Kurz:

Eine Gruppe von ekelerregenden und schamlosen Wesen hilft einem jungen Aussenseiter den Alltag zu bewältigen.

Lang:

Zu Beginn kurz was zum Kontext. Es sind die Achtziger. Und in dieser Zeit wurden Sammelkarten für Kinder produziert, die als Kohlkopf-Puppen-Parodie zu verstehen sind. „Die totalen kaputten Kids“ sind groteske und abstossende Sammelobjekte, welche jeden infantilen Bubenhumor bedienen. Persönlich erinnere ich mich noch sehr gut an „Explorin’ Norman“. Ich fand das lustig und zugleich verunsicherte es mich. Seither bohre ich auch weniger in der Nase rum. Und so wie es sich gehörte vor drei Jahrzehnten, entstand schnell der Wunsch eine erfolgreiche Franchise auszuschlachten. Egal ob es sinnvoll ist oder die Charaktere genug Substanz besitzen für einen ganzen Spielfilm. He-Man sei Dank!

Nun zum Inhalt: Ein etwa 14-jähriger, unreifer Knabe hat es nicht einfach. Dodger – gespielt vom jungen Mackenzie Astin (In Love and War, Iron Will) –  ist in eine junge Erwachsene verliebt. Diese Gefühlsregungen äussern sich darin, dass er gerne an ihren Haaren riecht oder sie heimlich beobachtet. Der kleine perverse Stalker! Diese verführerische und wilde Tangerine gehört jedoch einer Gang an, die immer wieder den kleinen Dodger vermöbelt und tyrannisiert. Applaus! Es sind Erwachsene, die einen Minderjährigen verprügeln. Der pubertierende Einzelgänger kann sich jedoch auf die Unterstützung und den Rat eines quasselnden Antiquitätenhändlers Manzini – dargestellt von Anthony Newley (Oliver Twist, Sweet November) – zählen. Und Captain Manzini hält insgeheim sieben mysteriöse Kreaturen in einer Mülltonne gefangen. Bei einem Gerangel fällt diese Mülltonne um, öffnet sich und befreit diese hässlichen und rüpelhaften Wesen. Die freigelassenen „Kinder“ päppeln den verletzten Dodger wieder auf und schliessen Freundschaft mit diesem.

Und da hört der rote Faden der Erzählung bereits auf. Das restliche Drehbuch enthält nicht wirklich eine nachvollziehbare Handlung, sondern nur lose und wiederkehrende Auftritte der „Garbage Pail Kids“:

  • Die zwergenhaften Unholde hüpfen herum.
  • Die Gnome verkleiden sich.
  • Die hässlichen Wichte rauben eine Schneiderei (Non Union Sweat Shop) aus und singen dabei eine Synthi-Pop-Version von „Heigh Ho“ (als Clip unten zu finden).
  • Und so weiter

Das wichtigste habe ich jedoch vergessen: Der eine furzt, die andere rotzt sich voll und noch ein anderer bepisst sich. Um nur drei Eigenschaften dieser Kobolde zu nennen.

Hach ja. Popo-Pippi-Humor für Kinder wie er im Bilderbuch steht. Moment mal! Da kommen wir zur wichtigsten Frage: Ist das überhaupt ein Kinderfilm? Die eindimensionale Geschichte spricht dafür. Wie auch die plumpen Witze. Und die Altersfreigabe bestätigt dies (Parental Guidance Suggested). Aber wenn man die Masken der kleinwüchsigen Schauspieler betrachtet, die mit abstossend Gesichtszüge modelliert wurden und mit ihren toten Augen in die Kamera starren, wird es einem mulmig. Man merkt zwar, dass die Mimik der Masken nicht ausgereift und die Animatronik dahinter sehr rudimentär ist. Aber trotzdem hatte ich eine Nacht lang Alpträume von diesen entarteten Fratzen! Und noch jetzt sehe ich jedes Mal das Gesicht von „Foul Phil“, wenn ich die Augen schliesse. Das kann doch nicht gesund sein für die Psyche eines Kindes, wenn es einen erwachsenen Mann bereits traumatisiert.

Foul Phil

Weiter irritiert der Film durch eine konfuse und aufgezwungene Moral. Die innere Schönheit wird der äusserlichen entgegengesetzt. Der Regisseur Rod Amateau versucht zu vermitteln, dass die Garbage Pail Kids zwar unansehnlich sind, aber ein grosses Herz besitzen. Wegen ihrem üblen Aussehen werden sie kurzweilig in das „State Home of Ugly“ eingesperrt. Ja in richtig verstanden: In diesem Film gibt es eine Institution, die Menschen beziehungsweise Kreaturen mit abstossendem Aussehen wegsperrt. Metaphorisch ziemlich subtil! Aber welche innere Schönheit besitzen diese Monster eigentlich? Sie klauen Lebensmittel, prügeln sich in der „Toughest Bar in the World“ und verursachen Chaos an einer Modenschau. In welcher Kultur sind das denn positive Charaktereigenschaften? Diese Kids sind doch hässlich und bösartig… Ach egal.

Und trotzdem empfehle ich den Film. Wer die poppige Mode der Achtziger liebt, kommt bei diesem Film auf seine Kosten. Wie auch Liebhaber von synthetischer Musik, die einzig und alleine mit Keyboard auskommt. Es ist auch ein Leckerbissen für Knobelfreunden, die auf Fragen wie „Woher kommen diese Wesen?“ oder „Gibt es noch mehr solcher Kreaturen?“ nur dürftige oder gar keine Antwort erwarten. Und auch die Schauspielküste und Dialoge sind von sehr schlechten Eltern.

Fazit:

Eine weniger liebevolle Kopie von Gremlins. Jedoch zehnmal schauriger. Und trotzdem ein grottiger Abklatsch eines typischen Kinderfilms der 80er Jahre wie beispielsweise The Goonies oder The Karate Kid. Geschmacklos in seiner Darstellung und debil in seiner Erzählung. Da schlägt das Herz jedes Trash-Liebhabers höher!

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