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In „German Angst“ erzählen drei Skandal-Regisseure drei Geschichten über Liebe, Sex und Tod in Berlin.

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Drei Kurzfilme über Sex, Love und Death. Tönt doch vielversprechend. Dass „German Angst“ bei der ersten FSK-Prüfung für eine 18er-Freigabe zu brutal war und dann in zweiter Instanz doch noch ungeschnitten die Freigabe erhielt, muss auch kein schlechtes Omen sein. Abgefeiert von diversen Gore-Zines und Horror-Festivals waren die Erwartungen an „German Angst“ durchaus hoch. Leider rechtfertigt keiner der drei Kurzfilme die Zuversicht.

„Final Girl“ von Nekromantnik-Schöpfer Jörg Buttgereit eröffnet die Mystery-Horror-Reihe mit einem Mädchen, das in ihrem versifften Zuhause zuerst das Meerschwein kuschelt und dann im Nebenzimmer ihren ehemaligen Peiniger mit Heckenschere und Bratenmesser in Stücke schneidet. Schon hier wird das Skandalöse auf plume Art und Weise erzwungen, ohne dass die Gewalt die Story weiterentwickelt. Immerhin schafft „Final Girl“ eine eigene, düster-verträumte Atmosphäre, doch von einem Kult-Regisseur wie Buttgereit (Schramm, Captain Berlin versus Hitler und Nekromantik) darf nach sieben Jahren Funkstille mehr erwartet werden. Rating 2/5

In „Make A Wish“ lässt Michal Kosakowski Nazis wüten. Zuerst verstört der Regisseur die Zuschauer mit gelb gefärbten körnigen Bildern und einer sadistischen Rückblende in den zweiten Weltkrieg, um dann in der Neuzeit ein taubstummes Pärchen von Neo-Nazis sinnlos verprügeln zu lassen. Mit ein bisschen übernatürlichem Firlefanz versucht Kosakowski aus seiner unerträglichen Gewaltorgie eine Story zu spinnen, doch der gut gemeinte Ansatz erstickt in sinnloser Folterei und niveauloser Härte. Rating 0/5

Dann sind 2/3 von „German Angst“ durch und das letzte Segment „Alraune“ von Andreas Marschall schickt sich an, den Streifen zu retten. Marschall bewies bereits mit „Masks“, dass er düstere Stimmung aufbauen und mit Originalität einen Horror-Film über den Durchschnitt hieven kann. Die Referenzen auf den Rudelbums in„Eyes Wide Shut“ und dem verstörenen Schluss von „The Society“ gefallen. Zudem baut „Alraune“ eine mysteriöse, fast Lynch-eske Spannung auf und der Zuschauer hat erstmals das Gefühl, dass in „German Angst“ doch noch kreative Ansätze schlummern. Der dritte Film ist mit Abstand der beste, dennoch reicht es nicht ganz, um den thematisch und optisch ähnlichen „Starry Eyes“ zu toppen. Rating 3/5

Besonders mit den ersten beiden Teilen möchte „German Angst“ schockieren und aufrütteln. Ersteres schafft es in paar wenigen Sequenzen, ansonsten sind sowohl „Final Girl“ als auch „Make a Wish“ plump und skandalös um des Skandals Willen. Weder Jörg Buttgereit noch Michal Kosakowski hantieren auf dem gleichen Level wie ein Michael Haneke (Funny Games, Benny’s Video) oder ein Gaspar Noé (Enter the Void, Irreversible). Einzig das Segment von Andreas Marschall rechtfertigt einen Blick auf dieses abstruse Machwerk.


 

 

 

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