Kurz:

Ein eiskalter Auftragskiller, der seine Aufträge stets wie Unfälle aussehen lässt. Was ihn jedoch nicht kalt lässt, ist als jemand aus seinem nahen Umfeld ermordet wird.

Lang:

Auch die KULTMOVIEGANG kann nicht rund um die Uhr im Kino hocken, um die neuesten Machwerke zu sichten. Denn die Kinos machen – im Gegensatz zu uns – auch mal Feierabend. Als Notbehelf gibt’s deshalb immer mal wieder Filme, die gestern im Kino zu sehen waren und heute als DVD/BD/VOD Wiederauferstehung feiern. Auch wenn man, wie bei diesem, in den meisten Onlineshops erst mal seeehr weit in den Neuheiten nach unten scrollen muss, um ihn überhaupt zu entdecken. So war es der Fall bei «Accident Man».

Mike Fallon ist ein Auftragskiller, der berühmt ist für seine “Spezialität”: Er lässt seine Morde wie unglückliche Unfälle aussehen. So wird das Gesetz doch gleich weniger misstrauisch und damit auch weniger lästig. Gleiches gilt für die sensationsgeile Boulevardpresse, die ihn nicht im Fokus behält und stattdessen wieder wie gewohnt über Politik und Wirtschaft herzieht. Gewissensbisse kennt Fallon jedenfalls nicht; er sieht in seinen Opfern nicht Menschen, sondern das neue Motorrad, dass er sich mit dem Verdienst leisten wird. Nichtsdestotrotz gibt’s auch für Mike und seine Kollegen einen Kodex mit unumstösslichen Regeln, der von einem ominösen Mentor aufgestellt wurde:

  1. Zeige keine Emotionen!
  2. Mische dich nicht in fremde Angelegenheiten ein!
  3. Lass dich nie erwischen (Logo, das wäre ja wohl das Ende des gutbezahlten Killerlebens)!

Wie wir aber bereits aus Filmen wie z.B. The Transporter lernten, sind Regeln da, um gebrochen zu werden. Wo bleibt sonst der Film-Spass? Nach getaner Arbeit überlistet Mike sein Post Mord Syndrom (=PMS) – selbst der Humor des Films killt – für gewöhnlich in einer x-beliebigen Bar, wo er Schläge an Fremde verteilt, die ziemlich Dreck am Stecken haben. Bei diesen Keilereien entdeckt man, wie exzellent die choreografierte Kampfszene aussehen, welche beinahe künstlerisch anmuten, weil sie äusserst sorgfältig nachbearbeitet wurden. Nach einer deftigen Prügelei fühlt man sich doch gleich viel besser! Vorausgesetzt, man geht als Sieger hervor. Als Mike erfährt, dass seine Ex-Freundin ermordet aufgefunden wurde, geht es ihm schlagartig nicht mehr so gut. Denn seine grosse Liebe war die einzige Person, die ihm je etwas bedeutet hat. Der Mord an ihr scheint die Handschrift seines Arbeitsgebers zu tragen. Aus Rachedurst verdächtigt er seine Arbeitsgspändli und legt sich mit diesen an. Wie einem Arcade-Game knöpft er sich einen nach dem anderen vor. Doch auch die haben ihre einzigartigen, fatalen Spezialfähigkeiten.

Schön choreografierte Kampfszenen gehören, wie oben bereits erwähnt, zu diesem Film wie der Tod zu Mike. Allerdings sind diese auch in der dunkelsten Gasse etwas zu perfekt ausgeleuchtet. Die Charaktere wirken allesamt überzeichnet und stereotypisch; man merkt auch hier deutlich, dass der Comic von Pat Mills & Tony Skinner als Vorlage diente. Ausser Mike verrät einem nur eine weitere Figur ihre persönliche Hintergrundgeschichte. Und die dient lediglich dazu, um die etwas dünn aufgetragene Story einzuleiten und die Anfänge von Mikes Karriere aufzuzeigen. Aberwitzig wird hierbei auch der allererste Mord von Teenie Mike dargestellt. Als Jugendlicher erlebt man eben nicht nur ein “erstes Mal”!

Sehr gut ist hingegen die ruhige Kameraführung, die trotzdem immer präzise den Kämpfenden zu folgen vermag und die passenden, taffen Kommentare aus dem Off. Bei den Kampfszenen wurde bewusst, wie erwähnt, wenn immer möglich auf digitale Effekte verzichtet und Scott Adkins drehte alle Fights selbst, was ja in der heutigen, digitalen Ära fast schon als Mutbeweis gilt. Dass in «Accident Man» ausschliesslich unbekannte Schauspieler agieren, soll den Action-Genuss nicht stören.

Fazit:

Accident-Man-Mike haut dank umwerfender Kampfkünste zwar alle seine Kontrahenten weg, jedoch reicht es dann nicht dazu, das Filmpublikum auch noch vom Hocker zu hauen. Die bereits erwähnte dünne Story lässt den Film länger erscheinen, als er eigentlich ist. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass vieles vorhersehbar ist. Dank der Kampf- und Actionszenen bleibt man dann aber doch dran. Der Film ist sauber geschnitten und seine Aufmachung als Ganzes erinnert fast etwas an Smokin’Aces. Jedoch spielt «Accident Man» in der tiefqualifizierten, aber unterhaltsamen B-Movie-Kreisliga.

 

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