Kurz:

Smartphones are bad, mkay?!

Lang:

John Cusack, wir machen uns Sorgen um dich. Bei Samuel L. Jackson wissen wir wenigstens, dass er es eigentlich nicht nötig haben muss in einem solchen Kalauer mitzuspielen, vielleicht fand er es einfach auch lustig, sich nicht wirklich anstrengen zu müssen, aber bei dir, lieber John, reiben wir uns die Augen. Du bist sogar als „Executive Producer“ aufgeführt. What happend? Du siehst nicht nur höchst ungesund aus, nein dein rapider Fall vom respektablen Schauspieler (Being John MalkovichHigh Fidelity) zum Straight-to-DVD-Aushängeschild wird eigentlich nur von Nic Cage übertroffen, wobei dieser in letzter Zeit immerhin eine Mini-Renaissance feiern kann. Was du in „Cell“ ablieferst, ist dermassen schlecht, dermassen absurd und dermassen haarsträubend, dass du dir einen Platz im Best-Worst-Universum erkämpft hast. Sollen wir dir gratulieren?

Bereits der Anfang von „Cell“ spricht Bände. Die Anfangstitel werden nämlich in massiven, schwarzen Balken präsentiert. Inklusive Typo des Schrifttyps Arial. Igitt. Die hässlichen Quadrate versperren jeweils einen grossen Teil der Bilder, sinnlos und nervend werden so die Blicke der Zuschauer während drei Minuten von rechts nach links nach oben nach unten gehetzt. Was sich Regisseur Tod Williams („Paranormal Activity 2„) dabei gedacht hat, werden wir wohl nie herausfinden. 

Mittendrin in dieser konfusen Bildkomposition taucht dann unser vermeintlicher Held Clay Riddell (Cusack) auf. Riddell ist am Flughafen und ruft kurz vor seinem Rückflug noch rasch seine Frau und seinen Sohnemann an. Kurz darauf schiesst der WTF-o-Meter durchs Dach, denn wegen irgend einem elektronischen Puls (so übrigens auch der deutsche Titel des Streifens) direkt ins Ohr übertragen durch Smartphones, fangen alle Flughafengäste urplötzlich an, wie wild zu zucken, zu schäumen, in Wände zu rennen, sich mit Macheten aufzuschlitzen oder sich gegenseitig zu Brei zu hauen. Unvermittelt bricht das Chaos aus. Da kann schon fast die Flughafenszene aus „Civil War“ einpacken (just kidding). Was Williams hier inszeniert sucht Seinesgleichen. Die Gewalt ist dermassen over-the-top, wir konnten unser Lachen unmöglich zurück halten. Kein Wunder lies sich Troma-Gott Lloyd Kaufman in dieses Szenerie zu einem Blink-and-you’ll-miss-Cameo-Auftritt hinreissen.

Erinnert ihr euch an den grandios üblen „The Happening“? „Cell“ ist ein ähnliches Kaliber. Auch hier ist die Gewalt einfach unfreiwillig zum Brüllen komisch. Und schön blutig ist sie auch noch. Ja, beim roten Körpersaft und den Masken wurde definitiv nicht gespart, dafür offensichtlich beim Drehbuch. Und da die Handlung bis zum abstrusen Ende stets dämlich bleibt, konzentrieren wir uns auf das repetitive Erzählmuster, das geht nämlich so:

  • Heldengruppe spaziert umher.
  • Heldengruppe trifft neue Leute.
  • Austausch mittels schauderhaften Dialogen.
  • Die neuen Leuten werden hyper-brutal abgemurkst.
  • Heldengruppe spaziert umher.
  • Heldengruppe trifft neue Leute.
  • und so weiter,
  • und so fort.

Und dann wären ja noch die „Phoners“, so werden die Zombies in „Cell“ genannt. Die Phoners benehmen sich so, als hätte Regisseur Williams einem Haufen Laiendarstellern den Freipass gegeben, möglichst übertrieben Badesalz-Junkies darzustellen. Verwirrt, stöhnend, zuckend, manisch lachend, schäumend, brüllend, stolpernd, rennend – in „Cell“ gibt es die ganze Palette an übertriebenem Schauspiel. Ach ja, und wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, öffnen die Phoners ihre Mäuler und geben elektronische Geräusche zum Besten oder noch skurriler, sie werden zu Radiostationen und übertragen Singsang. NOT. FUCKING. KIDDING.

„Cell“ setzt alle Hebel der Logik ausser Betrieb. Da wird die Strecke „Flughafen > U-Bahn-Untergrund > Downtown > Wohnung Riddells“ schon mal gemütlich in 3 Minuten zu Fuss zurückgelegt oder ein frustrierter Survivor löscht ein loderndes Feuer mit vier Fausthieben. Der Streifen glänzt mit dermassen vielen absurd übertriebenen Szenen, die legendäre Rasenmäher-Szene aus „The Happening“ ist Nasenwasser dagegen. Wer also schon immer Samuel L. Jackson und John Cusack dabei zusehen möchte, wie sie mit einem Spritzfahrzeug ein Fussballfeld voller komatös schlafender, Operette singender Zombies platt walzt: „Cell“ ist euer Film! Kommt hinzu, dass „You’ll Never Walk Alone“ nach diesem unsäglichen Streifen eine komplett neue Bedeutung erhält.

Ihr ahnt schon was kommt, oder?

Fazit:

Wir lieben „Cell“.  Der Streifen ist der Beweis, dass auch in der heutigen Zeit waschechte „Best-Worst“-Granaten produziert werden. „Cell“ ist absurd geschnitten, lächerlich geschrieben, überbrutal und vor allem eines: verdammt unterhaltsam. Wir freuen uns schon jetzt, dieses Desaster noch ein paar weitere Male reinzuziehen. Instant „Best-Worst“-Classic.

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