Am diesjährigen NIFFF zogen wir uns während drei Tagen 18 Filme rein. Unsere Reviews dazu gibt es gebündelt, in mehr oder weniger thematisch abgestimmten 3er-Gruppen. Heute etwas tierisch: Das Biest in der menschlichen Natur.

Berlin Syndrom (2017)

Backpacker-Trauma mit psychopathischem Berliner-Fritzl und australischer Traumtänzerin. Eine 120-minutenlange Qual für Nerven und Gemüt, welche sich wie eine Kurzversion eines Kidnappings anfühlt. Der australischen Produktion fehlen harte, psychologische Gewaltszenen und das Mitgefühl mit dem Entführer entfällt fast gänzlich, obwohl der Titel eine Anspielung auf das Stockholm Syndrom ist. Dank glaubwürdigen Schauspielern und träumerischer Kameraführung halbwegs passabel.

Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)

Einfach nur ein Stück Filmgeschichte, das nach fast hundert Jahren immer noch geschaut wird. Über diesen Film könnten wir mehrere Seiten auf unserem Blog füllen. „Das Cabinet des Dr. Caligar“ von Robert Wiene ist sowohl künstlerisch wie auch historisch ein vielschichtiges Werk. Aber darüber lassen wir besser Kunsthistoriker referieren. In der Geschichte, geht es um einen Schausteller, der einen Somnambulen zu unmenschlichen Taten manipuliert. Uns hat dieser expressionistische Stummfilm, welcher sich wie ein Theaterstück anschaut, gefesselt. Die Kulissen, welche gegen die Gesetze der Perspektive verstossen, fühlen sich verkrüppelt und alptraumhaft an. Die kontrastreiche Belichtung gepaart mit dem starken Makeup der Schauspieler versprühen eine groteske und finstere Grundstimmung. Und die Musik! Der zeitlose Soundtrack würde sogar in einem Film, der zur heutigen Zeit rauskommen würde, als avantgardistisch und experimentell gelten. Anders gesagt: das NIFFF hätte sein drittes F nicht und Tim Burton wäre nicht Regisseur, wenn „Das Cabinet des Dr. Caligari“ das „Fantastic“ nicht auf die Leinwand gebannt hätte. Hier sei auch ein Lob ausgesprochen an Reverend Beat-Man, welcher diese Perle in seine Carte-Blache-Auswahl genommen hat.

Bitch (2017)

Überforderte Vorstadt-Mum mutiert nach verpatztem Suizidversuch zum Hund. Höchst befremdlich, wenn ein Film mit solcher Prämisse und übel reisserischem Titel in einem plumpen, moralischen, humorlosen Familiendrama mündet. So viel verraten wir: Die gescheiterte Vorzeigehausfrau verwandelt sich nicht wortwörtlich in einen Pitbull und der moderne Patriarch, um den es (zu unserer Ernüchterung) ausschliesslich geht, nicht in ein Schosshündchen. Das Werk von Mariann Palka ist weder ein Holywood-Blockbuster, noch fühlt es sich wie Arthouse an. Unsere grösste Enttäuschung am diesjährigen NIFFF. Definitiv ohne Biss.

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