Kurz:

Blinded by the headlights.

Lang:

Nach einem imposanten Karrierestart mit Monster’s Ball wurde der junge Regisseur Marc Forster zum Garant kleiner und äusserst hervorragender Filme. Einer Welle von Erfolgen folgte der brachiale Karrierestop mit einem verkorksten James Bond. Nun scheint Marc Forster mit seiner Hollywood-Achterbahnfahrt an einem Neustart angekommen.

Mit All I See is You hat Forster ein kleines Kammerspiel auf die Beine gestellt. Gina (Blake Lively) und James (Jason Clarke) leben in Bangkok. Jahre zuvor hat Gina als Folge eines Autounfalls das Augenlicht verloren. James macht irgendetwas mit Zahlen und Excel-Tabellen und Gina verbringt ihren Alltag als blinde Gitarrenlehrerin. Doch es gibt noch Hoffnung. Denn ein innovativer operativer Eingriff soll es ihr ermöglichen wieder sehen zu können. Die darauf folgenden Veränderungen und gemächliche Emanzipation aus dem zuvor herrschenden Abhängigkeitsverhältnis haben gravierende Konsequenzen für die Beziehung der beiden Expats.

Mit einer betörend facettenreichen Darstellung der erblindeten und verblendeten Gina spielt Blake Lively alle an die Wand. Auch optisch hat Marc Forster als Regisseur und Co-Screenwriter ein Narrativ gesponnen welches durch visuelle Manifestationen des “inneren Auge” von Gina überwältigend schön verpackt ist. Hier befindet sich Forster auf stilsicherem Terrain, haben doch die meisten seiner Filme bisher stets eine spannende Optik vorweisen können. Jedoch stellt genau diese in All I See is You ein Problem dar, denn sie erhebt damit den Film auf ein visuelles Niveau mit welchem es sein Inhalt nicht aufnehmen kann.

Hinter der visuellen Verblendung befindet sich ein pseudo-emanzipatorisches Psychodrama mit einem enervierend gradlinigen und vorhersehbaren Plot.  Spätestens in der letzten halben Stunde suhlt sich der Film in mühsamen Stereotypen. Der Film spricht zwar spannende Themen an, kann sich jedoch nicht entscheiden ob er ein Erotic-Thriller, Mystery Film, Kunstprojekt oder eine 0815 Lifetime Paarromanze sein will.  So wird auch die zu Beginn bestechende bildliche Poesie ohne genügenden Inhalt leider sehr schnell zu unsäglichem Kitsch.

Fazit:

Marc Forster versteht es noch jedem narrativen Paket eine hübsche visuelle Schlaufe umzubinden. In All I See is You genügt dies leider nicht. Der Plot beschreibt die emanzipatorische Entwicklung seines Hauptcharakters mit so vielen mühsamen Klischees, dass spätestens in der zweiten Halbzeit die Nerven beim Publikum blank sind. Blake Lively gibt ein äusserst versiertes und bestechendes Spiel, doch ist dies nicht genug um über die Schwächen eines Filmes hinwegzutäuschen der bis zum Schluss nicht entschieden hat was er sein will.

 

 

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