Kurz:

Die niedergeschlagenen Soldaten warten an der Bucht der nordfranzösischen Stadt Dunkerque auf Verstärkung der Alliierten. Eingekesselt von Wehrmachtssoldaten ist die Hoffnung nur noch minimal vorhanden und die Stadt bereits aufgegeben.

Lang:

Regisseur und Autor Christopher Nolan (Memento, Interstellar) präsentierte uns ein wenig umstrittenes Schmuckstück des Kinosommers 2017. Mit „Dunkirk“ wagt er sich an einen Kriegsfilm, welcher auf der historischen Schlacht von Dünkirchen beruht. Wir raten davon ab, sich mit der Hintergrundgeschichte zu befassen, da es den Ausgang des Films verrät. In diesem Sinne: Belesenheit ist ein Spielverderber. Jedenfalls baut Herr Nolan diese Erzählung auf drei Perspektiven auf, die chronologisch etwas eigensinnig verwoben sind, jedoch das Zeitgefühl der jeweiligen Charaktere wiedergeben:

  •     „The Mole“ – Die Sichtweise der Soldaten an Land, die auf ihre Evakuierung warten.
  •     „The Sea“ – Der Aspekt der Zivilisten, welche mit ihren kleinen Kuttern und Freizeitboten die Soldaten retten wollen.
  •     „The Air“ – Der Einblick durch die Augen zweier RAF-Piloten.

Mit Freude dürfen wir auch verkünden, dass in diesem Film keine heroischen US-Navy-Marins zelebriert werden. Ausnahmsweise spielt in dieser Geschichte die amerikanische Armee gar keine Rolle. Der Streifen verfolgt auch nicht das Ziel eine antimilitärische Moral zu verbreiten. Nein. „Dunkirk“ schafft es die Geschehnisse eines Konflikts auf subjektiv-neutrale Art und Weise zu zeigen. Und zwar wird ein strategischer Zug aufgezeigt, der bis heute filmisch eher gemieden wurde: Der Rückzug. Also der Zeitpunkt, wo die Schlacht verloren ist und versucht wird vor dem Feind zu flüchten ohne getötet oder gefangen genommen zu werden. Dieser Ansatz alleine macht diese Produktion bereits sehr attraktiv, da sie sich dadurch im Kriegsfilm-Genre abhebt.

Was aber den Film so herausragend macht, ist die unglaubliche Dichte der Filmdramaturgie. Ja, dieser Film hat uns fertig gemacht. Ernsthaft! Wir wurden bereits zu Beginn ins kalte Wasser geworfen und mussten sofort mit einem britischen Soldaten mitfiebern, der in einen Hinterhalt geraten ist. Und bis zum Schluss sassen wir wie auf Nägeln. Wir hielten bis zum Ende Ausschau nach deutschen Bombern. Die Kompositionen von Hans Zimmer klimperten und zupften zusätzlich an unseren Nerven. Diese Mischung aus Spannung und Nervenkitzel hatte uns vollständig gefesselt. Und dies ist eine Kunst, die Spannung so lange aufrecht zu erhalten, welche beispielsweise beim Showdown von The Dark Knight Rises nicht erreicht wurde.

Die Stimmung, die in „Dunkirk“ aufgebaut wird, ist in Trost- und Hoffnungslosigkeit getaucht. Die Hässlichkeit des Krieges ist omnipräsent ohne im Mittelpunkt zu stehen. Schmutzige, verängstigte und frierende Soldaten wiedergeben dieses Gefühl vorzugsweise. Auf Blut und zerfetzte Körperteile wurde als Stilmittel fast gänzlich verzichtet. Und der Feind, welchen man nie zu Gesicht bekommt und deswegen noch bedrohlicher wirkt, beklemmt ungemein.

Weiter gefiel uns „Dunkirk“, weil er sich ausordentlich authentisch anfühlte. Die Kostüme, die Kriegsschiffe, die Schauspieler und die schiere Unberechenbarkeit der Geschehnisse liess uns im Glaube, dass die Ereignisse sich so eins zu eins in der Realität zugetragen haben. Auch hatten wir Mühe zu erkennen, ob Explosionen oder Luftkämpfe durch praktische Effekte dargestellt wurden oder durch CGI. Im Grossen und Ganzen lassen wir uns gerne an der Nase herumführen, wenn uns dadurch die Immersion in eine andere Welt besser gelingt.

Optisch ist dieser Streifen zusätzlich sehr raffiniert. Aufnahmen aus der Luft und im Wasser sind erfrischend und findig. Die Farbpalette, die tendenziell auf gelbliche und bräunliche Töne zurückgreift, unterstütze die triste Stimmung, die in „Dunkirk“ vorherrscht.

Bei allem Positiven darf man diesem Werk vorhalten, dass der Erzählstil experimentell ist. Dies hat zur Folge, dass der Zuschauer mehrmals während der Spielzeit die Ereignisse chronologisch nicht zuordnen kann. Auch die Abfolge und Länge der verschiedenen Sequenzen scheinen keiner gewissen Logik zu folgen und rauben folglich dem Film eine gewisse Struktur.

Fazit:

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist „Dunkirk“ einer der besten Filme im Jahr 2017. Die Stärken von Regisseur Christopher Nolan sind in diesem Streifen gebündelt. „Dunkirk“ schafft es den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen mit jeder erdenklichen Komponente der Filmkunst und verdient den Titel Thriller mehr als die meisten Filme, die diesem Genre zugehören. Anstatt an den echten Strand zu gehen, befehlen wir euch die Küste von Dunkerque zu besuchen! Im Kinosessel versteht sich.

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