Kurz:
Rache und Vokuhila und so.
Lang:
Einen Mitternachts-Kultfilm nüchtern zuhause reinzuziehen, ist als würdest du mit deinen Rollschuhen durch einen See Nutella kurven. Im Prinzip lustig, doch dann meist zäh und anstrengend. Schlechte Filme brauchen Zwischenrufe, Lachsalven und sinnfreie Kommentare. Trotzdem gibt es auch jene Filme, welche sogar auf Ego-Tour prächtig unterhalten. „Dangerous Men“ gehört definitiv dazu.
„Dangerous Men“ dreht den WTF-Regler auf Elf. Von der ersten Sekunde an ist klar, dass der Streifen aus einem extrem verwirrten und egozentrischen Bereich eines desillusionierten Hirns. Die Eröffnungstitel bestehen ausschliesslich aus einem Namen: John S. Rad. (Bis hierhin wusste ich auch nicht, dass ein und dieselbe Person sowohl Producer als auch Executive Producer sein kann.)
Aufgrund des einzigartigen Produktionszeitraums funktioniert „Dangerous Men“ primär als Episodenstreifen, in welchem drei lose Vignetten über Themen wie Gewalt, Missbrauch, Rache und Gerechtigkeit verbunden wurden. Eigentlich ist diese optische Inkonsequenz logisch, denn die Schauspieler, welche 1979 in ihre Rollen schlüpften, sahen 26 Jahren später halt nun 26 Jahre älter aus. Und so bleibt es verständlich, dass Rad keinen Fokus setzen konnte und in „Dangerous Men“ Charaktere einführte, um sie dann urplötzlich nicht mehr im Film zu verwenden.
Eigentlich dreht sich die Geschichte von „Dangerous Men“ um Mina (Melody Wiggins), eine Frau, die mit ansehen muss, wie einer der unzähligen, bösen Biker-Buben ihren Verlobten ersticht. Doch anstelle über dem toten Körper zu trauern, lässt sie den vermeintlichen Mann ihres Lebens in seiner Blutlache liegen und wirft sich kurzerhand dem Mörder um den Hals. Minuten später fordert sie ihn in einem schummrigen Motelzimmer auf, ihre Knie zu rubbeln und gleichzeitig ihrer Bauchnabel zu lecken. Rache ist süss. Oder so. Willkommen in der irren Welt John Rads.
Schon „Die Ärzte“ wussten es: alle Männer sind Schweine. In „Dangerous Men“ sind alle, abgesehen vom stereotypischen Helden natürlich, Vollblut-Vergewaltiger, Mörder oder Kriminelle. Sogar liebevolle Familienväter werden ob dem Anblick Minas innert Sekunden zu notgeilen Gewalttätern. Tja, „Dangerous Men“ halt. Diese haben die Rechnung aber ohne One-Women-Army Mina gemacht, welche ihre Peiniger schon mal nackt am Strassenrand stehen lässt. So fies ist sie, die Mina. Tja, jedes Mittel ist ihr Recht. Verdammt, ihr Verlobter wurde ja erstochen und das heisst nunmal RAAAAACHE! In einer Nebenhandlung, also einer 15 Jahre später gedrehten „Nebenhandlung“, säubert der vermeintliche Bruder des abgemurksten Verlobten, ein Cop namens Clem, die Strassen von den bösen Broncos.
Was den Streifen von anderen Exploitation-Flicks differenziert, ist Rads fast ausserirdischer Ansatz Interaktionen zwischen Menschen darzustellen. Und ich rede nicht nur von der sexuellen Interaktion. Zuzusehen wir die Charaktere sich austauschen, ist absurd, überwältigend, unheimlich und einzigartig. Gleiches könnte auch vom unglaublich monotonem Score, selbstverständlich auch aus der Feder Rads, gesagt werden. Eine endlos repetitive, Upbeat-Melodie aus billigsten Casio-Funk-Bausteinen. (Dumm nur ist dieser Tune catchy AF. Hörst du hier. Wir haben dich gewarnt.)
Bizarr beschreibt „Dangerous Men“ am besten. Das WTF-Level ist von der ersten bis zur letzten Sekunde auf Masterclass-Niveau. Wenn bad acting, bad writing, bad directing, bad music, bad sound und übelste Kampf Choreographien dein Ding sind: zieh dir „Dangerous Men“ rein. Am Besten mit uns zusammen am 27. Oktober im Kino, denn gemeinsam macht halt alles mehr Spass, oder?
Fazit:
Dieser Film ist eine Tour-de-Force und generiert das tiefe Gefühl, ihn immer und immer wieder sehen zu wollen, nur um ihn auch auf eine tieferen Level besser zu verstehen. Wenn du üble Machwerke liebst, dann findest du auch „Dangerous Men“ nett.