Kurz:

37 Jahre bis zur Rache.

Lang:

Wer Miami Connection, 9 Deaths of the Ninja oder Death Wish 3 gesehen und geliebt hat, wird diesen Martial-Arts-Film verschlingen. Schon die Synopsis verspricht beste B-Movie-Unterhaltung:

Nachdem die schwangere Freundin des Filmhelden John Liu von einer Gruppe Kleinkrimineller niedergestochen wird, nimmt dieser in bester Superheldenmanier das Gesetz selbst in die Hand und rächt sich als Ninja an den Verantwortlichen. Dabei gerät er nicht nur in Schwierigkeiten mit der Polizei, sondern deckt auch einen Ring von Frauenhändlern auf. Von der Bevölkerung – primär von den Kindern New Yorks – wird er als Retter der Stadt gefeiert. Nicht zu vergessen, dass sein Gegenspieler über übernatürliche Kräfte verfügt.

Der Film kommt als billige, aber unterhaltsame Produktion daher, die bestens in jede 80s-Videotheke passt. Und das in jeder Hinsicht. Die Darsteller sind zwar ausgebildete Kampfsportler, aber auch höchst untalentierte und hölzerne Schauspieler. Die Kleidung im Film wirkt so unpassend und amateurhaft, dass man glaubt, die Kostümbildner hätten nur zwei Kisten aus dem Fundbüro und Klebeband zur Verfügung gehabt. Dies und vieles mehr sorgt dafür, dass „New York Ninja“ alle Zutaten für einen Best-Worst-Gua-Bao erfüllt.

Was ziemlich schnell auffällt, ist die Synchronisation; keine Lippenbewegung scheint zum gesprochenen Wort zu passen. Es sieht aus wie ein taiwanesischer Actionfilm, der billig ins Englische synchronisiert wurde. Aber das ist nicht der Fall. Denn der Film wurde in den USA gedreht und postproduziert. Mit dem kleinen, aber wichtigen Detail, dass „New York Ninja“ 1984 gedreht wurde und die Postproduktion 2021 stattfand. Richtig gelesen.

Der ursprüngliche Film konnte in den 80er-Jahren wegen finanzieller Turbulenzen nicht fertiggestellt werden. Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren. Geschichte wurde zur Legende, Legende wurde Mythos und 37 Jahre lang wusste niemand mehr um den Film, bis die Filmrolle mit den Originalaufnahmen eines Tages im Filmarchiv der grandiosen Film-Restaurateuren und B-Movie-Conaisseuren Vinegar Syndrome auftauchte. Ohne Drehbuch. Ohne Ton. Nur eine Rolle Negativfilm. Kurtis Spieler, hauptberuflicher Restaurateur bei eben diesen Vinegar Syndrome macht es sich zur Aufgabe, als Regisseur Nummer 2, den Film zu sezieren, von Grund auf neu zu interpretieren und für eine Veröffentlichung vorzubereiten. Mit Erfolg.

Dabei beweisen Spieler und sein Team sehr viel Verständnis und Feingefühl für Kack-Kampfsport-Kunstwerke der 80er: Der Film wurde nicht mit komödiantischen Elementen aufgepeppt und dadurch ins Lächerliche gezogen, sondern wirkt authentisch. Zudem ist die neu zusammengeschusterte Geschichte unterhaltsam und völlig absurd. Wunder lassen sich nicht einfach so vollbringen, so wie sich Mountain Dew kaum in Wein verwandeln lässt. Aber die unpassend-passenden Synchronsprecher und die elektronischen Kompositionen des Ensembles Voyag3er passen wie das Schweissband zum Vokuhila. Man darf sogar vermuten, dass “New York Ninja” kunstvoller und besser ist, als wenn er im letzten Jahrhundert regulär erschienen wäre. Ein audiovisuelles Vergnügen für Filmmasochist:innen.

Fazit:

Ähnlich wie Dangerous Men ist auch New York Ninja wie ein Phönix aus der Asche des Filmarchivs auferstanden. Ein unterhaltsamer, schlechter Film, den man sich in feuchtfröhlicher Runde ansehen sollte. Ein Meisterwerk der Best-Worst-Restaurierung.

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One thought on “New York Ninja (2021)

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