Drei starke Frauen. Drei Mal Frauenpower. Drei Mal Mord und Totschlag. Das schreit nach einem weiteren Threesome.

Elle (2017)

Paul Verhoeven (Robocop, Total Recall, Starship Troopers, Basic Instinct) meldet sich zurück. Dies ist aber nur bedingt sein Verdienst, denn „Elle“ ist das Schaulaufen von Isabelle Huppert, welche als Femme Fatale glänzt und dabei ihre mutigste und kompromissloseste Darbietung seit „La pianiste von Michael Haneke an den Tag legt. Die Golden-Globe-Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin ist ebenso verdient, wie die Nomination für den Oscar. Dennoch hinterlässt „Elle“ bei mir einen schalen Nachgeschmack. Zwar ist die Hauptfigur mit ihrer Kaltschnäuzigkeit und ihrem beissenden Zynismus eine Augen- und Ohrenweide, dennoch wirkt das Konstrukt rund um ihren Charakter unglaubwürdig und teils sogar frauenfeindlich. Der Streifen unterhält zwar während der ganzen Laufzeit von über zwei Stunden, trotzdem fehlt dem Ganzen die Plausibilität. Die Parallelen zu Lars von Triers „Nymphomaniac Vol. 1“ sind zwar nicht von der Hand zu weisen, doch während Trier die Mischung zwischen Schock und cineastischem Kabinettstück perfekt ausbalanciert, bleibt der von Verhoeven gewählte Erzählstil austauschbar. „Elle“ ist OK, doch nur die Glanzleistung Hupperts hebt den Streifen übers Mittelmass.

Jackie (2017)

Der Chilene Pablo Larraín (Neruda, No) wirft mit „Jackie“ einen nüchternen und detailgetreuen Blick auf die Tage rund um das Attentat auf JFK. Natalie Portman als Jackie Kennedy ist eine Augenweide. Die Amerikanerin glänzt in der Rolle der First Lady, präsentiert sie doch mit minimalistischen Nuancen eine Vielfalt an Emotionen. Eine schauspielerische Meisterleistung, welche sogar ihre mit dem Oscar ausgezeichnete Darbietung in „Black Swan“ toppt. Die Omnipräsenz und Aura Portmanns ist einzigartig, soweit so Huppert. Doch im Gegensatz zu „Elle“ ist „Jackie“ keine One-Woman-Show. Herausheben wollen wir vor allem auch die Arbeit des Cinematographen Stéphane Fontaine (Un prophète, Captain Fantastic) und jene der Komponistin Mica Levi, welche nach „Under the Skin“ den Zuschauer zum zweiten Mal mit einem sehr eigenwilligen Soundtrack zwischen Stuhl und Bank setzt und so den Film auf die nächste künstlerische Ebene hebt. Auch dank dieser akustischen Untermalung entwickelt der Streifen einen Sog. Nebenbei schafft die flüssige Integration von Original-Aufnahmen höchste Authentizität und die Brutalität rund um das Attentat wird blutig, aber nie reisserisch inszeniert. Aufgrund seiner Machart wird „Jackie“ mit Sicherheit polarisieren. Meckerer werden anmerken, dass der stoische Blick Portmans und die vor Tristesse triefende Endlosmelancholie den Streifen abwerten. Wir haben „Jackie“ den Film erlebt, wie Jackie die Frau hier portraitiert wird: eigenwillig und stark.

The Eyes of My Mother (2017)

Was Regisseur Nicolas Pesce in seinem Erstlingswerk in die 76 Minuten Laufzeit reinpackt ist bemerkenswert. Im Zentrum steht Francisa (Kika Magalhaes) und die Art und Weise, wie sie mit einem höchst traumatischen Erlebnis ihre Kindheit zu recht kommt. Oder eben auch nicht. In schwarzweiss Bildern malt Kameramann Zach Kuperstein einen cineastischen Horror-Trip, angesiedelt zwischen Torture-Porn und Familiendrama. „The Eyes of My Mother“ geht an die Grenzen und darüber hinaus, ohne dabei ein weiteres, voyeuristisches Folterfilmchen zu sein. Pesce verzichtet auf die Darstellung der Gewaltexzesse und vertraut konsequent auf das Kopfkino der Zuschauer. Gut so, denn „The Eyes of My Mother“ bietet auch ohne Blutfontänen genug albtraumhafte Bilder, welche sich nachhaltig ins Gedächtnis der Zuschauer einbrennen. Das Perverse: der Horror in diesem Kunststreifen ist aufgrund seiner Bildsprache wunderschön anzusehen. Viele Bilder könnten auf direktem Weg von der Leinwand an die Wohnwände gehämmert werden. Auch der Verdienst Kupfersteins. Den Herrn müssen wir im Auge behalten. Ebenso Pesce, welcher „The Eyes of My Mother“ bis zum bitteren, unvermeidbaren Schluss kompromisslos und konsequent durchzieht. Geheimtip!

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