Kurz:

Die berühmtesten Actiontoys der 80er-Jahre werden mit viel Trash zum Leben erweckt. Mit Vokuhila!

Lang:

Über die famosen Action-Figuren der 80er-Jahre muss man wirklich nicht viele Worte verlieren. Die waren einfach Kult und sind es immer noch. Es gibt ja einige Freaks da draussen, die sammeln die immer noch. Auch noch originalverpackt. Geben dafür viel, viel Geld aus und stopfen ihre Vitrinen voll. Und ja, ich bin auch so einer!

Die Verfilmung einer Spielzeugreihe war in den 80er-Jahren eigentlich überhaupt nicht an der Tagesordnung. Die Franchisen-Vergewaltigung kennen wir erst seit ein paar Jahren. Doch He-Man und die Masters of the Universe waren so erfolgreich in den Kinderstuben, dass man sich entschloss, die Muskelmänner auf die grosse Leinwand zu bringen.

Skeletor, der Herr des Bösen (wirklich cool: Frank Langella) hat es tatsächlich geschafft, die Herrschaft über den Planeten Eternia an sich zu reissen. Das verblüfft schon mal zu Beginn des Streifens. Denn in den Comics oder im Cartoon hat der Skelett-Trottel das nie so richtig hinbekommen. Soger die Zauberin hat er in seiner Gewalt; er triumphiert auf der ganzen Linie. Getreu dem Motto: the Winner takes it all! Doch irgendwie hat er noch nicht genug und will jetzt auch noch kosmische Macht oder so ähnlich aufsaugen, um das ganze Universum zu unterjochen. Das möchte er dann mit der Hilfe eines intergalaktischen Schüssels bewerkstelligen. Davon gibt es aber irgendwie zwei Stück. Und einer davon baumelt ganz cool an seinem Gürtel. Alles klar?

Nachdem die Befreiung der Zauberin so richtig schön ins Höschen geht, können He-Man (Dolph Lundgren mit schicker Vokuhila-Frisur), sein Bro Duncan (jaja, das ist der Man-at-Arms), die nicht wirklich sexy Teela und der Zwerg Gwildor, der einem schon nach kurzer Zeit auf die Eier geht, die Flucht ergreifen. Mit dem Prototypen des kosmischen Schlüssels reisen die fantastischen Vier durch das Universum und landen dann auf der Erde. Dort werden sie mit barbarischen Kuhfressern konfrontiert und lernen neue Verbündete kennen, die einfach nur nerven. Dabei nerven die nicht, weil die keine Superkräfte oder Superduperwaffen haben, sondern weil die Teenies ständig nur am Heulen sind. Werdet mal erwachsen, verdammt!

Warum wir übrigens auf der Erde verweilen? Weil so die Produktionskosten für Cannon Films angenehm niedrig blieben. Eigentlich schade, denn die Szenen auf dem kriegsgebeutelten Eternia sahen schon klasse aus. Düster und abgenutzt. Da wäre man sehr gerne noch länger auf dem Schlachtfeld geblieben. Aber man nimmt halt, was man bekommt. (Apropos Produktionskosten: Cannon hatte bereits fleissig an „Masters of the Universe II“ herumgebastelt, als dann akute finanzielle Probleme es verunmöglichten, ausstehende Zahlungen an Mattel zu leisten. Und weg waren sie, die Rechte am Masters-of-the-Universe-Franchise. Die Produktion wurde eingestellt und Teile des gedrehten Materials sowie Stab, Kulissen und Kostüme wurden für den Film Cyborg verwendet.)

Während die Helden auf dem Planeten Erde herumturnen, gibt Skeletor aber währenddessen keine Party im Schloss, sondern schickt ein paar Söldner los um He-Man und Co. zurückzuholen, angeführt von Evil-Lyn (scharf: Meg Foster). Es kommt zu schicken und auch dümmlichen Kämpfen, die zum Fremdschämen sind und Dialogen, die die Ohren zum bluten bringen. Der Showdown findet dann wieder im Schloss auf Eternia statt, der spektakulär daherkommt. Trotz Plastikanzügen und Gipsstatuen, die da rumgeworfen werden. Die Trash-Party findet hier seinen Höhepunkt.

Randnotiz: Den Helden und Bösewichtern wird regelmässig die Show gestohlen. Der doch sympathische Bulle Detective Lubic (nett: James Tolkan) hat ein paar ordentliche Oneliner auf der Zunge und wird von Minute zu Minute besser. Er sorgt für die Lacher und für zünftige Schenkelklopfer. Viel Tiefe ist da nicht, aber es reicht, dass man schmunzeln darf. Und ja, einige Szenen haben sich da schön ins Langzeitgedächtnis gebrannt. Stichwort: Pumpgun!

Dolph Lundgren ist ein ordentlicher He-Man. Ich konnte mich aber mit dieser Vokuhila-Frisur nie wirklich anfreunden. Und warum der Typ so einen komischen Umhang trägt, das versteh ich bis heute nicht. Zudem hat der viel zu viele (Plastik-)Waffen. He-Man ballert herum. Warum? Der hat ein Zauberschwert! Der soll damit gefälligst austeilen, so wie es meine Action-Figur immer gemacht hat. Und wo zum Hordak ist sein Doppelbeil? Und sein Höschen war mir immer viel zu eng. Ich will keine Penis-Umrisse sehen. Nein, das will ich echt nicht!

Und viel zu sagen hat der Muskelprotz in diesem Film auch nicht. Keine grossen Weisheiten, keine bleibenden Sprüche. Ist vielleicht auch besser so. Dafür spricht seine Gang immer viel zu viel. Wer hat eigentlich dieser Teela diese Sprüche in den Mund gelegt. „Das ist doch nur ein bisschen Schmutz!“ Schrecklich! Und der Duncan ist ein ganz langweiliger Sidekick, der auch nur mit seinem Magen denkt. Der Orko-Verschnitt Gwildor gibt einem dann den Rest. Diese Stimme! Und immer diese saudummen Bemerkungen und dieses Jammern.

Wie immer sind die bösen Jungs halt doch die viel cooleren. Skeletor ist genau so ein Skeletor, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Der Typ ist wirklich gemein, ein richtiger Saukerl und kein Trottel wie in den Cartoons. Seine Söldner sind eine Mixtur aus bekannten Actionfiguren und neuerdachten Charakteren. Und jetzt wird’s ganz subjektiv und nerdig: Beast Man ist Beast Man, Blade ist eine Mischung aus Tri-Klops und Trap Jaw, Saurod ist Kobra Khan und Karg ist dann wieder ein Mix zwischen Trap Jaw und Whiplash. Und Evil-Lyn ist einfach nur sexy. Punkt.

Ja, Masters of the Universe ist teilweise stumpfsinnig, hat ganz üble Spezialeffekte, die dem Auge weh tun, schlechte Schauspieler, riehiiiiiesige Logiklöcher, dumme, saudumme Dialoge, peinliche, nervige Erdenbewohner und einfach nicht viel Liebe zur Franchise. Auf der Habenseite ist er stellenweise wirklich witzig (Nein, nicht Gwildor!) und auch selbstironisch. Er unterhält, ist aber für ein Fan auch einfach nur zum Fremdschämen, dass man seine Action-Figuren Zuhause alle wieder verkaufen möchte.

Fazit:

Der Trashfaktor ist hoch. Die Geschichte, die Dramaturgie, die sich da sirup-artig über die Leinwand ergiesst und diese nervigen Teenies, die sich zu Klugscheissern entwickeln, das braucht ganz viel Toleranz. Eigentlich könnte sich jedes Kind, das mit den Acitonfiguren spielt, eine bessere Geschichte ausdenken. Dennoch darf man sich in diese krude Verfilmung unserer Lieblingsfiguren aus den 80er-Jahren verlieben. Lasst es einfach geschehen.

In diesem Sinne: Gute Reise!

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One thought on “Rezension: Masters of the Universe (1987)

  1. Gwildor ist eigentlich Orko. Der schwebt allerdings, was tricktechnisch zu teuer gewesen wäre. Also hat man gwildor als Ersatz erfunden.

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