Kurz:

Aliens als Kommunikationsexperten.

Lang:

Denis Villeneuve ist ein Meister seines Fachs. Der Kanadier, welcher spätestens 2017 als Regisseur von “Blade Runner 2049” der Masse bekannt werden dürfte, liefert mit „Arrival“ bereits jetzt den ultimativen Beweis ab, dass das Sequel zum Sci-Fi-Klassiker aus dem Jahre 1982 in besten Händen ist. (Sofern ihn die Studiobosse dann auch machen lassen).

“Incendies”, “Prisoners”, “Enemy”, “Sicario” – alles Filme, welche durch ihre Inszenierung und ihr Storytelling fesseln, mit durchs Band weg grandiosen Schauspielleistungen auffahren und sowohl visuell als auch inhaltlich begeistern. Gleiches gilt für sein aktuelles Machwerk.

Mit „Arrival“ liefert Villeneuve ein Feuerwerk an visuellen Ideen ab, fordert die Zuschauer zum Nachdenken heraus, berührt nachhaltig und erfindet nebenbei auch noch eine neue Sprache. „Arrival“ misst sich locker mit seinen beiden bisher besten Werken, aus unserer Sicht „Enemy“ und „Incendies“, und beweist, dass der Regisseur definitiv in Hollywood angekommen ist.

Wie schon in seinen vorhergehenden Filmen, brillieren die Schauspieler, allen voran Amy Adams läuft zur Hochform auf. Adams, welche bald in einem weiteren cineastischen Meisterwerk auftauchen wird (“Nocturnal Animals”), legt in “Arrival” auszeichnungswürdige Arbeit ab. Sie spielt die Sprachwissenschaftlerin Louise Banks, welche von der US-Armee an Bord geholt wird, um mitzuhelfen, die Beweggründe der Alien-Invasion zu verstehen. Ihre Aufgabe: die Sprache der Aliens übersetzen. Ihr Mittel:  face-to-face Interviews. Warum sind die Aliens hier? Was wollen sie von uns? Antworten müssen her. Und zwar lieber gestern als heute, denn die Menschheit dreht wegen der intergalaktischen Niederkunft komplett ab. Plünderungen sind noch das kleinste Problem.

Wer bei Stichwörtern wie Aliens und UFOs einen weiteren, hirnlosen “Independence Day”-Blockbuster erwartet, kann sich ruhig anderweitig umsehen. „Arrival“ ist definitiv KEIN Action-Spektakel, im Gegenteil, der Streifen ist seeeeeeehr ruhig, und dennoch zum Fingernägel-kauen spannend. Es stehen keine Weltraum-Schlachten im Mittelpunkt, sondern Sprache, Kommunikation und politische Beziehungen. Die zwölf UFOs, hier Muscheln genannt, welche der Erde einen Besuch abstatten, haben sich auf der ganzen Welt verteilt. Strategisch? Zufällig? Um dies herauszufinden, müssen die einzelnen Länder miteinander arbeiten. Die Länder Australien, UK und China stehen besonders im Fokus. Letzteres hat durch seine Konfrontationsgier eine wichtige Schlüsselfunktion im Film. Herrlich zu beobachten, wie die einzelnen Staaten auf ihre Art und Weise mit der Invasion umgehen und es Villeneuve schafft, den Fokus zwar auf die in Amerika stationsierte Raummuschel zu legen, aber dennoch den Streifen global zu denken.

Neben den überragenden Arbeiten von Villeneuve und Adams fallen Jeremy Renner, Michael Stuhlbarg und Forest Whitaker ziemlich flach. Degradiert auf Nebenrollen erfüllen sie aber ihren Hauptzweck und stehen Adams als solide Sparing-Partner zur Verfügung. Besonders Renner gefällt aber mit einem wohldosierten, reduzierten Auftritt.

Wer Haarspalterei betreiben will, findet auch in fast perfekten Filmen, den einen oder anderen Kritikpunkt. So ist die Geschichte an manchen Stellen fadenscheinig, manchmal regelrecht unglaubwürdig und der CGI überzeugt nicht an jeder Stelle. Doch das sind marginale Punkte, welche das Kinoerlebnis im Ganzen nicht merklich trüben.

Fazit:

„Arrival“ hat Award-Potential. Nominationen für “Best Actress”, “Best Director” und “Best Picture” wären nicht überraschend. Und verdient.

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One thought on “Rezension: Arrival (2016)

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