Kurz:

Rambo trägt neu einen Schnauz und mag Bambi mehr als seinen Bruder.

Lang:

Wo John Old Jr. draufsteht, ist Lamberto Bava drin. Jawoll, der italienische Kultregisseur („Demons“, „Demons 2“, „Macabro“) legt sich gut und gerne mal ein, nach amerikanischer Kredibilität duftendes Pseudonym zu, um sich damit von seinen Slasher/Horror-Wurzeln zu distanzieren. So auch 1984 für den Rambo-Verschnitt „Blastfighter“.

In „Blastfighter“ (auch bekannt als „Der Exekutor“, „Force of Vengeance“, „Warrior of Hell“ oder ganz dreist, „Rando“!) wird ein Polizisten-Gott des Mordes beschuldigt, kriegt Knastzeit aufgebrummt, wird wegen guter Führung frühzeitig entlassen und will im Nachgang einfach nur seinen Frieden. Doch Oha, seine Vergangenheit holt ihn schneller ein, als Trump Tweets absetzt. Selbstverständlich prallt unser Protagonist schon nach 10 Filmminuten auf lokale ADHS-Hillybillies/Hyper-Bullies, welche zum Zeitvertrieb wild Wild knallen, nur um die erlegten Viecher entweder dem ortsansässigen Chinesen für dessen Medizin-Cocktails zu verhökern oder damit morbide Streiche zu spielen. Besonders dumm nur, meucheln die bösen Buben ausgerechnet des Heldens Lieblings-Bambi.  

Du weisst, dass du im tiefsten B-Movie-Sumpf steckst, wenn der Hauptdarsteller den Namen Jake „Tiger“ Sharp trägt, aber noch weniger Biss zeigt, als Tiger Woods Polizeifoto. Michael Sopkiw („After the Fall of New York“, „Devilfish“) präsentiert uns einen optischen Mix aus Ryan Gosling und Tom Selleck. Einfach in schlecht. In Sachen Gesichtsstarre bietet Sopkiw Steven Seagal die Stirn und sogar der famos hölzerne Alan-Bagh-Gang aus “Birdemic: Shock & Terror” kriegt hier waschechte Konkurrenz. Wieso Sopkiw der Ansicht ist, dass nur geschriene Dialoge gute Dialoge sind, bleibt sein Geheimnis. Seine akustischen Ausbrüche am oberen Ende der Lärm-Skala übergiessen nicht nur seine armen Szenenpartner mit Speichelfontänen, sondern wären auch in jeder mittelmässigen Hardcore-Band gut aufgehoben. Jup, Sopkiw spielt übel. Richtig übel. Auf der Habenseite glänzt er mit einem recht hübschen Schnauzer und … ja, das wärs wohl. Es erstaunt kaum, dass der Amerikaner nur zwischen 1983 bis 1985 in vier italienischen Rip-Off-Exploitation-Flicks zu sehen ist und anschliessend komplett von der Bildfläche verschwand.   

Wie es sich für einen 80er-Trash-Flick gehört, wird dem Helden natürlich ein oberflächlich skizziertes Mädchen in Not (Valentina Forte) zur Seite gestellt. Obwohl die Kleine offensichtlich auf BHs allergisch reagiert und sich vom ersten Moment an den Helden rann macht, schläft dieser selbstlos bei Minustemperaturen in seiner Lederjacke auf der Veranda. Wohlweislich vorausschauend, denn in einem der wohl unglaubwürdigsten Twists offenbart (ACHTUNG SPOILER!) die eben noch verführerisch inszenierte Dame, seine Tochter zu sein. Diese Wendung steht dem Streifen gut. Klar wird so das Mädel bald zur Zielscheibe der bösen Jungs, so dass Tiger seine scharfen Krallen endgültig ausfahren muss. Gut so. Und weil Familiendrama eigentlich immer passt, wird unserem Tiger mit George Eastman zusätzlich noch ein Bruderherz zur Seite gestellt, wessen Beziehungsnetz bis zu den Rechtsbrechern reicht. Eastman, welcher auf den bürgerlichen Namen Luigi Montefiori hört, hebt bereits seit den 70er Jahren mit seiner dominanten Fresse mittelmässige Exploitation-Streifen aus dem Mittelmass. So auch unserem Best-Worst-Klassiker „Atomic Cyborg – Hands of Steel“. Entsprechend tut auch „Blastfighter“ die Prise Eastman gut.

„Blastfigher“ macht Spass. Nicht nur explodieren Autos im Stehen, nein, der Streifen bietet, wie es sich für italienische Produktionen gehört, idiotische Dialoge sondergleichen. Hier ein paar besonders gelungene Quotes:

  • One day you got a friend, the next day it might be your enemy.
  • You wanna know who I am? I am a son of a bitch.
  • He wasn‘t a turd, he was a killer.
  • We used to eat what we kill.
  • Quit acting like a fricking horses ass.

Besonders letzterer offenbart anscheinend eine Obsession der Drehbuchautoren. Der Pferdearsch ist omnipräsent. Wenn du jedesmal einen Shot kippst, wenn von einem “Horses Ass” die Rede ist, bist du innert Kürze hackedicht. Wieso auch nicht.  

Und da wäre noch der Soundtrack. Nebst obligatorischem Synthi-Gewummere wollten die Filmemacher anscheinend mit Country-Songs dem Streifen amerikanische Kredibilität einimpfen. Unerklärlicherweise holpert aber jeder Song als wäre ein Sprung in der Platte. Da ging wohl was im Schnittraum hopps. Eh nu. Vielleicht merken sowas ja nur Filmmasoschisten. Und mit Banjo-Gedudel sollte wohl eine thematische Nähe zu „Deliverance“ suggeriert werden. Was für ein Mix.

Und was ist eigentlich mit dem Blastfighter, also der Penis-Verlängerungs-Kanone, welche dem Streifen seinen Titel gibt? Tja, das heilige Rohr wird anfangs ein- und erst ganz am Schluss ausgepackt. Doch das Warten lohnt sich. Hellyeah. Kaboom-Porn vom Strübsten. Ja, Tigers Amok-Lauf zu guter Schluss ist Gold wert. In bester „Deadly Prey“-Manier durch den Wald gejagt, sticht, schlägt, killt, würgt der Tiger in den letzten 20 Minuten alles was sich bewegt. Ein Statist nach dem anderen verabschiedet sich in die ewigen Jagdgründe. Die Frage, woher zur Hölle jetzt plötzlich dermassen viel Frischfleisch aus dem Wald stolpert, wird selbstverständlich nicht geklärt. Egal. Hauptsache Blutpatronen platzen im Takt des 80er-Pop-Soundtracks. Grosses Kino.

Fazit:

20% Rambo-Thematik, 10% Deliverance-Atmosphäre und 70% Deadly Prey-Groove. „Blastfighter“ is a blast. Ein Best-Worst-Classic aus dem Bilderbuch. We like.

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