Kurz

Ein Durchschnittsupperclass-Ehepaar, inklusive kleiner Göre, irren mit ihrem Auto so lange umher, bis sie bei einer diffusen Hütte stoppen, um aus etwelchen Gründen auch dort übernachten. Dass dabei ein offensichtlich geistesgestörter Türsteher die ganze Zeit wirres Zeug von einem Master schwafelt und Drohungen auf ungebetene Gäste stottert, stört den Familienpatriarchen genauso wenig, wie der desolate Zustand der Unterkunft oder die vehementen Einwände seiner Ehefrau. Vorhang auf für 65 Minuten, gespickt mit okkulter Polygamie, höllischem Dubbing und einem Free-Jazz-Bossa-Nova-Soundtrack direkt aus der Hölle.

Lang

Wir schreiben das Jahr 1965 und der Versicherungskaufmann Harold P. Warren aus El Paso schliesst mit seinem Freund Stirling Silliphant eine Wette ab. Warren soll mit einem Minimalbudget einen populären Horrorfilm realisieren. Der Wetteinsatz ist nicht bekannt, muss aber sehr verlockend gewesen sein, denn bereits ein Jahr später hat Mister Warren den legendären „Manos – The Hands of Fate“ im Kasten.

Der Film wurde in zweieinhalb Monaten gedreht und verschlang ein Budget von nur $19’000. Entsprechend ging der Regisseur sehr pragmatisch zur Sache und machte pro Take maximal zwei Aufnahmen. Auch fehlerhafte Szenen wurden aus Zeit- und Budgetgründen nicht ein weiteres Mal aufgenommen. Die Post-Production werde alles richten, so Warren. Selbstredend war schlussendlich kein Geld für Nachbearbeitung übrig.

Es kommt noch besser: „Manos“ wurde mit einer Handkamera geschossen, welche pro Aufnahme nur maximal 32 Sekunden einfangen konnte. Entsprechend ist die Dynamik des Films, da Warren die 32 Sekunden jeweils bis zum Schluss auskostet. Zudem wurde der Streifen komplett ohne Sound gedreht. Alle Dialoge sind nachträglich aufgenommen. Dabei waren, wiederum aus budgetären Gründen nur zwei Männer und eine Frau für alle in „Manos“ gesprochenen Dialoge verantwortlich! Ja, das auserkorene feminine Organ synchronisierte sogar das Kleinkind. Die Synchronisation ist sicherlich einer der vielen USPs des Streifen..

Ein weiteres Highlight ist Torgo, der Diener des Masters. John Reynolds, welcher den stammelnden Knecht spielt, war gemäss IMDb während dem Film durchgängig auf LSD. Wer seine durchgeknallte Performance sieht, wird dies nicht abstreiten. Auch hübsch, das Schauspiel der weiblichen Protagonistin Jackey Neyman ist dermassen hölzern und übertrieben, sie wäre die perfekte Ehefrau für Tommy Wiseau. 

Wenn dann noch der „Master“ – eine Mischung aus Hitler und Papa Moll – mit Birkenstöcken und übergrossem Bademantel durchs Bild torkelt, irgendwelche konfusen Sätze (Thou who dwelleth in the depth of the universe in the black casims of night! Thou who bestoweth the mother darkness upon thy faithful, to live eternally in her keeping etc etc.) stammelt und diese mit dem wohl übertriebendsten Lachen der Filmgeschichte garniert, ist der Kultmovie perfekt.

The Best Worst

 

Torgo looking for the Double Rainbow
Torgo looking for the Double Rainbow
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Manos – Hands of Fate Full Movie

 

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One thought on “Rezension: Manos – Hands of Fate (1966)

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