Kurz:

„Fatal Deviation“ erzählt die Geschichte des als Kind gemobbten irischen Martial-Arts-Kämpfers Jimmy Bennett. Bennett kehrt nach zehn Jahren aus irgendeinem diffusen Ausbildungslager voller Jean-Claude-Van-Damme-Portraits in seine Heimatstadt zurück, um den Tod seines Vaters aufzuklären. Dort trifft er auf einen lokalen Drogenring, muss ein geschichtsträchtiges Kampfturnier gewinnen und nebenbei seinen Libido befriedigen.

Oder wie sich „Fatal Deviation“ selbst beschreibt: „A Classic good versus evil action flick, mixed with kicks, guns, motorcycles and a hot babe.“ Wenn das mal keine top Zutaten für eine Filmgranate sind.

Ganz unten könnt ihr euch den Film in voller Länge antun.

Lang:

Der unermüdliche Traum vom grossen Durchbruch in Hollywood bleibt der beste Nährboden für cineastischen Schiffbruch.

In „Fatal Deviation“ lag James Bennetts grosse Hoffnung, sich als Action-Star ins Rampenlicht der Casting-Agenturen zu prügeln. Er mag fürwahr eine Begabung in martialischen Kampfkünsten haben, aber von Schauspielerei hat der Gute keinen blassen Schimmer. Schon der erste Dropkick signalisiert, dass Bennett in Tat und Wahrheit ein 8jähriges Kind ist, aufgepumpt mit 90kg fleischgewordenen Steroiden. Während den Kämpfen schreit er gut und gerne mal ein spontanes „WAPOW!“, feuert bei Shootouts in bester „John Woo“-Pose um sich und zeigt in unzählig vielen Trainingsmontagen, dass er nebst vielen Martial-Arts-Aufwärmübungen sowohl Klimmzüge als auch den Spagat aus dem Effeff beherrscht. Nicht nur der Epic-Split wird von JCVD geklaut, im Prinzip ist „Fatal Deviation“ ein bis aufs kleinste Atom missglückter Klon von „Bloodsport“.

Du weisst, dass du dir eine filmische Gurke ankuckst, wenn der Hauptbösewicht ein offensichtlich aus dem Altersheim gekiddnappter Opa ist, dessen Bezeichnung “Drug Lord” nur dann gerechtfertigt ist, wenn seine rezeptpflichtigen Medikamente mitgezählt werden. Der Gangsterboss ist etwa so angsteinflössend, wie ein bekiffter Ueli Maurer und es besteht die latente Gefahr, dass er beim Formulieren seines knackigen Dialogs jederzeit einschläft. Ihm zuzusehen, wie er versucht seine Gedanken verbal zum Ausdruck zu bringen ist etwa gleich vif, wie einem Eiswürfel beim Schmelzen zuzuschauen.

Der Vizepräsident des senilen Drogenrings ist kein geringerer als Mikey Graham, seines Zeichens Mitglied der irischen Boygroup Boyzone. Und spätestens dann wenn du feststellst, dass der Boy der beste Schauspieler des ganzen Ensembles ist, steckst du bereits zu tief im Trash-Treibsand, um deine Augen noch von dieser cineastischen Gräueltat abwenden zu können.

Eigentlich geht es in „Fatal Deviation“ um ein traditionelles Kampfturnier im UFC-Stil. Als Hauptpreis kann der Gewinner über das ganze Dorf regieren. Wieso auch nicht?! Klar, dass sich bei diesem heissen Hauptpreis sogar der lokale Drogenring und natürlich auch vanBennett ins Turniertableau einschreiben.

Um sich optimal für den Wettkampf vorzubereiten, wird Bennett von einem kauzigen Mönch trainiert. Die Beweggründe des Mönchs werden nie genau erläutert, ist aber auch egal. Hauptsache sein Bart ist exorbitant und seine Anweisungen kryptisch. Der fleischgewordene Travelocity-Gnome brilliert mit der Beweglichkeit eines Baumstammes, aber nach ein paar, mit deplacierten Popsongs (!) unterlegten Trainingsmontagen, ist Bennett bereit fürs Prügeln. Dass die darauf folgenden Kämpfe jämmerlich und ohne jeglichen Drive präsentiert werden, ist in “Fatal Deviation” natürlich Ehrensache.

Auch sonst ist die Action grandios stümperhaft inszeniert. Bei einer Schiesserei tönen die Salven wie ein Toilettengang nach ausgiebigem Chili-Essen und beim obligatorischen Barfight ist es offensichtlich, dass die Filmcrew angewiesen wurde, auf keinen Fall Inventar zu zerstören.

Über das eingangs erwähnte „Hot Babe“ verliere ich aus Angst eines Femen-Angriffs auf die KultMovieGang besser keine Worte. Dafür gibt es noch den nackten Cowboy, welcher aus unerfindlichen Gründen seinen Schwabbelbauch und sein faltiges Arsch in die Kamera reckt. Entweder lebt der hässliche Typ mit dieser Szene seinen exhibitionistischen Trieb aus oder er hat eine hirnrissige Wette verloren.

Bevor ihr euch unten dann Spass in voller länge gönnt, hier der gigantische Climax zwischen Bennett und dem Altersheim-Flüchtling in Drehbuch-Form.

Scheintoter Mann bedroht den Action-Held mit seinem Jagdgewehr und krächzt: “You killed my son. Now I am going to kill you. Just as I killed your father.” Bennett schlägt den alten Mann zur Sau, klaut sein Gewehr und spricht: “You killed my father, now I’m gonna kill you, just like I killed your son!”. Und schiesst dem alten, wehrlosen Opa mitten ins Gesicht. Le Fin.

Impressionen gefällig?

The Gates Are Open
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Fazit:

Best-Worst-Unterhaltung aus dem Bilderbuch.

 

rating_4halb

The Best Worst

 

So, und jetzt Vorhang auf für 76 sehr erheiternde kurzweilige Minuten.

 

Hier für alle Trash-Film-Stänkerer eine Anleitung wie ein “Fatal Deviation” genossen werden kann:

http://blip.tv/movienights/olp-fatal-deviation-5094708

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3 thoughts on “Rezension: Fatal Deviation (1998)

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