Kurz:

Fünf Töchter werden in England Anfang 19. Jahrhundert zwangsverheiratet. Dabei müssen nicht nur Intrigen und Missverständnisse überwunden werden, sondern auch Zombies!

Lang:

Ein literarischer Klassiker wird zum x-ten Mal verfilmt. Diesmal tauchen aber lebende Untote auf. Hört sich zwar hirnverbrannt an, klappt aber überraschend gut und passt zum grandiosen trashigen Filmtitel.

Zu Beginn ein kurzer Exkurs zur Vorlage: „Stolz und Vorurteil“, wie der deutsche Titel lautet, ist ein Roman der Schriftstellerin Jane Austen und ist 1813 erschienen. Den meisten Kulturinteressierten dürften jedoch eher die verschiedenen Fernsehadaptionen bekannt sein – und natürlich der Spielfilm mit Keira Knightley. Die ursprüngliche Geschichte befasst sich mit universalen Themen wie Liebe, Intrigen oder den sozialen Umständen jener Zeit. Die Novelle durchleuchtet also sowohl veraltete Themen, wie die Rolle der Frau in der Gesellschaft um 1800, als auch emotionale Aspekte, die wohl besonders (ohne es negativ zu brandmarken) weibliche Leserinnen oder Zuschauerinnen ansprechen.

Doch wie passen hier Zombies rein? Der Regisseur Burr Steers (Igby Goes Down, 17 Again) baut zwar auf der erwähnten Vorlage auf, nur eben, dass die Figuren nicht nur gegen allerlei menschliche Gefühle kämpfen, sondern auch gegen wandelnde Leichen. Ein hübscher Unterschied, denn dieses verwesende Add-On steht der „Pride and Prejudice“-Prämisse gut. So erinnern zwar Kostüme, Inneneinrichtungen und Waffen an die Epoche der Koalitionskriege, doch auch hier gilt: Zombies passen einfach überall. Die Handlung selber spielt in einer alternativen Zeitachse und diese setzt auf ostasiatische Kampfküste, wie beispielsweise Shaolin Kung Fu und Zombies im biblischen Kontext. Gut so.

Trotz der Untoten in „Pride, Prejudice und Zombies“ bleiben viele Elemente der ursprünglichen Geschichte gleich: Charaktere, geographische Gegebenheiten und manchmal sogar die Dialoge. Manche Textpassagen wurden 1:1 übernommen und auf Zombietauglichkeit „erweitert“. So wurde beispielsweise das Zitat „A woman must have a thorough knowledge of music, singing, drawing, dancing, and the modern languages, …“ übernommen, jedoch mit folgendem Satz erweitert: „…She must be well-trained in the fighting styles of the Kyoto masters, and weapons and tactics of modern Europe.“. Diese Upgrades der Originaltexte findet man die ganze Spielzeit über und sie verbinden die aufgeblasenen Dialoge der Urfassung gekonnt mit der surrealen Zombieapokalypse.

Was hingegen nicht (oder jedenfalls dürftig) übernommen wurde, sind Charakterzeichungen und deren Entwicklung. Also eigentlich der Trumpf der Grundlage. Das Ensemble der jungen Darsteller ist zwar mehrheitlich gut gewählt und angenehm anzusehen, jedoch hatten wir weder bei Lily James (Wrath of the Titans, Cinderella) noch bei Sam Riley (Control, Maleficent) das Gefühl, dass sie sich in ihre Rollen entfalten können. Sam Riley gibt eher den stoischen Jogi Löw-Klon als den überheblichen Mr. Darcy. Auch hübsch wäre gewesen, wenn die Badass-Version von Lady Catherine de Bourgh, gespielt von Lena Headey (300, Game of Thrones), eine längere Leinwandpräsenez genossen hätte.

Nichtsdestotrotz hat der Produktionsdesigner gute Arbeit geleistet, denn „Pride and Prejudice and Zombies“ taucht den Zuschauer in eine stimmige Atmosphäre. Auch lobenswert sind die lyrischen Unterredungen, die unpassend zwischen Martialart-Kämpfe und leichtfüssigen Splatter gesetzt wurden. Der Streifen ist schlussendlich zu professionell und ambitioniert, um als „schlechter Film“ durchzugehen. Anderseits ist die Idee zu grotesk und die Geschichte zu dünn, um als „actually good movie“ betitelt zu werden. Was uns jedoch am meisten verwunderte (oder wir vielmehr nicht verstanden haben), waren Szenen, bei welchen wir nicht wussten, ob man lachen darf oder ob sie ernst zu nehmen waren.

Fazit:

„Pride and Prejudice and Zombies“ ist wie ein britischer Nachmittagstee serviert mit Blutwurst und Haggis: Es fühlt sich zwar kultiviert aber auch etwas ungehobelt an. Der Film ist definitiv anspruchsvoller als beispielsweise Warm Bodies, hochstehender als Van Helsing , erreicht jedoch in keiner Sekunde die Dramatik von The Walking Dead. Trotzdem würden wir uns auch auf einen Film von Rosamunde Pilcher, angesiedelt im Tromaville-Lande stürzen.

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