Kurz:

Bruce Lee Light auf der Suche nach seinem inneren Glanz und der Antwort auf die Frage: „Who’s the master?“.

Lang:

Kennst du diesen Song? 

Klar kennst du diesen 80er-Ohrenschmaus. Doch wusstest du, dass „Rhythm Of The Night“ nur einer von vielen Songs aus dem Soundtrack des Pop-Kung-Fu-Fantasy-Spektakels „The Last Dragon“ war? In der Rangordnung der Tracklist schaffte er es sogar nur auf Platz 7. Vorher dudeln die Synthesizer Perlen wie „7th Heaven“, „The Glow“, „Inside You“ und natürlich dem Theme-Song „The Last Dragon“. Ja, der Soundtrack, respektive „Rhythm Of The Night“ schied den Streifen aus der Melasse der 80er-Flicks aus und verhalf ihm zu seinem verdienten Kultstatus.

Mittendrin, keine geringere als Vanity, welche sogar die weibliche Hauptrolle einnahm. Denise Katrina Matthews, so das eitle Ding mit bürgerlichem Namen, lernte 1980 bei den American Music Awards einen Sänger namens Prince kennen, welcher ihr folgend den Namen „Vanity“ aufbrummte und sie fortan als sein Protegé mit auf Tour nahm. Durch ihr provokantes und laszives Auftreten wurden auch Filmemacher auf die Kanadierin aufmerksam und trotz offensichtlich fehlendem Schauspieltalent, wurde sie durch jene 80er/90er-Perlen gereicht. „Never To Young to Die“, „Action Jackson“ und eben „The Last Dragon“ gehören zu den bekannteren Titeln. 

Ja, die Musik ist in diesem Streifen omnipräsent. Kein Wunder, den der Produzent war kein geringer als Berry Gordy. Gründer des legendären Labels „Motown Record“ und Ziehvater von The Jackson FiveLionel Richie, Stevie Wonder und Diana Ross. Entsprechend fliesst der Funk und Pop hier förmlich durchs Zelluloid. „The Last Dragon“ wurde vielenorts auch als „Berry Gordy’s The Last Dragon“ vermarktet, ganze zehn Songs werden in 109 Minuten auf die Zuschauer respektive Zuhörer losgelassen. Manchmal auch in mehrfacher Ausführung. Und das meist in voller Länge. Wir empfehlen, den Streifen unbedingt mit englischen Subs zu gucken, denn so steht einer grandiosen Karaoke-Party nichts mehr im Weg. Zeilen wie …

It’s time to leave my nest where you were born
This journey you must make alone.
(Spread your wings and fly)
There’s a power deep inside you, an inner strength
You’ll find in time of need.
(The Glow)

((aus „The Last Dragon“)) oder

Get the glow, Get the glow, Get the glow, grow.
Everybody knows that you need the glow,
You need the glow, the glow to grow.

((aus „The Glow“. Natürlich))

… müssen einfach lauthals mitgesungen werden – und hätten auch mit ihrem Pathos in „The Room“ ihren Platz verdient. Nett, sind die Songs nicht nur Beigemüse, sondern haben die Aufgabe, Charakter und deren Quest vorzustellen. Von dem her, aufpassen Leute! Das ärgerliche „Lass-uns-alle-Dialoge-trällern“ (Ja, „Les Misèrables“, ich schau dich an.) fällt glücklicherweise komplett weg, trotzdem geht „The Last Dragon“ auch als Musical durch und würde es verdienen, an Mitternachts-Screenings auf der ganzen Welt abgefeiert zu werden. „Rocky Horror Picture Show“, soll endlich einpacken. Sogar wenn sich der Film dem Ende zu neigt und die Schlusstitel über die Leinwand steigen, ist es unmöglich, frühzeitig Boxen und Beamer abzustellen, denn die Filmemacher spielen nochmals jeden Song an. Inklusive Untertitel zum Mitsingen. Ach wie schön.

„The Last Dragon“ ist nicht nur in Bezug auf die grandios kitschigen Songs eine Retro-Show der Extraklasse. Auch bei den Outfits wurde aus dem Vollen geschöpft. Opulent und kitschig, Ruby Rhod aus „The Fifth Element“ findet hier Seelenverwandte. Auch erinnert das extravagante Setdesign wohlwollend an Perlen wie „Flash Gordon“ , „Back to the Future 2“ und auch die Batman-Reihe rund um Adam West wäre in diesen quietschbunten Kulissen gut aufgehoben.  

An der Seite von Vanity fuchtelt Taimak. Und wie bei Vanity fehlt Taimak nicht nur ein Nachname sondern auch Schauspieltalent. Taimak spielt Leroy Green, von Freunden auch schon mal Bruce Leroy (get it?) genannt, welcher von seinem Master verlassen wird und fortan als wandelnde Schlaftablette, mit überproportionalem Hut bestückt, durch die Gassen New Yorks meditiert. Ja, seine Kopfbedeckung ist grösser als so mancher Regenschirm, was Leroy nicht davon abhält, das Teil auch mal im Kino anzubehalten. (Wenigstens isst er dort seine Popcorn mit Stäbchen.) Taimaks Schauspiel ist beschränkt, sehr beschränkt. Dennoch ist der Junge sympathisch und man wünschte ihm glatt ein bisschen mehr Begabung. Aber abseits der Treterei kommt hier nix. Nada. Nur Fremdscham unserseits. Doch für diesen „Best Worst“-Classic reicht das völlig aus – also eigentlich passt es, wie die Faust aufs Auge. Herrlich, wie er mit stoischer Miene seine auswendig gelernten Glückskeks-Halbweisheiten aufsagt: „Those who are bound by desire see only that which can be held in their hands.“ oder „To seek safety, one must go into the heart of danger.“. Haben wir schon gesagt, „The Last Dragon“ zitierbar?

Und bis jetzt haben wir Sho’Nuff, den Shogun von Harlem noch gar nicht erwähnt. Holyfuckingmoly. Mit explodierter Frisur, dauerrollenden Augen und mit mehrheitlich aus bemalten Eishockey-Ausrüstung bestehenden Outfits stiehlt Julius Carry allen die Show. Wenn sein Sho’Nuff auf der Leinwand erscheint, ist Szenenapplaus sicher. Seine Interpretation erinnert als jene von Chris Tucker aus „The Fifth Element“, nur dass Carry spielt, als hätte er eine Ladung Badesalz intus. Wir wissen woher Nicolas Cage seine Inspiration für grossartiges Overacting her holte. Who’s the master? Sho’Nuff!

„The Last Dragon“ ist inszeniert, wie ein bunter Kindergeburtstag. Auch 6-Jährige hätten ihre wahre Freude daran. In „The Last Dragon“ ist der Humor nie unter der Gürtellinie, Blut existiert nicht und Tote kratzen meist abseits der Kamera ab. Herrlich zuzusehen, wie sich ein Sidekick mittels Break-Dance aus seiner Fesselung befreit (!), sich unser Held als Pizza-Kurier verkleidet Eintritt in den Schurkenhauptsitz verschafft (!) oder er restlos jeden seiner Schläge und Tritte mit „Huaaaa“, „Iiiiieahh“, „Tschschsch“ und anderen Lauten flankiert. Harmloses Filmschaffen, grandioser Unterhaltungswert. 

Um was geht’s überhaupt? Selbstverständlich ist auch die Story dermassen bedeppert, sie gehört hier kurz notiert: Mit Eddie Arkadian ist nämlich noch ein weiterer Schurke im Story-Pot. Arkadian ist irgend ein skrupelloser Tycoon, welcher die 80s-Hit-Show-Moderatorin (Vanity) dazu erpresst, seine piepsstimmige, überdrehte und absolut nervtötende Frau auf den Pop-Thron zu heben. Mittels Music-Video. Jawoll, das war 1985 der Shit und Erfolgsgarant schlechthin. Tja, Vanity weigert sich, Arkadian kiddnappt sie und hetzt Sho’Nuff auf Leroy, welche sich nebenbei auch beide noch darum streiten, wer jetzt „the Glow“ besitzt und demnach der wahre „Master“ sei.  Oder so ähnlich. Auch egal.

Ach ja, William H. Macy ist auch dabei.

Fazit:

Kitschige Popsongs zum Fremdschämen, Dialoge, welche auch aus der Feder Tommy Wiseau’s stammen könnten, eine unbestreitbare Seelenverwandtschaft zu „Miami Connection“, eine Story, abstruser als eine Pressekonferenz im Weissen Haus und passionierte Schauspieler ohne Talent. „The Last Dragon“: wir lieben dich! „Who’s the master?“ „You’re the master!“

 

 

 

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