Kurz:

Japan, 1633: Der Jesuit Cristóvão Ferreira will der hiesigen Bevölkerung den christlichen Glauben lehren. Eine schwierige Angelegenheit, da damals alle Christen gejagt und gefoltert werden. Nach langer Tortur schwört er schliesslich seinen Glauben ab und lässt sich in Nagasaki nieder.

1638: Zwei junge Jesuiten erfahren die Geschichte ihres Mentors. Von Zweifeln über dessen Verbleib geplagt, begeben sie sich auf die Suche nach Ferreira.

Lang:

Manch ein Kinogänger erinnert sich vielleicht noch an „The Wolf of Wall Street“. Knappe drei Stunden lang zelebrierte Regisseur Martin Scorsese einen Bilderrausch mit Partys, Drogen und haufenweise Geld. Langeweile kam kaum auf und man verzieh ihm sogar die Glorifizierung des Betrügers Jordan Belfort.

Wer jetzt denkt und hofft, dass Scorsese mit „Silence“ erneut in eine ähnliche Kerbe schlägt, wird bitter enttäuscht sein. Wer von ihm nur „Wolf of Wall Street“, „GoodFellas“ oder „Casino“ toll findet, sollte es gleich sein lassen. Hier gibt es keine Mobster, fetzige Musik und Kameraspielereien.

Religion ist in der Vita von Scorsese omnipräsent. In den meisten seiner Werke spielt sie entweder eine enorm grosse Rolle („Kundun“) oder verbirgt sich im Hintergrund („Shutter Island“). Bei seiner strengen katholischen Erziehung kaum verwunderlich. In „Silence“ setzt er sich nun ausführlich mit Glaubensfragen auseinander.

Es handelt sich hierbei um eine Herzensangelegenheit. Seit 26 Jahren weilte das Projekt im Unterbewusstsein des Regisseurs. Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Shūsaku Endō und wurde bereits 1971 einmal verfilmt. Zudem beruht die Geschichte auf realen Hintergründen, sowohl die Christenverfolgung als auch Pater Ferreira hat es wirklich gegeben. Im Film prallt das christliche Europa in Form der portugiesischen Priester mit dem Buddhismus aus Fernost aufeinander. Bis man die Motivation der Japaner für ihre Taten erfährt, dauert es eine ganze Weile. Obwohl sie wenig ausgeschildert wird, kann man die Sichtweise dennoch verstehen und nachvollziehen. Was man davon halten soll, ist letztlich jedem selbst überlassen. Es wird keine eindeutige Stellung bezogen.

Für die Priesterrollen waren ursprünglich Benicio Del Toro, Gael García Bernal und Daniel Day-Lewis vorgesehen. Sie wurden im Laufe der langwierigen Produktionsphase durch Liam Neeson, Adam Driver und Andrew Garfield ersetzt. Letzterer rückt im Verlauf der Geschehnisse immer mehr in den Vordergrund. Garfield versucht merkbar, aus seinem „Amazing Spider-Man“-Schatten herauszukommen. Das gelingt ihm leider nur bedingt. Seine Gottesfürchtigkeit nimmt man ihm nicht hundertprozentig ab. In „Hacksaw Ridge“ spielt er den Gläubigen überzeugender.

Durch den Fokus auf Garfield wird Adam Driver zum Nebendarsteller degradiert. Sein Talent kommt deshalb nicht ganz zur Geltung.

Immerhin beweist Neeson mit seinem Auftritt, dass er in ernsthafteren Rollen besser aufgehoben ist als in Actiongurken wie „Battleship“.

Auch die japanischen Schauspieler agieren überzeugend. Glaubwürdig vermitteln sie Ehrfurcht, Angst, Freude, Abscheu und viele weitere Emotionen.

Inszenieren kann Scorsese zweifellos immer noch. Oftmals werden karge Landschaften mit Nebelschwaden gezeigt, verlassene Dörfer und Täler erhalten schöne Grossaufnahmen. Die oscarnominierte Kameraarbeit von Rodrigo Prieto ist sehr gelungen.

Einen Soundtrack im eigentlichen Sinne gibt es kaum. Abgesehen von asiatischer Folklore besteht die Tonspur vor allem aus Umgebungsgeräuschen, raschelnde Blätter, tosendem Wasser oder Schmerzensschreien. Dieser Minimalismus fesselt. Doch dem Ganzen fehlt in optischer Hinsicht der letzte Schliff und die Protagonisten sehen trotz ihrer Schicksalsschläge letztendlich ein wenig zu gepflegt aus.

Die Laufzeit von 160 Minuten verlangt viel Sitzfleisch. Ein ambitioniertes, aber auch anstrengendes Mammutwerk.

Fazit:

„Silence“ ist ein Kraftakt, im positiven als auch negativen Sinne. Wer ansatzweise Interesse an religiösen Themen hat, sollte sich den Film ansehen. Er ist nicht als Moralpredigt angelegt, sondern stellt eine tiefe Auseinandersetzung mit den Beweggründen zweier Gegenpole dar. Allerdings ist das mitunter langsam inszeniert und dadurch stellenweise langatmig geraten.

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