Kurz:
Killerbunny goes mad?
Lang:
Der unfreiwillige und unsympathische Antiheld Jack schlurft als erfolgloser Spielzeugdesigner, der noch bei seinen Eltern wohnt, antriebslos und demotiviert durch sein Leben, welches er ohne Kontrolle von sich hin plätschern lässt. Als die an beim Ausrichten seiner infantilen Geburtstagsparty durch skurille Unfälle völlig unerwartet das Zeitige segnen, beschliesst er, endlich erwachsen zu werden und mistet als Erstes gleich mal sein Kinderzimmer aus. Mit diversen anderen Gegenständen wandert auch sein bester Kamerad aus Kindertagen in den Keller. Benny jedoch denkt gar nicht daran, seinen Jack im Stich zu lassen und in einer Plastikbox im Keller zu verstauben. Kurzerhand erwacht er zum Leben und befreit sich aus dem Keller, um fortan immer an der Seite von Jack zu sein und ihn aktiv vor allen Gefahren zu beschützen. Unter «beschützen» versteht Benny allerdings meist die radikalste Lösung: nämlich umbringen! Und der Kuschelkiller sieht in allen möglichen Menschen schnell mal eine Gefahr wenn sie «seinem» Jack nicht komplett wohlgesonnen sind. Mit der immer gleichen Grinse-Miene metzelt der Killerbunny brutal alle nieder, die ihm nicht passen. So präsentiert er Jack jeden Mord frisch-fröhlich, mit der Erwartung dass sich dieser über die unerwartete «Hilfe» freut. Als sich die Leichen stapeln, muss sich Jack eingestehen, dass Benny stoppt werden muss. Doch der verschmähte Benny ist zutiefst enttäuscht und wendet sich nun gegen seinen ehemaligen Freund aus Kindertagen und die, die ihm beistehen…
Muppetshow?
Ex-Stoffkuschler Benny schaut so penetrant fröhlich drein, dass es gerade in den Kill-Szenen schon fast verstörend-skurill unheimlich wirkt. Denn anders als Killerkollege Chucky, verfügt Benny über keinerlei Mimik und kann nur die wenigen, in seinem Sprachchip einprogrammierten Sätze wiedergeben um sich auszudrücken. Auch seine Bewegungen sind eingeschränkt, so kann er beispielsweise keine Faust ballen, um die jeweilige Mordwaffe zu halten – sie sieht aus, wie magisch-magnetisch an der Innenseite seiner Hand haftend. Da helfen auch die mittels CGI-Effekten erzeugten Hechtrollen aus dem Stand wenig. Ob speziell die Mimik nun aus Budget- oder Stilgründen so gemacht wurde, sei dahingestellt, die Killerpuppe erscheint so nur noch unheimlicher. Benny legt hier den gleichen skrupellos-radikalen Beschützerinstinkt an den Tag, wie Kathleen Turner als mordende Mutter in Serial Mum (1994). Auch sie sieht buchstäblich rot, wenn jemand in ihren Augen ihre Familie kritisierte oder gar bedrohte. Das rationale Denken ist passé, lang lebe das radikale Denken! Als wäre die (gute) Mum an unseren Killerhasen angelehnt, hatte auch sie stets ein fröhliches Grinsen im Gesicht und werkelte nach getanem Mord gerne in der Küche weiter. Reines Puppentheater ohne Menschen, aber umso mehr Blut kennen Genrefans aus der bitterbösen Muppetshow-Parodie Meet the Feebles (1989) von Peter Jackson, welcher aber auch eine Menge Ironie und böse Anspielungen auf das Showbiz und deren Akteure beinhaltete.
Regisseur und Hauptdarsteller Karl Holt hat in den Film zahlreiche Referenzen eingebaut, welche den Genre-Grössen des Horrorgenre der letzten Jahrzehnte huldigen. Teils amateurhafter Schauspielerei und Storylücken zum Trotz hat hier er hier seine ganze Leidenschaft und mehrere Jahre seines Lebens rein gesteckt, was man dem fertigen Film auch ansieht. Holt drehte zuvor den Kurzfilm Eddie Loves You (2006), welcher auf der gleichen Idee basiert und auf diversen Filmfestivals gefeiert wurde. Dieses Konzept wurde daraufhin zu einem kompletten Spielfilm ausgebaut. Benny Loves You will nicht als einfach aufgegleister Horror mit dunklem, leicht skurillem Humor und einer schrägen Hauptfigur gelten, hat andererseits aber auch keine sichtbare Message für den Zuschauer parat. Die (menschliche) Hauptrolle hat Holt nach eigenen Angaben nur aus Budgetgründen übernommen und sich im Verlaufe der Produktion so ganz nebenbei auch noch das Komponieren beigebracht um den Sound selbst zu schreiben. Sein grösster Wunsch für ein nächstes Filmprojekt wäre demzufolge auch eine grössere Crew und ein Produzent. We hear you, Karl!
Zeit, erwachsen zu werden!
Der Regisseur und Hauptdarsteller zeigt anhand seiner Figur eine Ode ans Erwachsenwerden, wenn Spätentwickler und Faulpelz Jack, bis anhin in seiner Adoleszenz gefangen, gegen seinen Willen urplötzlich Reife und Verantwortungsbewusstsein zeigen muss, da auf einmal Benny ständig um seine Aufmerksamkeit buhlt und gleichzeitig in Zaum gehalten werden muss. Das geht anfangs ganz gut – denn von den ersten Kills profitiert Jack noch und arrangiert sich mit der bizarren Situation. Benny ist also happy wie zu Jack’s Kindertagen. Die emotionale Bindung von Jack zu Benny aus Kindertagen verkompliziert das Ganze, als Jack sich endgültig gegen Benny stellt, verwandelt sich dessen Zuneigung in Hass.
Der Film nimmt sich ansonsten nicht sonderlich ernst, sondern lässt literweise Kunstblut spritzen, Latexkörperteile und Innereien liegen herum und sogar Stopfwatte – denn wenn er es für nötig hält, schlitzt Benny im Gegensatz anderen Killerbäbis auch seine Plüschkollegen auf! Trotzdem huldigt der Film nicht nur den ganzen legendären Horrorfilmen wie z.B. Texas Chainsaw Massacre (1974), sondern auch den mordenden Spielzeugen und Puppen der Filmgeschichte und die steigerten ihren Bekanntsheitsgrad im Genre ja reichlich!
Fazit:
Benny loves you bietet herrlich schräge Unterhaltung für Plüschtier-Hasser und solche die es noch werden wollen. An Peter Jackson’s erwähnten Muppet-Klamauk kommt der Film nicht ran, kann aber mit seiner Bösartigkeit locker anderen Killerkollegen wie Chucky das Wasser reichen.
Alles in allem ein sehenswertes Puppentheater mit einer Prise schwarzem englischen Humor und Splattereffekten welches bis zum Schluss unterhält.
