Kurz

Polizist Wolski ist trotz seiner herrscherischen Berufswahl das Gespött des Dorfpöbels. Nebst einem Wolf wütet eines Tages auch noch ein Psycho im Hochzeitskleid mit seinem Samurai-Schwert durchs verschlafene Kaff. Wolski nimmt Fährte auf.

Lang

„Der Samurai“ vom deutschen Regisseur und Drehbuchautor Till Kleinert ist eine eigenartige Filmerfahrung. Michel Diercks spielt den gepeinigten Dorfpolizisten auf Jagd und Pit Bukowski gibt den Mörder im Hochzeitskleid. Alle drei machen einen top Job. Besonders Neo-Regisseur Kleinert überzeugt mit seiner Abschlussarbeit für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin und liefert ein solides Machwerk mit professionellen Blick für Bild und Sound ab.

Gekonnt balanciert er auf dem Grat zwischen Imagination und Realität und besonders das Surreale steht dem Streifen. So spielt „Der Samurai“ fast ganzheitlich in dunkler, düster beleuchteten Nachtstimmung.

Deutschland ist nicht unbedingt bekannt für Genrefilme und es umso erfrischender, das dieses surreale Film-Monster funktioniert. Während im ähnlich positionierten „German Angst“ plumpe Effekthascherei für Aufmerksamkeit sorgen will, verzichtet „Der Samurai“ auf den bemühten Platzanspruch am Exploitaition-Tisch und tischt stattdessen eine atmosphärisch dichte Story mit soliden Gore-Effekten auf. An morbiden Schauwerten fehlt es bei Weitem nicht, so werden die Enthauptungen von einer Arie an kompromisslosen Blutfontänen flankiert.

Obwohl bei der homoerotisch gefärbten Geschichte gut auch David Lynch Pate gestanden sein könnte, ist nicht alles Gold was glänzt. Die Prämisse ist eine bekannte und der sich anbahnende „Twist“ ist bereits ab der ersten Sequenz offensichtlich. Doch glücklicherweise bleibt die alles erklärende Schlussszene aus und der Film lässt den Zuschauern den nötigen Interpretationsspielraum. Gerade für einen Debütfilm ist diese Konsequenz bewundernswert.

Der Film ist alles andere als eine Trash-Granate, unfreiwilliger Humor fehlt ebenso wie eine talentfreie Inszenierung, also bitte „Der Samurai“ nicht mit „Samurai Cop“ verwechseln. „Der Samurai“ ist erfrischend und mit seiner knapp 80minütigen Laufzeit auch ein flottes Filmhäppchen für zwischendurch.

 

 

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2 thoughts on “Rezension: Der Samurai (2015)

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