Peripherie (2016)

Erster August in Zürich. Fünf Schicksale nehmen ihren Lauf. Drei junge Schweizer planen einen Anschlag, einer Polizisten läuft der erste Arbeitstag aus dem Ruder, ein Jäger kämpft mit Existenzängsten, eine junge Ukrainerin überrascht ihren Schweizer Lover und ein verzweifelter Chilene entführt seine Tochter. Das Wort Peripherie bezeichnet den Rand einer Umgebung, im Film „Peripherie“ geht es um Personen am Rand der Gesellschaft und deren Selbstbestimmungs-Kampf. Tönt ambitioniert – ist es auch. Das Kollektivprojekt der Zürcher Kunsthochschule ist ein Episodenfilm, bei welchem sich die Einzelteile bis zum Schluss nicht überschneiden. Dennoch haben es die 15 Filmemacher geschafft ein einheitliches Stimmungsbild zu schaffen, der Streifen ist stimmig und unterhält ohne Durchhänger über die 82 Minuten Laufzeit. Einzelne Episoden funktionieren besser als andere, besonders das Vater-Tochter-Drama überzeugt auf der ganzen Linie. Obwohl „Peripherie“ gut gespielt, die Bildsprache stringent und auch der Soundtrack passend, hätte (noch) mehr Mut zur Hässlichkeit und eine Überlappung der einzelnen Episoden dafür gesorgt, dass der Streifen als Ganzes nachhallt. „Peripherie“ hat das Herz aber am richtigen Fleck und ist nach „Aloys“ ein weiterer Beweis, dass dem Schweizer Film mehr zuzutrauen ist, als sein Ruf hergibt.

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War on Everyone (2016)

John Michael McDonagh meldet sich nach „Calvary“ und „The Guard“ mit einer wahnwitzigen Cop-Komödie zurück. Die beiden Polizisten Terry Monroe (Alexander Skarsgård) und Bob Bolano (Michael Peña) sind alles andere als ehrenwert. Koksend, saufend und fluchend machen sie sich auf Verbrecherjagd und vergessen dabei schon mal, auf welcher Seite des Gesetzes sie eigentlich stehen. Die beiden Dirty Harrys kämpfen sich mit lockeren Sprüchen und noch lockereren Fäusten durch die Unterwelt von New Mexico. Irgendwie lustig, aber irgendwie auch komplett belanglos. Regisseur McDonagh verliert sich in Vulgarität und verpasst es die Zuschauer mit einer originellen Story zu packen. Die servierte Geschichte wirkt diffus und unausgegoren, die Charaktere sind flach gezeichnet und die Action flau. Zwar sitzen einzelne Gags und Skarsgard und Pena harmonieren als Cop-Buddies, doch mehrheitlich hat der Zuschauer das Gefühl, alles in ähnlicher Form schon mal besser und stringenter gesehen zu haben. („The Nice Guys“ anyone?) „War on Everyone“ wäre gerne Kult, tümpelt aber in der belanglosen Mittelklasse und wird wohl bald wieder vergessen sein. Der schwächste Film von McDonagh.

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Bite (2015)

Nachdem wir am ZFF bereits praktisch alle Genres abgedeckt haben, (Blockbuster mit „Deepwater Horizon“, Dokumentarfilm mit „Safari“, Drama mit „Peripherie“ und Comedy mit „War on Everyone“), mussten wir uns zwingend den Abend mit einer Splatter-Gore-Platte versüssen. Mit „Bite“ haben wir uns dann den kanadischen Skandal-Streifen gegeben, welcher anscheinend dermassen blutig sein soll, dass jene Zuschauer an den Vorführungen kollabierten. Um was geht’s? Eine Bachelorette lässt sich in Costa Rica in einem mysteriösen Teich von einem Fisch (?) beissen und mutiert zuhause zu einem schleimigen, eiterigen, aggressiven Monster. Blöd, dass in einer Woche auch noch die Hochzeit auf dem Programm steht. „Bite“ von Regisseur Chad Archibald ist das Paradebeispiel eines Ekelfilms ohne Inhalt. Alle Charaktere bleiben blass und langweilig. In diesem Streifen geht es hauptsächlich darum, die Zuschauer mit platzenden Eiterbeulen, kaputten Fingernägeln und reichlich Schleim, welcher aus allen Körperöffnungen strömt, zu bezirzen. Mehr bietet „Bite“ nicht. Aber wenigstens ist dieser Gore-Faktor ansehnlich. Wenn der Film funktioniert, erinnert er an „The Fly (1986)“ von David Cronenberg, leider funktioniert er mehrheitlich nicht. Wem Ekel-Gore am Herzen liegt, kann bei „Bite“ gerne zubeissen, alle anderen dürfen diesen Streifen getrost übersehen.

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