Kurz:
Horus, Gott des Himmels wird von seinem Vater Osiris zum Herrscher über Ägypten gekrönt. Set der Wüstengott hat etwas dagegen, tötet seinen Bruder Osiris und stiehlt die Augen von Horus. Dieser verkriecht sich ins Exil. Bis er eines Tages vom Dieb Bek um Hilfe gebeten wird und damit Gelegenheit zur Rache erhält.
Lang:
Gods of Egypt, die Verfilmung der ägyptischen Mythologie, hatte bereits vor Veröffentlichung keinen guten Stand. Für Aufruhr sorgte das Casting, bei welchem keinerlei ägyptisch stämmige Schauspieler berücksichtigt wurden. Regisseur Alex Proyas („The Crow“, „Dark City“) und seine Crew mussten sich dann mit dem Vorwurf des „Whitewashings“ konfrontieren lassen. „Whitewashing“ bedeutet, dass exotische Charaktere oder Völker von westlichen Schauspielern gespielt werden, um damit attraktiver für das überwiegend weisse Massenpublikum zu sein. Ein weiteres aktuelles und kontroverses Beispiel dieses Verfahrens ist Aloha, dort spielt die Amerikanerin Emma Stone eine Asiatin.
Weitere Rückschläge folgten in Form zahlreicher schlechter Kritiken und Bewertungen sowie ein vergleichsweise geringes Einspielergebnis. Die Trailer waren auch eher von bescheidener Qualität.
Ist der Film nun wirklich so schlecht?
Nein. Allerdings auch nicht wirklich „gut“. Trotzdem ist er besser als sein Ruf und unterhaltsamer als die meisten Blockbuster der letzten Zeit. Nur Historiker und Liebhaber von realistischen Szenarien sollten die Finger davon lassen.
Ein grosser Reiz (und Schwachpunkt zugleich) des Films sind die Spezialeffekte. Diese schwanken qualitativ zwischen toll und unterirdisch. Einiges könnte aus grauer Urzeit stammen und schaut unglaublich billig aus. Anderes wiederum ist richtig gelungen (das Rätselmonster, Pyramide, Anfangssequenz-Kamerafahrt sowie die Kostüme). Der Mix aus beiden ergibt einen eigenwilligen Trash-Charme. Obwohl dies mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht die Absicht von Proyas gewesen ist. Falls doch, Hut ab!
Einige auffallende Beispiele zur Illustration:
- Um den Unterschied zwischen den Göttern und Menschen zu verdeutlichen, sind die jeweiligen Darsteller digital vergrössert. Dies sieht so offensichtlich getrickst und seltsam aus, dass man sich entweder entgeistert an den Kopf fasst oder darüber schmunzelt.
- Springt in den Actionszenen ein Charakter, geschieht dies in Slow-Motion. Also ziemlich oft.
- Jedes Mal wenn Totengott Anubis erscheint, dreht sich dieser um die eigene Achse.
- Einige Hintergründe schreien nur so nach Greenscreen.
Die Schauspieler geben sich zumindest Mühe und haben sichtbar Spass an der Sache. Gerard Butler (Leonidas aus „300“) spielt hier den Bösewicht, schreit und mordet zwar die meiste Zeit nur rum, wirkt aber dennoch nicht deplatziert. Der Däne Nikolaj Coster-Waldau („Game of Thrones“, „Headhunters“) spielt Horus mit einer Portion Selbstironie. Für weitere heitere Momente sorgt Chadwick Boseman, der im nächsten Jahr als Marvel’s Black Panther durchstartet. Er spielt die Rolle des Weisheitgottes Thoth und darf den arroganten Klugscheisser geben. Die witzigsten Szenen gehen klar auf sein Konto. Courtney Eaton, welche die Freundin von Bek (Brenton Thwaites) spielt, geht glatt als talentiertere Version von Emilia Clarke durch. Zumindest ähneln sich ihre Mimik ein wenig. Elodie Young und Rufus Sewell geben solide Performances ab. Sewell sorgt ausserdem für den besten unfreiwilligen Lacher.
Lediglich Geoffrey Rush („Pirates of the Caribbean“, „King’s Speech“) wird als Sonnengott Ra verheizt (im wahrsten Sinne des Wortes) und mit den schlimmsten Effekten des gesamten Films in Szene gesetzt. Wenn er in Flammen steht dann sieht das sehr bekloppt aus. Nebenbei spielen sich die meisten seiner Szenen auf einem Sonnenschiff im Weltraum (!) ab, was dem Ganzen die Krone aufsetzt und in neue Lächerlichkeits-Höhen schiesst.
Die Story hingegen ist ein alter Hut und vorhersehbar. Ausserdem ist die Laufzeit von 127 Minuten zu lange.
Notizen am Rande: Das 3D ist nicht nachträglich konvertiert aber trotzdem unnötig. Beim Score von Komponist Marco Beltrami ist besonders das erste Stück sehr eingängig.
Fazit:
Gods of Egypt ist eine Schlachtplatte des schlechten Geschmacks. Der Streifen erfüllt ein Ziel, welches von vielen modernen Blockbustern nicht unbedingt erreicht wird: Er unterhält richtig gut. Allerdings muss man sich auf den Film einlassen und die Erwartungen massiv runterschrauben. Auf der technischen Ebene scheitert er grandios an teils sehr grottigen Effekten und die Dialoge sind kaum der Worte wert. Wird dennoch sein (kleines) Publikum finden.