Kurz:

Wir schreiben das Jahr 2055. Eine Firma mit begnadetem Namen „Time Safari“ schickt stinkreiche Leute mittels Zeitmaschine in die Urzeit um Dinosaurier zu jagen. Dieses scharfsinnige Geschäftsmodel wankt gehörig, als einem tollpatschigen Kreidezeit-Touristen ein Schmetterling an der Fusssohle kleben bleibt. Anschliessend bringen Zeitwellen (ja genau ZEITwellen) allerlei prähistorischen Ärger ins Hier und Jetzt.

Lang:

Was macht einen Film zum Kultfilm? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Entweder der Film ist einfach verdammt unterhaltsam, das Drehbuch sensationell geschrieben und die Darsteller glänzen in ihren Rollen (siehe „Big Lebowski“), die grenzenlose Leidenschaft und Ambition der Filmemacher übersteig deren Talent um Welten (siehe „The Room“) oder das Filmstudio geht mitten in der Produktion pleite, der Film wird aber mit Biegen und Brechen dennoch fertig gestellt (siehe „A Sound Of Thunder“).

Eigentlich war der Release für „A Sound Of Thunder“ per 2002 geplant. Mitten im Dreh ging „Franchise Pictures“ Konkurs. Warner Bros übernahm, wollte aber nicht einfach blind neues Geld reinbuttern1 und entschied sich, mit dem bestehenden Filmmaterial Testscreenings durchzuführen. Diese fielen so vernichtend aus, dass sich das Studio entschloss, ohne finanziellen Zustupf lediglich das zu erfüllen, was vertraglich festgelegt worden war. Und so wurde im 2005 „A Sound Of Thunder“ mit bloss 800 Kopien für nur zwei Wochen in den amerikanischen Kinos gezeigt. Anschliessend verschwand der Streifen aus den Kinosälen.

Zu Unrecht, denn der Film unterhält ungewollt prächtig. Die Effekte, welche unverändert aus den Testscreenings übernommen wurden, könnten genau so gut aus dem Hause von „The Asylum“ stammen. Wenn am Schluss Zeitwellen über die amerikanische XYZ-Metropole schwappen, böse Pflanzen durch den Asphalt schiessen und CGI-Dinogargoylschlangenaffen durch die konfuse Evolutions-DNA-Zeitreisen-Story hüpfen ist der masochistische Zuschauer bestens unterhalten.

Im Vergleich zu allen unsäglichen „Asylum“-Produktionen ist „A Sound Of Thunder“ ambitioniert und der Grosserfolg der Post-„Jurassic Park“-Story mit einkalkuliert. Regie führte Peter Hyams (End Of Days, Timecop, The Relic) und die Schauspieler-Truppe rund um Edward Burns und ähm.. Heike Makatsch wird von Mahatma Gandhi höchstpersönlich angeführt.

Genau dieser Ben Kingsley ist sich ab der absurden Story bewusst, umarmt die Lächerlichkeit der Dialoge herzlich und läuft mit gestutzter Don-King-Frisur zur Höchstform auf. Ein gelangweilter Edward Burns (15 Minutes, 27 Dresses und 56 weitere Flops) versprüht über 100 Minuten ähnlich viel Charisma wie ein Stück Schwemmholz und bei den vielen unsäglichen Aussenaufnahmen, weiss der Zuschauer nicht, ob er sich mehr ab dem armseligen Greenscreen-Einsatz oder den gestelzten Spaziergängen der Protagonisten amüsieren soll.

Fazit:

Auch 10 Jahre nachdem „A Sound Of Thunder“ durch die Hintertür auf die Menschheit losgelassen wurde, macht die Gurke Spass. Denn das Schöne bei unfreiwilligen Kultfilmen: sie werden auch mit den Jahren nicht besser.

rating_4

The Best Worst

1 http://www.spiegel.de/kultur/kino/film-flop-a-sound-of-thunder-mit-den-dinos-kamen-die-traenen-a-490956.html

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