Kurz:

Typ A soll Typ B einen Tag lang mit seiner Videokamera dokumentieren. Typ A will Geld, Typ B den Blutdurst stillen.

Lang:

Eigentlich sind POV-Filme sowas von passée, aber hin und wieder kommt eine kleine, feine Überraschung ums Eck und haucht dem abgelutschten Genre wieder Leben ein. CloverfieldTroll HunterMan Bites DogAlexandre Ajas Maniac[Rec] und natürlich Blair Witch Project sind alles Top-POV-Filme und „Creep“ steht ihnen in keiner Art und Weise nach.

Das Eigene an „Creep“, es spielen nur zwei Personen mit. Und genau dieses Kammerspiel zwischen den beiden Hauptprotagonisten ist sehenswert. Regisseur, Drehbuchautor Patrick Brice (The Overnight) spielt den nichts ahnenden Auftragnehmer, welcher in die Fänge von Mark Duplass (The One I Love, Safety Not Guaranteed, Humpday) gerät.

Duplass selbst ist eine Offenbarung. Verstörend, herzlich, brutal, kindisch – alles Eigenschaften, die Duplass innert Sekunden abrufen kann und somit einen der „creepiest“ (duh!) Charaktere in der Kinogeschichte erschafft. Sein durchgeknallter Psychopath schlummert latent im Hintergrund, versteckt sich aber hinter übertriebener Schmeichelei und undurchsichtigen Aussagen. Duplass lässt sogar manchmal ein wenig Heath Ledger (in seiner Paraderolle als Joker) durch schimmern. In einer perfekten Welt wäre eine Golden Globe Nomination (für den Oscar ist „Creep“ zu creepy) gesichert.

OK, der Film hat auch seine Mängel. Nach dem fünften Jump-Scare geht das plumpe Erschrecke auf den Sack und auch mit nur 77 Minuten Spielzeit hat der dialoglastige Film seine Längen, dennoch hat der Streifen mehr auf der Haben- als der Soll-Seite. Die Kombination zwischen Horror, Drama und Komödie ist perfekt ausbalanciert und schauspielerisch grandios. Die Twists sind teils gesucht, teils überraschend; der Schluss ist aber ein kompletter Knock-Out.

„Creep“ ist der Beweis, dass auch ohne Geld und Gore ein guter Horror-Film zustande gebracht werden kann. Und dafür gibt’s 4 Haifischflossen. Jawoll.

 

Rating 4 out of 5

 

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4 thoughts on “Rezension: Creep (2015)

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