Almacenados (2015)

Senor Lino (José Carlos Ruiz) ist eine loyale Arbeitsbiene. Seit 39 Jahren arbeitet er als Lagerist. Sein Job besteht darin, in einer verlassenen Lagerhalle Fahnenmaste zwischen zu lagern. Tönt langweilig, ist es auch. Fünf Tage vor seiner Pension taucht sein Nachfolger Nin (Hoze Meléndez) auf, welcher mit jugendlichem Übermut beginnt, die fest eingesessenen Arbeitsabläufe zu hinterfragen. „Almacenados“ ist ein gelungenes Kammerspiel, welches auch regelmässig auf Theaterbühnen aufgeführt wird, und besticht mit sehr trockenem Humor. Zudem zeigt der Streifen von Regisseur Jack Zagha Kababie unsere psychische Abhängigkeit von etablierten Tagesabläufen. Besonders Ruiz brilliert als überkorrekter Arbeiter, welcher mit Aussicht auf seine Pension nicht nur seine Zukunft, sondern auch seine Vergangenheit in Frage zu stellen beginnt. Der kleine, feine mexikanische Film funktioniert auf vielen Ebenen und ist eine köstlich-absurde Tragikomödie für zwischendurch.

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Captain Fantastic (2016)

Viggo Mortensen ist der Captain seinen eigenen Bio-Schiffs, mit an Board, seine sechs Kinder. In einem entlegenen Waldstück zelebrieren die sieben Eremiten den ultra-alternativen Lebensstil, bis der Tod des weiblichen Familienoberhaupts das idyllische Gefüge kräftig durcheinander wirbelt. „Captain Fantastic“ ist ein spezieller Film, welcher unbequeme Fragen stellt und unbeantwortet lässt. Schützt der Kapitän seine Familie oder baut er einen Kult? Wo hört Kinder-Förderung auf und wo fängt Kindesmisshandlung an? Ohne Antworten zu liefern, fokussiert sich der Streifen voll und ganz auf die Dynamik der autarken Familie. Nebst Mortensen, welcher nach „Eastern Promises“ wiedermal beweisen kann, welch toller Schauspieler er doch ist, überzeugt auch der restliche Cast. Besonders hervorzuheben sind die sechs Kinderdarsteller rund um George MacKay, von welchen kein einziger (keine einzige) abfällt. „Captain Fantastic“ ist amüsant, kreativ und rührend, wir verzeihen dem Streifen sogar seine einzelnen Logik-Löcher.

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Zoologiya (2016)

Skurriles aus Russland. Einer Frau in ihren 50ern wächst ein Schwanz. „Zoologiya“ behandelt aber keine Transgender-Fragen, sondern liefert eine Metapher auf die Einsamkeit und den Mut zur Diversität. In schön eingefangenen Bildern zeichnet Regisseur und Drehbuchautor Ivan I. Tverdovskiy die Geschichte von Natasha (Natalya Pavlenkova). Im Job der Prellbock für Kollegen und zuhause die Handlangerin ihrer Mutter, Natasha hat es nicht einfach. Da kommt der Schwanz gerade recht. „Zoologiya“ begleitet die Protagonistin zu ihrer Selbstfindung und ihrer Reise aus dem Abseits. Tragikomisch und mit reichlich Situationskomik ausgestattet, überzeugen nebst der stilsicheren Regie vor allem auch die beiden Hauptdarsteller Pavlenkova und Dmitriy Groshev. Zweiter beschert als Röntgen-Arzt der Schwanzträgerin zwar einen zweiten Frühling, lässt aber seine effektiven Absichten an dieser Romanze nie durchblicken. Trotz entsprechendem Potential, bietet „Zoologiya“ weder Gore- noch Splatter-Momente. Der Streifen ist aber auch ohne cronenbergischem Bodyhorror definitiv einen Blick wert. Wir sind gespannt, was der talentierte Jungregisseur Tverdosvskiy als Nächstes aus seinem Hut zaubert.

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