgezeichnet.

„Hevi reissu“ schafft es, seine Protagonisten nie ins offene Messer laufen zu lassen und spart dabei weder an pechschwarzem Humor noch an ironischen Untertönen.

Fazit

Keine Splatter-Orgie à la „Deathgasm“, keine düsterschwere Metalsymbolik à la „Mandy“, kein Metal-Klamauk à la „Wayne’s World“. „Hevi reissu“ bietet locker leichte, charmante Filmkost aus dem hohen Norden. Für alle Musik-Fans, welche eine eigene (Metal-)Band am Start haben, ein absolutes Muss. Für alle anderen ein gelungenes Film-Häppchen für zwischendurch. Xytrax forever!

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