Kurz:

„I’m the blast from the past!“ – No more words needed.

Lang:

Im einer nicht allzu weit entfernten Zukunft, im Jahr 2036 entkommt ausgerechnet der gewalttätige Supergangster Simon Phoenix (Wesley Snipes) den man eigentlich wegen möglicher Resozialisierung aus dem kryogenischen Kälteschlaf geholt hatte, vorzeitig aus dem Gefängnis. Die Metropolregion San Angeles, welche durch ein gewaltiges Erdbeben und die Zerstörung durch Santa Monica entstand, hat sich in der Zwischenzeit zu einem friedlichen und sauberen Idyll gewandelt, welches die grossen Probleme der 90er Jahre wie Umweltverschmutzung, Armut und Kriminalität nicht mehr kennt. Als schwerste Untaten gelten nun durch Roboter gesprayte Graffitis und öffentliches Fluchen. Denn auch Schimpfwörter, Rockmusik, Benzin und fleischliches Essen wurden als schädlich eingestuft und somit verboten. Es herrscht also das friedliche, freundliche, fröhliche pure Gegenteil von allen anderen dunklen hochtechnologisierten Cyperpunk-Welten, wie sie ansonsten in anderen Filmen gezeigt werden. Aber ganz ehrlich: in diese hätten ja auch der träfe Humor und die ganzen nicht ernst gemeinten Anspielungen nicht reingepasst! Als Simon Phoenix in dieser fast schon sterilen, neuen Welt losschlägt und gleich nebst knackigen, trockenen Sprüchen auch für die ersten Murder-Death-Kills sorgt (so werden diese vom Polizeicomputer auch Code 187 oder trocken „unnatürlicher Lebensabruch“genannt…) greift die völlig überforderte Polizei auf den ebenfalls im Kryo-Strafvollzug eingefrorenen Cop John Spartan (Sylvester Stallone) zurück. Der ist nur im Eisknast gelandet, weil Phoenix es schaffte, ihm bei seiner Festnahme im Jahre 1996 eine Mitschuld für die zu Tode gekommenen Geiseln anzuhängen. Der Cop aus dem Eis brennt also für die Jagd auf Phoenix, ist von den Gepflogenheiten der Zukunft allerdings erstmal verwirrt und genervt.

Die Namen der Hauptcharaktere Phoenix und Spartan lehnen sich an Figuren aus der Weltgeschichte an. Auch der Nachname der Polizistin Lenina Huxley (Sandra Bullock). welche Spartan als glühender Fan der 90er Jahre nur zu gerne begleitet und unterstützt, wurde nicht grundlos von einer bekannten Persönlichkeit inspiriert: Aldous Huxley, ein britischer Schriftsteller. Phoenix verweist sogar mit seiner schnippischen Bemerkung „Was für eine schöne neue Welt“ auf den bekannten dystopischen Roman „Schöne neue Welt“ im Original „Brave New World“ des Schriftstellers. Natürlich handelt dieser ebenfalls in einer hochmodernen und hochkontrollierten Welt der Zukunft – sonst würde die Ironie ja nicht tief genug gehen! Wers gerne weniger tiefgründig mag, wird sich trotz mehreren Referenzen auf dieses Buch beispielsweise ab Stallones Augenrollen freuen, als dieser von der Schwarzenegger-Bibliothek erfährt. Ein Seitenhieb auf seinen grössten Kontrahenten in Hollywood und seine politische Ambitionen. Denn Arnies politischer Werdegang führte im Film offensichtlich viel weiter als in der Realität, nämlich bis zum US-Präsidenten! Armer Sly…

Da Schusswaffen in einer friedlichen und harmonischen Welt natürlich nur noch als Ausstellungsstücke im Museum existieren, treffen die beiden 90er Jahre-Kampfmaschinen dort erstmals aufeinander um sich der Exponate zu bemächtigen. Neuzeit-Cop Lenina Huxley (Sandra Bullock) ist mit den Schiessereien und Wortgefechten aus alten Machosprüchen zwar erstmal überfordert, hilft Spartan dafür aber mit Informationen tatkräftig. Als die beiden auf Untergrundkämpfer Edgar Friendly und seine hungernden Gefolgsleute treffen wird bald klar, dass auch in der neuen Welt nicht alles perfekt ist und der selbsternannte Heilsbringer Cocteau ein doppeltes Spiel treibt. Auch im erwähnten Roman „Schöne neue Welt“ wird eine augenscheinlich perfekte Gesellschaft übrigens schliesslich von ihrer Vergangenheit eingeholt. Wohl deshalb liess man mehrere oberflächliche Bezüge in den Film einfliessen. Denn abgesehen davon bietet Demolition Man nicht viel Tiefe – obwohl man vom heutigen technischen und politischen Standpunkt her Diverses wild interpretieren und ableiten könnte – sondern vor allem als eine Plattform für die beiden damaligen Superstars Sylvester Stallone und Wesley Snipes, welche ihr Übriges zur perfekt inszenierten Action beitragen. Snipes führte übrigends als Träger des schwarzen Gürtels alle Kampfszenen selbst aus. Da seine Bewegungen zu schnell für die Kameras waren, mussten einige Szenen wiederholt und passend zusammengeschnitten werden.

Käuflich: Das Mysterium von morgen für die Toiletten von heute: Wie benutzt man nur die drei Muscheln??

Fazit / Simon says:

Demolition hat sich trotz des geringem Bekanntheitsgrad bei seiner Erscheinung zu einem bekannten Action-Klassiker mit Ironie und Witz gemausert. Die makellosen Spezialeffekte wirken drei Jahrzehnte später noch wie frisch aufgetaut und überzeugen. Snipes und Stallone harmonieren als Filmgegner, das originelle Produktdesign passt zur sauberen Morgen-Welt. Ein runder, geschmeidiger Actionkracher bei dem einfach alles passt.

Demolition Man (1993) – Trailer (youtube.com)

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