Kurz:

Eine 80s-Hair-Metal-Band will in einer abgelegenen Scheune ihr neues Hit-Album aufnehmen, der Teufel höchstpersönlich hat da etwas dagegen. Soviel zu Teufels Affinität zur Teufelsmukke. Halleluja.

Lang:

Der Einstieg zu „Rock n Roll Nightmare“ erinnert an die endlos quälenden Eröffnungssequenzen von „Birdemic: Shock and Terror“ und „Birdemic 2: The Resurrection“.  Nur wird hier nicht herumspatziet, sondern in diesem Streifen kommt der Zuschauer in den Genuss, den Band-Van bei seiner (Autobahn-)Fahrt ins Studio zu bewundern. Ganze fünf Minuten lang. Immerhin besitzt Regisseur John Fasano die Grosszugigkeit, uns vor der gähnenden Anreise in einem kurzen Prolog das erste Gummi-Moster vorzustellen und so das Qualitätslevel von „Rock n Roll Nightmare“ anzuteasen. Aus dem Backofen aus lanciert das unfreiwillig lächerliche Ding seine Attacke auf eine herumschreiende Familie. Na dann. Schade haben die Filmemacher nicht gleich viel Flair und Talent, wie der Protagonist Narzissmus und Selbstüberzeugung. Vorhang auf für Jon Mikl Thor.

Regisseur Fasano hat zwar auch in seinem zweiten (und vorletzten) Streifen sein Herz am rechten Fleck, doch fehlt ihm eindeutigt das Talent seinen Hauptdarsteller zu zähmen. Thor, der Typ heisst wirklich so (!), ist kanadischer Bodybuilder/Historiker/Songwriter/Screenwriter/Actor und versuchte seinem grossen Vorbild Arnold Schwarzenegger nachzueifern. Er wollte, seine erfolgreiche mittelmässige Bodybuilding- und erstaunlich ansehliche Musikkarriere in nachhaltigen Hollywood-Fame ummüntzen. Mit seiner Band „Thor“ veröffentlichte er zwischen 1973 und 1986 acht Alben, mit welchen er sogar auf Welttournee ging.

Mit „Rock n Roll Nightmare“ versuchte er fürs Filmgeschäft eine neue Band namens „The Tritonz“ zu etablieren, doch der Sound ist bestenfalls mittelmässige Metalmukke. Trotzdem hat Thor, der für „Rock n Roll Nightmare“ auch das Drehbuch schrieb, nichts unterlassen, sich als Rock-Gott-Muskel-Model zu inszenieren. Die selbstverliebte Löwenmähne weiss ganz genau, wie sie sich in Szene setzen will. Ganz bescheiden betitelt er sich in diesem Streifen als „Heavy Metal Icon“. Doch der Versuch seiner Band „The Tritonz“ mit diesem Streifen zum Durchbruch zu verhelfen, ist ähnlich ekelerregend, wie der durch Thor geskripte und selbstverständlich auch selbst umgesetzte Zungenschlabber und der Dusche. Seine arme Szenenpartnerin ist offensichtlich angewidert – und wir entsprechend amüsiert. Auch nett, wenn Thor seine weiblichen Statisten zum Song „Wild Life“ eine hemmungslose Abwaschparty feiern lässt oder sie während einer Bandprobe die Band abfeiern, als wäre „We Live To Rock“ das neue „Paradise City“.  

Talentfreie Songs – talentfreies Schauspiel. Wie es sich für einen richtig guten Trash-Film gehört, spielen auch alle anderen Schauspieler auf ähnlich bedenklichem Niveau. Besonders die Bandproben gehören zum Sonderbarsten, was in letzter Zeit über den Bildschirm flackerte. Nicht nur sind die Songs hanebüchen, sondern performen ausnahmslos alle Bandmitglieder asynchron. Der Umstand, dass sie im richtigen Leben wohl noch nie das entsprechende Instrument in den Händen gehalten haben, ist unwiderlegbar.

Doch „Rock n Roll Nightmare“ hat noch viel mehr zu bieten. Satans Handlanger sind Zigaretten rauchende Handpuppen aus Gummi. Die sabbernden Zyklopen sind ähnlich angsteinflössend wie Hauskatzen im Mittagsschlaf und machen Geräusche wie Gizmo auf Acid. Auch Satan selbst ist eine Augenweide. Der Schlusskampf zwischen dem Beast und Jon Mikl-Thor gehört auf den Olymp des Trash. Wie Mikl-Thor auf den satanischen Gummibaum einprügelt, bis dieser hinter einem Zuckerstock das Zeitliche segnet, ist ein Fest für alle Sinne.

„Rock’n’Roll Nightmare“ kann jedem Kult-Film-Liebhaber ans Herz gelegt werden!

The Best Worst

 

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2 thoughts on “Rezension: Rock’n’Roll Nightmare (1987)

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