Kurz:

Aliens lassen Tote wiederauferstehen, in der Hoffnung, dass die gammligen Kadaver die Menschheit dann davor bewahren, die Erde in Schutt und Asche zu bomben. Oder so.

Lang:

Endlich hat „Plan 9 From Outer Space“ den Sprung in den Blu-Ray-Player geschafft und die Kultmoviegang zollt dem vermeintlichen Godfather aller schlechten Filme seinen verdienten Respekt. (Asche auf unser Haupt, dass wir überhaupt solange zugewartet haben. Dafür bringen wir den Streifen bald mal ins Kino. Versprochen!)

Edward D. Wood Jr. (kurz Ed Wood) kannte bereits in den 50ern das Geheimrezept um einen schlechten Film unfreiwillig richtig gut zu machen. Mit „Plan 9 From Outer Space“ realisierte Wood 1959 ein ambitioniertes Skript mit Aliens, fliegenden Untertassen, Vampiren und anderen surrealen Zutaten für knappe $ 60’000. So episch die Idee, so masslos die Selbstüberschätzung Wood’s. Aber entsprechend unterhaltsam das Endresultat.

Die Kulissen und Kostüme sind in jedem Kindergarten-Theater realistischer, der Voice-Over und die Dialoge bleiben konfus und einzelne Szenen wechseln im Sekundentakt zwischen Tag und Nacht. Willkommen im „Best Worst“-Kosmos. Es ist herrlich dabei zuzusehen, wie sich die Schauspieler alle Mühe geben, den Weg durch ein absurdes Skript und fragile Karton-Grabsteine zu finden.

Soweit so normales „Best-Worst“-Territorium. Die Würze von „Plan 9 From Outer Space“ liegt aber auf den Nebenschauplätzen. So verstarbt beispielsweise Bela Lugosi tragischerweise während den Dreharbeiten. Wood wollte seinen Busenfreund zum wiederholten Male als Zugpferd einsetzen und hatte zum Zeitpunkt Lugosis‘ Todes erst ein paar wenige, marginale Szenen mit ihm im Kasten (Lugosi geht zur Tür hinaus und riecht an einer Rose, Lugosi nimmt an an einer Beerdigung teil und Lugosi spaziert im Draculakostüm durch Nacht und Nebel). Die paar wenigen Einstellungen reichten Wood aber, um trotz des Todes seines Protagonisten an seiner Filmidee festzuhalten und kurzerhand Tom Mason, den Chiropraktiker seiner Ehefrau, als Lugosis Double zu casten. So kam es, dass der Hauptcharakter von „Plan 9 From Outer Space“ einen grossen Teil des Films seinen Dracula-Umhang dazu benutzt um sein Gesicht zu verdecken und sich damit unkenntlich zu machen.

Selbstverständlich strotzt der Streifen von hölzernem Schauspiel und stockenden Dialogen. Vor allem für Freunde auf der Suche nach vermeintlichen Filmfehlern ist „Plan 9 From Outer Space“ ein Freudenfest. Hier eine „kleine“, unvollständige Auswahl einiger Goofs:

  • Alter Mann läuft links aus dem Bild und wird dort anscheinend von einem heran rauschenden Auto überrollt. Dummerweise bleibt der Schatten des vermeintlichen Unfallopfers stehend im Bild.
  • Wenn Jeff mit seiner Frau Paula spricht, nennt er sie Mona.
  • Die drei Personen, die auf dem Highway die fliegende Untertassen erspähen, zeigen alle in drei verschiedene Richtungen.
  • Muttermale wechseln gerne ihre Position.
  • Die Fäden, an welchen die UFOs herumbambeln sind klar ersichtlich.
  • Polizisten fahren in einem Polizeiwagen los und kommen in einem völlig anderen Auto an.
  • Die Toten blinzeln.
  • Die explodierenden Raketen sind offensichtlich Frauenfürze.

Wüssten wir es nicht besser, man könnte fast meinen, dass sich die neuzeitlichen Best-Worst-Klassiker schamlos und bewusst bei Ed Wood bedient haben. Taktloses Editing (Samurai Cop), Effekte und Kostüme aus der untersten Schublade (Troll 2), offensichtliche Einbindung von Stock-Aufnahmen (Shark Attack 3 – Megalodon) und alles unter der Feder eines selbsternannten Genies (The Room) – „Plan 9 From Outer Space“ war den erwähnten Trash-Filmen bereits 30 Jahre voraus!

Fazit:

Klar sieht man dem Streifen seine bald 60 Jahre an. Wie aber schon „Manos – Hands of Fate“ ist auch „Plan 9 From Outer Space“ ein Zeitdokument und als solches unwiderstehlich. Der Streifen wird zurecht als der Godfather der schlechten Filme abgestempelt und spielt damit in einer eigenen Liga. (Und damit ihr nicht solange wartet, bis ihr euch den Streifen reinzieht, könnt ihr ihn unten in Gänze zu Gemüte führen.)

rating_4

The Best Worst

 

Share This:

7 thoughts on “Rezension: Plan 9 From Outer Space (1959)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.