Kurz

Der Schaupspieler Riggan Thompson ist für seine Darstellung des Comic-Helden Birdman weltberühmt. Nach drei erfolgreichen Blockbustern geriet seine Karriere aber ins Stocken. Auf der verzweifelten Jagd nach Kredibilität versucht sich Thompson nun als Theaterschauspieler. Das selbst ausgewählte Broadwaystück nimmt ihn als Autor und Regisseur allerdings mehr als gewünscht in Beschlag und während die Premiere nur noch Tage entfernt ist, bringen Selbstzweifel und zerrüttelte Familienverhältnisse Thompson immer mehr aus dem Tritt.

Lang

Alejandro González Iñárritu, dem mexikanischen Wunderkind gelingt nach „Amores Perros“, „Babel“, „21 Grams“ und „Biutiful“ sein bisher grösster Wurf.

„Birdman“ besticht primär durch seine endlose(n) Kamerafahrt(en). Die Idee, einen Film in einer einzigen rastlosen Aufnahme darzustellen, ist zwar nicht neu, aber die Verve, mit welcher Iñárritu dieses Unterfangen in „Birdman“ umsetzt, ist einzigartig. Unaufhaltsam reist die Kamera mit den Schauspielern durch das alt ehrwürdige Broadway’s St. James Theatre. Settings wechseln im Fünfminutentakt und die Kamera folgt den Protagonisten schon gerne mal auf den Broadway an die frische Luft und wieder zurück.

Der präzis choreographierte Drehstil von Iñárritu forderte den Schauspielern alles ab. So mussten sie für einzelne Szenen bis zu 15 Seiten Dialog auswändig lernen und auf akribisch vorbestimmten Markierungen für ihre Einsätze bereitstehen. Iñárritu und seine Cutter halten die Illusion des Single-Shots um jeden Preis aufrecht und verschweigen konsequenterweise die Anzahl effektiver Schnitte, dennoch ist durchgesickert 1, dass die Szenen durchschnittlich 10 Minuten dauern, ein paar über 15 Minuten.

Der Einsatz von Cast & Crew hat sich gelohnt, der Strom den der Film erzeugt ist visuell betörend und unwiderstehlich. Und der eigenwillige Soundrack (nur Schlagzeugsolos) trägt zur einzigartigen Atmosphäre bei.

Doch nicht nur die Regiearbeit gefällt, auch die Schauspieler selbst sind top. Hauptprotagonist Michael Keaton spielt die Rolle des gealterten, verbitterten Schauspielers mit Bravour. Wohl auch, weil die Parallelen von Keaton zum Birdman nicht von der Hand zu weisen sein. So feierte er selbst mit „Batman“ und „Batman Returns“ seine Grosserfolge in den 90ern, ehe er in der Versenkung verschwand. Auch Edward Norton als neurotischer Gegen(schau)spieler und Emma Stone als Ex-Junkie/Tochter-Kombo liefern beste Auftritte ab.

Neben beeindruckender Kameraführung und top Schauspielern, fällt demgegenüber die Botschaft des Films ab. Mit dem Holzhammer bläut Iñárritu den Zuschauern ein, dass wirkliche Schauspielkunst vor allem auf kleinen Theaterbühnen stattfindet und nicht in pompösen Blockbuster-Schlachten. Theater = good, Blockbusterkino = bad. Die plumpe Aussage macht „Birdman“ ein bisschen weniger clever, als er gerne sein möchte. Nichtsdestotrotz bleibt er einer der eindrücklichsten und intelligentesten Indiefilme der letzten Jahre.

Rating 4 of 5

 

1http://www.hollywoodreporter.com/behind-screen/oscars-birdman-cinematographer-reveals-secrets-760590

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3 thoughts on “Rezension: Birdman (2014)

  1. Michael Keaton hat in diesem Film die vielleicht beste Leistung seiner Karriere abgeliefert, wenn nicht sogar eine der besten schauspielerischen Leistungen überhaupt.

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