Kurz:

Wegen den Folgen der globalen Erwärmung rächen sich explodierende Vögel an ahnungslosen Laiendarstellern.

Lang:

Ja, wir haben bereits „Birdemic 2 – The Resurrection“ rezensiert und sogar im Kino abgefeiert. Zeit also den Ursprung allen Übels unter die Lupe zu nehmen. Denn während der Nachfolger einigermassen akzeptable Bild- und Ton-Qualität vorweisen konnte, bedient sich „Birdemic – Shock and Terror“ in allen Bereichen aus der untersten Schublade: Shock und Terror sind Programm.

Es gibt eine Menge schlechter Filme, aber nur wenige davon sind gut. „Birdemic – Shock and Terror“ ist ein solches Vehikel und hat sich den Kult-Stempel verdient. Das cineastische Desaster füllte in Amerika und England bereits Kinosäle – so auch bei uns in Bern!

Doch was macht „Birdemic – Shock and Terror“ so unverzichtbar? Starten wir einmal bei der Handlung:

Rod (Alan Bagh) ist ein umweltbewusster und auf unerklärliche Weise erfolgreicher Software-Verkäufer. Er lebt in einem ultra-verschlafenen Nest namens Half Moon Bay in Kalifornien. Eines Tages trifft er Nathalie (Whitney Moore), eine Ex-Mitschülerin, die zu gleichen Teilen unerklärlich, erfolgreich als Model arbeitet. Und hopp de Bäse, schon liegen die beiden zusammen im Motelbett. Eigentlich alles peachy, doch dann beginnen aus noch unerklärlichen Gründen Vögel ein Suizid-Kommando.

Irgendwann, komplett aus dem Nichts, fängt also das Gefieder unvermittelt an, die Stadt und ihre Einwohner zu attackieren. (Wieso die Viecher beim Aufprall teils explodieren bleibt selbstverständlich ungeklärt). Zum Glück kriegen Rod und Nathalie noch Unterstützung von einem anderen Paar: Ramsey (Adam Sessa) und Becky (Catherine Batcha). Wer bis zu diesem Zeitpunkt geglaubt hat, dass das ultra-üble Schauspiel von Bagh und Moore kaum zu unterbieten sei, dem haut Regisseur James Nguyen diese beiden desaströsen Performer vors Augenlicht. Autsch!

Die untalentierten Vier stürzen sich tapfer in die Horde aggressiver Federflieger und beginnen mit Kleiderbügeln auf diese einzuhämmern. Als Endresultat kriegen die Zuschauer eine der unglaubwürdigsten Szenen der Filmgeschichte zu sehen: zweidimensional-animierte Vögel werden stümperhaft als GIFs auf die Aufnahme von unmotivierten und Lachanfall-unterdrückenden Schauspieler montiert.

Mit Sicherheit der absolute “Höhepunkt” des Streifens, doch „Birdemic – Shock and Terror“ bietet noch ähnlich Schlimmes. Der Streifen ist unter anderem das Paradebeispiel schlechthin, wenn es um abrupte und unpassende Schnittabfolgen geht. Regisseur Nguyen ist es anscheinend egal, unterscheiden sich bei jeder einzelnen Kameraeinstellung die Hintergrundgeräusche. Kommt hinzu, dass diese manchmal dermassen laut sind, dass es dem Zuschauer absolut unmöglich ist, auch nur ansatzweise zu verstehen, welchen verbalen Austausch sich die Protagonisten liefern. Es ist aber auch egal, denn die Dialoge sind belang- und orientierungslos.

„Birdemic – Shock and Terror“ ist definitiv der mit Abstand billigste und schlechteste Film aller Zeiten. Finanziert wurde diese visuelle Tortur selbstverständlich von Mr. James Nguyen, welcher nach wie vor überzeugt ist, ein ganz passabler Filmemacher zu sein. So hat er – nachdem das Sundance Festival unverständlicherweise (#justkidding) Birdemic nicht in sein Programm aufgenommen hat – das Marketing selbst in die Hand genommen. Kurzerhand hat der liebe Herr ausgestopfte Vögel auf sein Auto montiert, mit roter Farbe übergossen, BIDEMIC (jep, er hat sogar das Plakat seines eigenen Films verkackt) auf ein A3-Blatt gekritzelt, diese „Plakate“ auch auf seinen fahrenden Untersatz geklebt und anschliessend, mit einem Megaphon bewaffnet, am Sundance-Festival Guerilla-Marketing betrieben. Ein sehr aufschlussreiches Video von VICE rund um die Produktion von “Birdemic – Shock and Terror” inkl. Guerilla-Marketing-Nguyen-Style gibt es hier reinzuziehen:

Die Hartnäckigkeit und Sturheit mit welcher James Nguyen sein Filmprojekt durchboxte, als Unternehmer, Autor, Regisseur und Produzent notabene, muss gelobt werden. Dennoch ist sein Passionsprojekt komplett meschugge und in allen Aspekten völlig dilettantisch. Doch ist es genau das, was den Streifen so faszinierend macht. Wäre Nguyen ein besserer Filmemacher oder hätte sowas wie eine Ausbildung genossen, hätte “Birdemic” den Sprung nie über die unzähligen SyFy-Creature-Features geschafft.

Fazit:

Einfach “craptastic”. Miese Effekte, mieses Schauspiel und eine fachliche Ungeschicklichkeit die ihresgleichen sucht. “Birdemic” muss gesehen werden. Schlimmer geht’s nimmer. (Sogar die vermeintliche Fortsetzung ist eine Spur professioneller.)

The Best Worst

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One thought on “Rezension: Birdemic – Shock and Terror

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